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Wurzel des
Nachtschattengewächses Mandragora, die man bereits im klassischen Altertum
als Amulett und Talisman verwendet hatte und die bis ins 19.Jahrhundert in
unseren Apotheken gehandelt wurde.
Man stellte sich die Alraune als menschenähnliches Wesen vor (ihr
rübenartiger, vielfach verzweigter Wurzelstock erinnert entfernt an eine
menschliche Gestalt) und bewahrte sie - in Erinnerung an die Hausgötter - an
einem verschwiegenen Ort auf, wo man sie verehrte, pflegte und bekleidete.
Der Besitz einer Alraune sollte dem Betreffenden Glück, Reichtum und
Gesundheit garantieren. Zudem diente sie als Hilfsmittel zum Orakel.
Besonders begehrt war die Alraune seit der Antike als Aphrodisiacum, aber
auch als Betäubungsmittel.
Von zahlreichen historischen Persönlichkeiten wird berichtet, sie hätten
einen Alraun besessen: Faust, Berthold Schwarz, Johanna v. Orleans, Johannes
Prätorius, Karl IV und vor allem Kaiser Rudolf II. von Habsburg (1576-1612).
Rudolf II. war ein menschenscheuer, zur Schwermut neigender Herrscher, der
sich mit Kuriositäten und alchemistischen Versuchen auf dem Hradschin in
Prag abgab, wo er zurückgezogen lebte. Er hatte eine grosse Sammlung
magischer Geräte, Zauberspiegel und auch zwei Alraune mit Namen Maryon und
Trudacyas, die in Samt und Seide gehüllt waren und die regelmässig in klarem
Wein gebadet werden mussten. Wurde dies versäumt, so sollen sie geschrien
haben wie neugeborene Kinder. Sie lagen in einem Holzkästchen, das einem
Sarg nachgebildet war.
Bei den Gebrüdern Grirnm ist nachzulesen, wie man sich in der volkstümlichen
Überlieferung die Entstehung einer Alraune vorstellte: „Wenn ein Erbdieb,
dem das Stehlen durch Herkunft aus einem Diebgeschlecht angeboren ist, oder
dessen Mutter, als sie mit ihm schwanger ging, gestohlen, wenigstens gross
Gelüsten dazu gehabt (nach andern, wenn er zwar ein unschuldiger Mensch, in
der Tortur aber sich für einen Dieb bekennet) und der ein reiner Jüngling
ist, gehängt wird und das Wasser lässt (Sperma), so wächst an dem Ort der
Alraun oder das Galgenmännlein.“
Bereits der arabische Arzt und Philosoph Avicenna (980-1037) erwähnt, dass
der oder die Alraune ihr Geschlecht nach dem Gehenkten erhält.
Die Beschaffung einer Alraune galt als nicht gefahrlos. So schreiben die
Brüder Grimm: „Bei der Ausgrabung desselben ist grosse Gefahr, denn wenn er
herausgerissen wird, ächzt, heult und schreit er so entsetzlich, dass der,
welcher ihn ausgräbt, alsbald sterben muss. Um ihn daher zu erlangen, muss
man am Freitag vor Sonnenaufgang, nachdem man die Ohren mit Baumwolle, Wachs
oder Pech wohl verstopft, mit einem ganz schwarzen Hund, der keinen anderen
Flecken am ganzen Leibe haben darf, hinausgehen, drei Kreuze über den Alraun
machen und die Erde rings herum abgraben, so dass die Wurzel nur noch mit
kleinen Fasern in der Erde stehen bleibt. Danach muss man sie mit einer
Schnur dem Hund an den Schwanz binden, ihm ein Stück Brot zeigen und eilig
davonlaufen. Der Hund, nach dem Brote gierig, folgt und zieht die Wurzel
heraus, fällt aber, von ihrem ächzenden Geschrei getroffen, alsbald tot
hin.“
Der Alraun kann von seinem Besitzer nicht beliebig weitergegeben werden. Er
muss ihn zu seinen Lebzeiten verkaufen und zwar zu einem niedrigeren Preis,
als er ihn erworben hat. Wer ihn als letzter besitzt und nicht weitergeben
kann, ist dem Teufel verfallen.
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