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Das Wort Alp ist von dem
angelsächsischem und niederdeutschem „alf“, „elf“, abgeleitet und
bezeichnete ursprünglich die mythischen Elfen der angelsächsischen und
altnordischen Überlieferung.
Unter dem Begriff Alp werden im Volksglauben ziemlich unterschiedliche
Vorstellungen zusammengefasst, was auch in der Vielzahl regionaler
Benennungen zum Ausdruck kommt.
Die zunächst freundliche Gestalt des Alp kehrte sich bereits früh ins
Negative und nahm die Züge
des heimtückischen, bedrückenden Wesens an, das in Hessen, Franken,
Thüringen, Sachsen und im bayerisch-österreichischen Raum als Trud, in der
Schweiz als Toggeli oder Doggi, im Niederdeutschen als Mahr, im Schwäbischen
und Alemannischen als Schrätele, und im ostfriesischen und oldenburgischen
Raum als Walrider, Walriderske bekannt ist. Daneben gibt es noch eine grosse
Zahl weiterer regionaler Bezeichnungen.
Der Alp ist ein nächtlicher Druckgeist, der den sogenannten Alpdruck
(Alptraum) erzeugt. Er tut das, indem er sich dem Schlafenden auf die Brust
legt und ihn fast bis zum Ersticken drückt. Dabei werden häufig auch
erotische Träume erlebt, die den Alp als weiblichen (Succubus) oder
männlichen Dämon (Incubus) outen. In den meisten Fällen ist es so, dass
Männer des nachts von weiblichen Alpen (nackte junge Mädchen) und Frauen von
einem männlichen Alp heimgesucht werden. Manchmal ist von Zungenküssen die
Rede, und der weibliche Alp kann einen jungen Burschen so lange drücken, bis
ein Samenerguss erfolgt. Diese sexuelle Komponente des Alpdrückens regte den
Freudschüler Ernest Jones in seiner 1912 erschienen Studie über den Alptraum
dazu an, die Alpgeschöpfe und den damit verbundenen Alptraum als Ergebnis
eines „heftigen seelischen Konfliktes“ zu betrachten, „dessen Mittelpunkt
eine verdrängte Komponente des psychosexuellen Trieblebens bildet.“
Eine eher nüchterne Erklärung für das Alpdrücken suchte man in einer zu
reichlichen Abendmahlzeit. Die moderne Medizin sieht Atemnot aufgrund von
Angina pectoris als Ursache der nächtlichen Traumerlebnisse.
Der Druckgeist ist in seiner Gestalt nicht festgelegt. Er kann in
menschlicher Gestalt, aber ebenso als Gegenstand, z.B. als weisse Feder, als
Tier - hier ist die Katze beliebt - oder als hässliches Mischwesen in
Erscheinung treten. Gerade die Verwandlungsfähigkeit ist kennzeichnend für
den Alp. Man glaubte, ein Mensch müsse sich aufgrund einer rätselhaften
schicksalshaften Veranlagung nachts in einen Alp verwandeln, aber ebenso
gibt es die Vorstellung von dem Alp als Seele in Tiergestalt (Albamus), die
den Körper verlasse, urn einen anderen zu drücken. Der Alp kann auch ein
Wiedergänger sein, oder in Osteuropa als Vampir erscheinen, der an den
Brüsten von Kindern, Männern und Frauen saugt.
Nicht nur die Alpvorstellungen haben sich aus vielerlei kulturellen
Einflüssen von der Antike bis zur Moderne geformt, auch die Abwehrmassnahmen
gegen nächtliche Heimsuchungen stammen aus verschiedenen kulturellen
Schichten. Sie reichen von magischen Abwehrmitteln über christliche
Weihehandlungen bis hin zu rationalen Praktiken. Weit verbreitet war die
Verwendung des magischen Drudenfusses, an dem der Alp nicht vorbeikommt.
Auch wurde den Schlafenden empfohlen, sich einen Spiegel auf die Brust zu
legen oder die Schuhe verkehrtherum an das Bett zu stellen. Man nahm nämlich
an, der Alp sei gezwungen, in die Fussstapfen seiner Opfer zu treten.
Christliche Abwehrmittel sind Gebete (Alpsegen), Weihwasser, Reliquien,
Kreuze (Drudenmesser) etc. Auch durch Verstopfen des Schlüsselloches oder
Schlafen in der Bauchlage hoffte man, Alpdrücken vermeiden zu können. Am
nachvollziehbarsten erscheint einem die Empfehlung, Licht brennen zu lassen,
da der Alp - wie fast alle Gespenster - die Helligkeit scheut. Will man den
Alp - wenn er einen nun doch heimsucht - zwingen, seine Identität
preiszugeben, sollte man das Loch, durch das er in das Zimmer gekommen war,
verstopfen, dann muss er sich zu Sonnenaufgang in seiner wahren Gestalt
zeigen. Oder man verletzt den Alp, und am nächsten Tag erscheint dann ein
Nachbar oder eine Nachbarin, die sich durch genau diese Verletzungen als Alp
verrät. ln manchen Fällen kann man die alpende Person erlösen, indem man sie
beim Namen nennt oder ihr ein anderes Opfer (Pferd, Baum) zum Drücken
überlässt.
Zweifellos handelt es sich bei der Alp Vorstellung um ein weltweit
verbreitetes Phänomen, das bereits den Naturvölkern und in der Antike
bekannt war. Anscheinend lag es für den Menschen nahe, das Geheimnis des
Schlafes - mit seinen Träumen, Bedrückungen und Begierden - mit einer
Gestalt zu verbinden, die schmachtend und lastend zugleich auf uns liegt. |