| Besant, Annie |
| Englische Theosophin. Bis 1888 war sie eine der führenden englischen Feministinnen und Vorstandsmitglied der sozialistischen Vereinigung „Fabian Society“, wo sie auch den Dichter Bernard Shaw kennenlernte. Nach der Lektüre von Die Geheimlehre von Blavatsky machte sie eine Kehrtwendung und wurde Theosophin. In kurzer Zeit schaffte sie es, dem inneren Führungszirkel (Esoteric Section) der Theosophical Society anzugehören. Wie die führenden Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hatte auch sie ihren geheimen Meister, den Tibeter Morya, der als gleichsam übermenschliches Wesen in den Einöden Tibets lebte. Nach dem Tod von Blavatsky (1891) liess sie sich in Benares nieder, wo sie das Central Hindu College gründete. Die Bitte einflussreicher Brahmanen, die Führung der nationalen Hindubewegung zu übernehmen, lehnte sie ab. In diese Periode fällt auch ihre Zusammenarbeit mit Leadbeater, mit dem zusammen sie zahlreiche Bücher verfasste (Gedankenformen, deutsche Übersetzung 1908 und Der sichtbare und unsichtbare Mensch, deutsche Übersetzung 1905, heute noch Standardwerke der Auraforschung). In ihrer Okkulten Chemie (deutsche Übersetzung 1908) entwickelten sie eine Atomlehre, die auf hellseherischen Beobachtungen (Mikropsi) beruht. Die Ergebnisse ihrer fast 40jährigen Forschungsarbeit sind überraschenderweise von der modernen Kern‑ und Teilchenphysik bestätigt worden. 1907 wurde sie zur Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft gewählt. Ihre zusammen mit Leadbeater getroffene Entscheidung, dass der Brahmanenjunge Krishnamurti ein Avatar und der kommende Messias sei, wurde von vielen Mitgliedern (besonders Steiner) nicht gebilligt. Ab 1913 gab Besant ihre Zurückhaltung gegenüber der Politik auf und beteiligte sich am politischen Leben Indiens. Das Ende ihres Lebens ist durch Enttäuschungen gekennzeichnet. Ihr Mitarbeiter Leadbeater, der vorübergehend Bischof der Altkatholischen Kirche war, gründete Anfang der 20er Jahre seine eigene Kirche, die Liberal Catholic Church, der zahlreiche Theosophen beitraten. Von ihren über 300 Veröffentlichungen sind ausser den oben genannten von Wichtigkeit (in deutscher Übersetzung): Die uralte Weisheit (1898), Die vier grossen Religionen (1904), Reinkarnations‑ und Wiederverkörperungslehre (1905) und Einweihung (1908). |
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