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Der angeblich
zauberkräftige Stab, der ein unentbehrliches Requisit jedes ehrgeizigen
Zauberers und so mancher Hexe war, wird noch heute von den Magiern benutzt,
die auf der Bühne stehen und uns mit ihren Kunststücken verblüffen.
Vielleicht waren es die Stäbe der biblischen Propheten, die die Vorstellung
angeregt haben, dass zur Ausführung eines Zaubers ein Zauberstab benutzt
werden müsse. Viele Magier setzten zweifellos grosses Vertrauen in die
Fähigkeiten eines vorschriftsmässig angefertigten Zauberstabes, wenn sie
behaupteten, sie brauchten damit nur in eine bestimmte Richtung zu zeigen,
um ihren Zauber dorthin zu leiten.
Die frühesten Hinweise auf die Benutzung von Zauberstäben in der Hexenkunst
stammen aus dem fünfzehnten Jahrhundert. In der von einem unbekannten
Verfasser stammenden Schrift Errores Gazariorum heisst es, dass die Hexen
einen Zauberstab erhielten, wenn sie vom Teufel getauft wurden. Solche Stäbe
spielten gewöhnlich beim Hexenflug oder bei der Divination eine Rolle,
liessen sich jedoch auch zum Aufspüren verborgener Schätze und zu anderen
Dingen einsetzen. Ausserdem konnten sie auch für die Jungfernprobe und zum
Identifizieren von Dieben und Mördern benutzt werden. Ein in solchen
Praktiken geübter Zauberer war angeblich in der Lage, ein Tier seiner
Bewegungsfähigkeit zu berauben, indem er mit dem Stab auf dessen Körper
zeigte. Zauberstäbe galten auch in der Heilkunde als nützlich, und so hatten
die Arzte bis weit in das achtzehnte Jahrhundert hinein als Symbol ihres
Berufes stets einen Spazierstock bei sich.
Zauberstäbe gab es in unterschiedlichen Formen und Grössen; manche Zauberer
bevorzugten eiserne Stäbe oder statt dessen blanke Schwerter. Für die
Nekromantie und die Kontaktaufnahme mit dem Satan sollten Zauberstäbe aus
Zypressenholz, einem Material, das mit dem Tod in Verbindung stand, die
besten sein. John Fian hatte behauptet, dass während der Untersuchungen im
Fall der Hexen von Berwick der Teufel persönlich mit einem weissen
Zauberstab in der Hand in seiner Zelle erschienen sei; der Teufel habe den
Stab zerbrochen und sei darauf verschwunden. Um den Geist eines
Selbstmörders zu beschwören, musste ein Zauberer die Leiche neunmal mit
seinem Zypressenstab berühren, worauf sich der Geist angeblich
materialisierte, um die an ihn gerichteten Fragen zu beantworten.
Zauberstäbe aus Hasel- oder Weidenholz spielten in anderen Zusammenhängen
eine Rolle.
Gelegentlich gab es sehr strenge Regeln, die für gewisse Rituale die
Verwendung eines bestimmten Typs von Zauberstab vorschrieben. In einigen
Quellen wird beispielsweise behauptet, dass eine Hexe oder ein Zauberer zum
Ziehen eines magischen Kreises nur eine Haselgerte von genau 49,53 cm Länge
benutzen durften, die bei Sonnenaufgang mit dem blutbefleckten Hexenmesser
des Magiers geschnitten worden sein musste. Zu den Ritualen, die über einem
neuen Zauberstab ausgeführt werden mussten, um dessen verborgene Zauberkraft
zu wecken, gehörten das Aufsagen von Gebeten und von Namen der Macht. Manche
Zauberer steckten auf die Enden des Stabes magnetisierte Kappen, um dessen
Eigenschaften zu verstärken, und weihten ihn vor jeder neuen Benutzung. |