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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Zauberformel

Ein Zauberspruch oder eine andere Form von Worten, die hergesagt werden kann, um die Macht der Magie zu beschwören, oder ein Gegenstand von bestimmtem Aussehen, dem angeblich magische Kräfte innewohnen
Das Aussprechen von Zauberformeln war ein wichtiger Punkt beim Vorgang des Zauberns oder Bannens; es war möglicherweise eine Imitation der Gebete und Lieder der christlichen Kirche. Die Zauberformeln einer Hexe, die von einfachsten Reimen bis zu komplizierten Texten in lateinischer Sprache oder unsinnigen Sprüchen reichte, die vermutlich nur der Teufel selbst verstand, waren Teil der Mythologie der Zauber und Verwünschungen. Zauberformeln wurden in dem Glauben, dass sie die magische Wirksamkeit verstärkten, auch über den verschiedenen Instrumenten des Hexenhandwerks - über Messern, Kräutern und anderen Dingen - gesprochen.
Andererseits war die Zauberformel auch eines der einfachsten und am schnellsten verfügbaren Verteidigungsmittel gegen drohende Hexerei. Sie wurde gewöhnlich in allen möglichen Fällen angewendet - wenn man sich zur Nachtruhe begab, Krankheiten behandelte oder gefährliche Unternehmungen in Angriff nahm - und in ganz ähnlicher Weise wie ein Gebet gesprochen. In der Tat beschworen die Zauberformeln wie in dem allgemein bekannten „Weissen Vaterunser” sehr oft die Namen der Heiligen der christlichen Lithurgie:
Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, segne das Bett, in dem ich liege.
In Schottland wurden Verstauchungen behandelt, indem man um die betroffene Stelle Leinengarn mit neun Knoten band und dazu folgendes sang:
Unser Retter ist gefallen,
Sein Fuss ist verletzt.
Unser Retter liegt darnieder.
Sehne zu Sehne, Ader zu Ader.
Gelenk zu Gelenk und Knochen zu Knochen Heile in Gottes Namen.
Die Kirche beurteilte solche Zauberformeln pessimistisch und wies warnend darauf hin, dass mit wenigen Ausnahmen nur Gebete in ihrer üblichen katholischen Form zulässig seien, und dass die Abwandlungen einen Dämon heraufbeschwören könnten. In Schottland musste tatsächlich jeder, der der Anwendung von Zauberformeln schuldig gesprochen wurde, mit dem Feuertod rechnen. Sir George Mackenzie schrieb 1678 in seinem Werk Laws and Customs of Scotland:
Obwohl Zauberformeln nicht in der Lage sind, Wirkungen zu zeigen, die bei Hexen strafbar sind, da diese Wirkungen nicht ohne den Teufel hervorgerufen werden können, und da dieser keinem auf dessen Wunsch hin dient, der sich ihm nicht völlig ergeben hat, ist es sehr gerecht, dass deren Benutzer bestraft werden, denn sie sind zumindest der Abtrünnigkeit und Ketzerei schuldig.
Es gibt Aufzeichnungen von verschiedenen Zauberformeln, die ersonnen wurden, um die Bannsprüche und Zauber übelwollender Hexen zu brechen. Einen solchen Spruch zur Erlösung eines Opfers von einem Hexenzauber verriet James Device 1612 während des Prozesses gegen die Hexen von Pendle:

Am Karfreitag werde ich fasten, solange ich mag, Bis ich sie die Glocke
unseres Herrn läuten höre;
Der Herr in seiner Messe
Mit seinen zwölf Aposteln,
Was hat er in seiner Hand?
Den geschmeidigen Zauberstab.
Was hat er in der andern Hand?
Den Schlüssel zum Himmelstor.
Öffne, öffne den Himmel, Schlüssel.
Bleib geschlossen, Höllentor.
Lass das getaufte Kind
Gehn zu seiner Mutter sanft.
Was ist dort drüben, was so hell leuchtet?
Mein geliebter Sohn, der an den Baum genagelt ist. Er ist angenagelt so schmerzhaft an Herz und Hand Und an der heiligen Hirnschale.
Gut ist jener Mensch,
Der sein Kind
den Freitagszauber lehren kann;
Ein blaues Kreuz und ein andres von roter Farbe, Als unser lieber Herr am Kreuz war.
Gabriel legte ihn zum Schlafen nieder
Auf den Boden voll heiliger Tränen.
Der liebe Gott kam vorbei:
Gabriel, schläfst du oder wachst du?
Nein, Herr, ich stehe mit Stab und Pfahl,
Dass ich weder schlafen noch wachen kann. Steh auf, Gabriel, und gehe mit mir,
Weder Stab noch Pfahl werden dir
rühmlich sein.
Süsser Jesus, unser Herr, Amen.
Es mag zumindest exotisch anmuten, doch auch der übliche Ausspruch „Gesundheit”, mit dem man jemanden bedenkt, der gerade geniest hat, gehört zu den Zauberformeln. Er sollte die Person davor schützen, in einem Moment, in dem sie gewissermassen wehrlos ist, einem störenden Einfluss durch übelwollende Kräfte zum Opfer zu fallen, denn die Seele könnte ja beim Niesen zufällig aus dem Körper ausgestossen werden, und die Bemerkung „Gesundheit” würde ihr die Rückkehr erleichtern. Andere Zauberformeln sollten vor Zahnschmerzen, Blutungen und anderen körperlichen Beschwerden schützen, ganz gleich, ob sie übernatürlichen Ursprungs waren oder nicht.
Typisch für die Zauberformeln, die man als Teil der Therapie für körperliche Leiden aufsagte, war der folgende schottische Spruch gegen Schluckauf
Mein Geliebter ist einer, Der Schluckauf ist zwei;
Wenn mein Liebster mich gern hat,
Ist der Schluckauf vorbei.
Eine Alternative zum Aussprechen einer Zauberformel war das Aufschreiben auf einen Zettel oder auf ein Amulett, das man dann gewöhnlich an einer Schnur am Hals mit sich herumtrug. 1882 wurde in einer Hütte in Madeley, Shropshire, eine Zauberformel entdeckt, die auf ein Stück Papier gekritzelt und in einem Spalt am Schornstein versteckt war. Sie sollte offenbar das Haus vor allem Bösen schützen und lautete: „Ich fordere alle Hexen und Geister in dem berühmten Namen von Jehova, Alpha und Omega auf, dieses Haus zu verlassen.”

 

 

 

 

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