|
Zu den Verbrechen, die
man vielen vermeintlichen Hexen zur Last legte, gehörte auch das
Heraufbeschwören von Unwettern und Stürmen mit dem Ziel, Schiffe untergehen
zu lassen, Ernten zu vernichten und einem Feind eine Menge anderer
Katastrophen zu bringen. Bereits viele Jahrhunderte vor den
Hexenverfolgungen wurden Magier immer wieder beschuldigt, einen Wetterzauber
angewendet zu haben, und so war es unvermeidlich, dass auch die
vielbeschworene neue Hexengeneration mit solch dubiosen magischen
Aktivitäten in Verbindung gebracht wurde. Der Glaube an die Macht der Hexen
über die Elemente war tatsächlich so ausgeprägt, dass es bei jedem starken
Wind, der Zerstörungen anrichtete, fast eine Selbstverständlichkeit war, die
Verantwortung dafür irgendeinem betagten, unbeliebten alten Weib
aufzubürden.
Francesco-Maria Guazzo lieferte 1626 in seinem klassischen Compendium
tnaleficarum seine eigene Schilderung des Wetterzaubers:
Die Hexen haben gestanden, dass sie am Sabbat oder wann immer sie wollten
Hagelschauer gemacht haben, um die Früchte der Erde zunichte zu machen. Zu
diesem Zweck schlugen sie ihren Geständnissen zufolge das Wasser mit einem
Zauberstab, und dann warfen sie ein gewisses Pulver in die Luft oder ins
Wasser, das ihnen der Teufel gegeben hatte. Dadurch kam eine Wolke auf, die
sich in Hagelkörner verwandelte und überall dort niederging, wo die Hexen es
wünschten. Wenn sie kein Wasser hatten, dann benutzten sie ihren Urin.
Zu dem gleichen Ergebnis kamen angeblich auch andere Hexen, wenn sie
Opferhühner oder Seesand in die Luft warfen, Feuersteine über ihre linke
Schulter nach Westen schleuderten, nasse Besen schüttelten, Wasser oder Urin
in Erdlöcher gossen, Schweineborsten oder Eier kochten, Stecken an ein
trockenes Flussufer legten, Zauberformeln sprachen, Säuglinge in Kesseln
kochten oder Salbeiblätter im Boden vergruben und dort verrotten liessen.
Bei einer schottischen Variante, von der 1662 im Prozess gegen die Hexen von
Auldrean die Rede war, musste ein „Fluchstein” mit einem nassen Lappen
geschlagen und dreimal gesprochen werden:
Ich schlage diesen Lappen auf diesen Stein,
Um einen Sturm zu entfesseln in des Teufels Namen;
Er soll nicht ruhen, bis es mir beliebt.
Um den Wind sich legen zu lassen, musste dreimal die folgende Zauberformel
aufgesagt werden:
Wir legen den Wind in des Teufels Namen.
Er soll sich nicht eher erheben, als bis wir ihn wieder heraufbeschwören.
Typisch für die Geständnisse, die man den vermeintlichen Wetterhexen
abzwang, war 1438 die Aussage des Franzosen Pierre Vallin. Seinen eigenen
Worten zufolge hatte Vallin auf Befehl des Teufels auf das Wasser eines
Baches eingeschlagen, um einen wilden, zerstörerischen Sturm zu entfesseln.
Ähnlich behauptete 1493 Elena Dalok vor einem Gericht in London, sie könne
nach Belieben heftige Regengüsse hervorrufen. 1563 soll der König von
Schweden vier Hexen für seine Armee angeworben haben, als er gegen die Dänen
kämpfte; sie hatten angeblich den Auftrag, das Wetter zu seinen Gunsten zu
beeinflussen. Zu den vermeintlichen Hexen, die gestanden, das Wetter zu
schändlichen Zwecken ändern zu können, gehörten auch Margaret Byx und Elen
Pendleton aus Wymondham, Norfolk, die 1615 zugaben, einen starken Wind
heraufbeschworen zu haben, um mit dessen Hilfe ein Feuer anzufachen, das die
gesamte Stadt niederbrennen sollte.
Anschuldigungen gegen Hexen, sie hätten Unwetter oder Stürme
heraufbeschworen, uni Schiffe sinken zu lassen, waren besonders in
Schottland und den seefahrenden Ländern Skandinaviens an der Tagesordnung.
Ein bekanntes Beispiel für einen angeblichen Wetterzauber war der Fall der
Hexen von Berwick, in dem die Angeklagten zugaben, eine Katze ins Meer
geworfen zu haben, an die sie Teile einer Leiche gebunden hätten, um das
Schiff Jakobs VI. sinken zu lassen, das sich auf dem Weg nach Dänemark
befand. Das Schiff des Königs blieb unversehrt, ein anderes jedoch, das nach
Leith unterwegs war, sank. 1645, zwei Jahrhunderte später, bekannte
Elizabeth Harris aus Faversham, John Woodcocks Boot durch einen Fluch zum
Kentern gebracht zu haben, und im selben Jahr wurde der hochwürdige John
Lowes hingerichtet, ein betagter Geistlicher, der der Hexenjagd des Matthew
Hopkins in den Jahren 1645-1646 zum Opfer fiel, weil er vor Norwich
angeblich ein Schiff habe sinken lassen, wobei vierzehn Menschen ums Leben
gekommen seien. Der Untergang eines solchen Schiffes wurde niemals wirklich
festgestellt. Noch 1707 schrieb man den Sturm, der die Flotte von Admiral
Sir Cloudesley Shovel vor den Scilly-Inseln traf und zweitausend
Menschenleben forderte und bei dem auch Shovel umkam, dem Fluch eines
Matrosen zu, der auf Befehl des Admirals zu Unrecht gehängt worden war.
Der Aberglaube kannte wenigstens zwei Mittel, mit denen man sich bei starkem
Sturm schützen konnte. Man musste entweder etwas Mehl aus dem Fenster
werfen, um damit vielleicht die Dämonen zu besänftigen, die den Sturm
herbeigezaubert hatten, oder die Kirchenglocken läuten, deren Klang
angeblich Hexen und Dämonen abwehren konnte.
Nicht alle Unwetter jedoch wurden heraufbeschworen, um Schaden anzurichten.
Die alte Tradition, von einer Hexe einen günstigen Wind zu kaufen, war bis
in relativ neue Zeit unter den Seefahrern gut bekannt. Den Wind kaufte man
am besten in Form einer Kordelschnur, die mit Knoten versehen war. Diese
Knoten wurden gelöst, um eine gute Brise zu erzeugen, wenn ein Schiff in
eine Flaute geriet.
Die Menschen in vielen Teilen Europas glaubten einst, dass Unwetter
aufkämen, wenn eine Hexe stürbe, was ein Zeichen dafür sei, dass der Teufel
nun käme, um das Seine zu fordern. 1642 beispielsweise wurde der Tod eines
Musikers mit Namen Thomas Holt, der sich während eines Unwetters in Coventry
das Genick brach, direkt mit einem alten Gerücht in Verbindung gebracht, das
besagte, Holt habe einige Jahre zuvor dem Teufel seine Seele verkauft.
Zeugen erinnerten sich daran, an dem stürmischen Abend einen stattlichen
Fremden in Holts Haus gehen gesehen zu haben. Man erzählte sich auch, dass
ein Sturm, der während einer Gerichtssitzung aufkomme, ein sicheres Zeichen
dafür sei, dass der jeweilige Prozess mit vielen Todesurteilen ende.
Der Glaube an die Fähigkeit der Hexen, Unwetter heraufzubeschwören, hielt
sich mehrere Jahrhunderte lang. Noch 1691, als der Hexenwahn in den meisten
Gegenden nachliess, schrieb ein amerikanischer Presbyterianer, der Lehrer
und Autor Richard Baxter, in seinem Buch Certainty of the World of Spirits:
„Das Heraufbeschwören von Unwettern durch die Hexen wird von so vielen
bestätigt, dass ich es für unnötig halte, sie [alle] anzuführen.”
|