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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Warboys, Hexen von

Alice, John und Agnes Samuel, drei angebliche Hexen, deren Prozess 1593 in Huntingdon grosses allgemeines Interesse erregte. Der Prozess gegen die „Hexen von Warboys” war einer der wichtigsten in England; er wurde zur bekanntesten Episode des englischen Hexenwesens vor 1600 und lieferte das Modell für eine ganze Reihe ähnlicher Fälle. Einer der Gründe für das grosse Interesse an diesem Fall war der untypisch hohe gesellschaftliche Rang der in den Fall verwickelten Personen.
Der Anklage zufolge waren die Samuels für das Behexen der fünf Töchter des Robert Throckmorton, eines wohlhabenden Gutsherrn aus Warboys, Huntingdonshire, und für einen Mord durch Hexerei verantwortlich, begangen an Lady Cromwell, der Grossmutter des Mannes, der einst als Lord-Protector über England herrschen sollte. Im Mittelpunkt des Falles stand die Hysterie der Throckmortonschen Töchter, die 1589 mit einer Reihe von Anfällen bei der zehnjährigen Jane begann. Das Mädchen zweifelte nicht daran, dass die sechsundsiebzigjährige Alice Samuel, eine Nachbarin der Throckmortons, für ihr Leiden verantwortlich sei, die gerade im Haus vorbeigeschaut hatte, als Jane einen Anfall bekam. Die Behauptungen wurden von den vier Schwestern, die zwischen neun und fünfzehn Jahre alt waren, sogleich bestätigt. In der Folgezeit litten auch sie unter ähnlichen Krämpfen.
Eine Untersuchung, die ein speziell aus Cambridge herbeigeholter Arzt vornahm, brachte keine medizinische Ursache für den Zustand der Mädchen zutage, und so kam der Verdacht auf Hexerei auf. Robert Throckmorton und seine Ehefrau versuchten, diesen Gedanken zu verdrängen. Sie führten offenbar nichts Böses gegen Frau Samuel im Schilde und weigerten sich eine Zeitlang, weitere Schritte zu unternehmen. Als schliesslich die Anzeichen von Besessenheit nicht verschwanden, liessen sich die Eltern zu einer Gegenüberstellung der Frau mit den Kindern überreden, nach der die Mädchen gar noch stärkere Anfälle erlitten und versuchten, ihre vermeintliche Peinigerin zu kratzen. Dann zeigten sich bei sieben Dienstmädchen und bei Mrs. John Pickering, der Tante der Throckmortonschen Töchter, ähnliche Symptome. Als die Anfälle bei den Mädchen nur noch in Abwesenheit von Frau Samuel auftraten, wurde die Frau angewiesen, in den Throckmortonschen Haushalt einzuziehen.
Die Kinder nahmen jede Gelegenheit wahr, um weitere Anschuldigungen gegen den Hausgast vorzubringen, wie zeitgenössische Berichte erkennen liessen:
Viele Male, da sie bei den Kindern sass und sich mit ihnen unterhielt, wenn sie am Kamin ihre Anfälle hatten, dann sagten sie zu ihr: Schaut, Mutter Samuel, seht Ihr nicht dieses Ding, das hier bei uns sitzt? Sie antwortete dann, nein, sie sähe es nicht. Ich wundere mich, sprachen sie wieder, dass Ihres nicht seht. Schaut, wie es springt und auf und ab hüpft und spielt und mit drei Fingern hier und dorthin zeigt, wenn es springt.
Als Lady Cromwell, die Ehefrau von Throckmortons Grundherrn Sir Henry Cromwell, das Haus besuchte, drang sie, um Frau Samuels vermeintlichen Einfluss auf die Kinder zunichte zu machen, auf die Frau ein, schnitt deren Haar ab und befahl es zu verbrennen, um jeglichen Zauber zu brechen, mit dem Frau Samuel die Kinder behext habe. Der Versuch schlug jedoch fehl, und kurz darauf erkrankte Lady Cromwell, nachdem sie einen Alptraum gehabt hatte, in dem sie ihren Behauptungen zufolge von Frau Samuel und deren Katze gepeinigt worden war. Als Lady Cromwell etwa fünfzehn Monate später starb, erinnerte man sich daran, dass Frau Samuel sich bei dem Angriff der alten Dame mit den rätselhaften Worten beklagt hatte: „Madam, warum tut Ihr mir das an? Ich habe Euch bisher kein Leid getan.” Das erschien nun im nachhinein wie eine Drohung.
Um dem Unsinn ein Ende zu setzen, befahl Frau Samuel den Kindern gegen Ende des Jahres 1592, von ihren Anfällen abzulassen, worauf diese sofort aufhörten. Gänzlich verwirrt darüber, begann Frau Samuel an ihrer Unschuld zu zweifeln und gestand dem Gemeindepfarrer, sie müsse eine Hexe sein. Die Anfälle der Mädchen begannen erneut, als Frau Samuel ihr Geständnis später zurückzog und der Obrigkeit damit einen weiteren „Beweis” lieferte, dass sie in der Tat magischen Einfluss auf die Thockmortonschen Kinder habe.
Der Fall wurde zwei örtlichen Friedensrichtern vorgelegt, und Frau Samuel kam vor William Wickham, den Bischof von Lincoln. Unter dem Druck dieser hochgestellten Personen gab sie erneut ihre Schuld zu. Diesmal berichtete sie ausführlicher über ihre Aktivitäten als Hexe und beschrieb obendrein ihre drei Hausgeister Pluck, Catch und White, die ihr als Küken erschienen seien.
Alice Samuel wurde zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter am 5. April 1593 wegen Hexerei vor die Huntingdoner Assisen gebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Throckmortonschen Kinder ihre ursprünglichen Anschuldigungen bereits vermehrt und behaupteten nun, dass die Angeklagten auch für Lady Cromwells Tod verantwortlich seien. Andere Bewohner des Ortes fügten weitere Vorwürfe hinzu und erzählten von ihrem kranken und eingegangenen Vieh. Der Prozess gipfelte in einem Schuldspruch für die drei Angeklagten und in Alice Samuels Geständnis, Geschlechtsverkehr mit dem Teufel gehabt zu haben. Agnes Samuel weigerte sich, irgendeine Schuld zu bekennen und lehnte es ab, eine Schwangerschaft geltend zu machen, nur um ihrer misslichen Lage zu entkommen: „Nein, das tue ich nicht. Man soll nie sagen, ich sei eine Hexe und dazu eine Hure gewesen.”
Die drei Verurteilten wurden gehängt, und ihr Besitz im Wert von vierzig Pfund fiel an Henry Cromwell, der davon einen Fond für eine jährliche Predigt in Huntingdon gegen das Hexenwesen gründete. Die letzte wurde 1814 gehalten; damals nutzten die Geistlichen diese Gelegenheit allerdings meist nicht mehr, um vor der Hexerei zu warnen, sondern um den Glauben daran anzuprangern. Die Töchter der Familie Throckmorton wurden schliesslich von ihren Anfällen erlöst und kehrten darauf anscheinend zu ihrem normalen Leben zurück.
Der Fall ist einer der bekanntesten Hexenprozesse in der englischen Geschichte. Er zeigt deutlich, in welchem Ausmass die Furcht vor den Hexen das Denken und die Phantasie der Menschen in der Zeit um 1600 beeinflusste. Viele spätere Quellen beklagten die Leichtgläubigkeit des Gerichts, das die unsinnigen und belastenden Aussagen junger Mädchen akzeptiert hatte, die für deren Zeitgenossen allerdings nur eine Bestätigung ihrer eigenen innersten Ängste waren. Diese Situation bereitete den Weg für den Erlass des Hexengesetzes im Jahre 1604, das für alle überführten und verurteilten Hexen die Todesstrafe forderte.
Warze Se manche Darstellung einer archetypischen Hexe, eines alten, hässlichen Weibes mit einer Hakennase und bösen Gesichtszügen, zeigt dieses Geschöpf mit einer grossen Warze oder einem Leberfleck, die beide einst von Hexenriechern als klassische Hexenmale ausgemacht wurden. Zweifellos waren viele dieser „Saugwarzen” und andere verdächtige Auswüchse, die bei den peinlich genauen Untersuchungen angeblicher Hexen entdeckt wurden, in Wirklichkeit simple Warzen oder andere natürliche Makel. Um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, eine Hexe zu sein, achtete man sorgfältig darauf, dass keine Warze den Körper verunzierte. Dorfhexen oder „weise Frauen” boten Behandlungen an, die einen von solchen Unvollkommenheiten befreien sollten. Die meisten Mittel gegen Warzen griffen auf Magie oder das Kräuterwissen zurück. Eine unkompliziertere Behandlungsmethode war beispielsweise das Waschen der Warzen mit Weihwasser, mit Wasser, das sich in einem ausgehöhlten Baumstubben gesammelt hatte, oder mit dem Blut von Katzen, Aalen, Maulwürfen oder Schweinen. Auch das Umschlingen der Warze mit einem Rosshaar oder einem Seidenfaden, das Reiben mit der Innenseite einer Saubohnenhülse, das neunmalige Anblasen im Licht des Vollmondes, das allmorgendliche Bespucken und das Grimassenschneiden um Mitternacht vor dem Spiegel, das drei Nächte hintereinander ausgeführt werden musste, sollten das Hautgebilde verschwinden lassen.
Eine der absonderlichsten Methoden, die die belastenden Warzen angeblich verschwinden liess, bestand darin, den Auswuchs heimlich an einem bekannten Ehebrecher zu reiben, der ein illegitimes Kind gezeugt hatte. Man hielt es auch für möglich, mit Hilfe der Magie unerwünschte Warzen auf andere zu übertragen, indem man sie entweder einem Freund „verkaufte” oder sie beim Vorüberziehen einer Trauerprozession auf die Leiche wünschte. Eine Warze liess sich angeblich auf einen Feind übertragen, indem man ein Geldstück oder einen Kiesel daran rieb und dafür sorgte, dass Münze oder Stein in den Besitz der Zielperson gelangten.
Manche Mittel gegen Warzen waren ausgesprochen grausam: Man trug eine Kröte in einem Säckchen so lange am Hals, bis das Geschöpf tot war, rieb einen lebendigen Frosch oder eine Schnecke gegen die Warze und spiesste das Tier danach auf einen Dorn.
Um zu vermeiden, dass man sich Warzen überhaupt erst zuzog und damit der Gefahr ausgesetzt war, als Hexe bezichtigt zu werden, warnte man die Menschen früher davor, Kröten mit blossen Händen anzufassen. Auch wurde der etwas seltsame Ratschlag erteilt, die Hände nie in Wasser zu waschen, in dem zuvor Eier gekocht worden waren.

 

 

 

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