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Fähigkeit, die man über
Jahrhunderte hinweg den Hexen in ganz Europa zuschrieb, die mit Hilfe der
Magie angeblich ihre Körpergestalt ändern konnten und dabei meist die
Gestalt eines Tieres annahmen. Die Beschreibungen, wie eine solche
Metamorphose zu erreichen war, variierten von Land zu Land. In manchen
Regionen genügte es, einfach eine Tierhaut überzuziehen, um dessen
Eigenschaften anzunehmen; anderswo musste eine Hexe ein kompliziertes Ritual
befolgen und ihren Körper mit einer „Schmier”, einer Zaubersalbe,
bestreichen, um ihre Gestalt ändern zu können. In manchen Fällen trat die
Fähigkeit zur Verwandlung völlig überraschend zutage, war sie das Ergebnis
eines Zaubers oder Fluchs, der auf einer Familie lag. Keltische Sagen
berichten beispielsweise, dass gewisse alte schottische und irische Familien
von Robben, Wölfen oder anderen Tieren abstammten und ihre Nachkommen von
Zeit zu Zeit diese Gestalt annehmen mussten.
In Übereinstimmung mit dem Canon Episcopi sah die mittelalterliche Kirche
die Verwandlung als unmöglich an und wies sie zurück, da nur Gott allein
solche Umwandlungen vornehmen könne. Jeder, der erklärte, seine Gestalt
ändern zu können, musste also unter Wahnvorstellungen leiden, die von
Dämonen verursacht waren. Nicolas Remy, einer der angesehensten Dämonologen
des sechzehnten Jahrhunderts, schrieb: „Der Dämon kann die Phantasie eines
Menschen so verwirren, dass dieser glaubt verwandelt zu sein; und dann
verhält sich der Mensch nicht wie ein Mensch, sondern wie das Tier, das zu
sein er sich einbildet.” Andere Autoritäten hingegen argumentierten, dass
solche Metamorphosen mit dem Auftreten einer neuen, mächtigeren Hexensekte
etwas relativ Alltägliches seien. Ob die Verwandlungen nun real oder eine
Illusion waren - die Theorie wurde schliesslich zu einem anerkannten Aspekt
der Hexenmythologie.
Mitunter bestätigten Verdächtige von sich aus die von anderen vorgebrachten
Behauptungen, sie könnten ihre Gestalt ändern und gaben dabei häufig an,
dies mit Hilfe von Zaubersalben zu tun, die ihnen der Teufel gegeben habe.
In der Gestalt eines Wolfes oder anderer Tiere hätten sie Vieh gerissen und
Menschen angegriffen, um sich an deren Fleisch gütlich zu tun. In vielen
anderen Fällen nähmen sie Tiergestalt an, um ihre Nachbarn auszuspionieren
oder um einer Verfolgung zu entgehen. Bevorzugte Tarngestalten waren
angeblich Hasen und Katzen, doch gab es auch Erzählungen, in denen sich
Hexen in Bienen, Vögel und andere Geschöpfe verwandelten. Isobel Gowdie
beispielsweise berichtete ihren Befragern, dass sie sich durch das
dreimalige Wiederholen der folgenden Verse oft in einen Hasen verwandelt
habe, um einer Gefangennahme zu entgehen:
Ich werde in einen Hasen schlüpfen,
Mit Jammern und Seufzen und grossen Kummer; Ich gehe in des Teufels Namen
Ach, obwohl ich wieder nach Hause komme.
Um in ihre menschliche Gestalt zurückzukehren, habe sie dreimal die
folgenden Zeilen hergesagt:
Hase, Hase, Gott schicke dir Schutz. Ich bin jetzt in eines Hasen Gestalt,
Doch gleich werd' ich haben
Frauengestalt.
Die Zauberformel für die Verwandlung in eine Katze habe gelautet:
Ich werde in eine Katze hineinschlüpfen
Mit Jammern und Seufzen und einer kleinen schwarzen Kugel.
Ich gehe in des Teufels Namen
Ach, obwohl ich wieder nach Hause komme.
Eine andere beliebte Tarngestalt war der Hund. 1612 behauptete die
zwölfjährige Grace Sowerbutts vor einem Gericht in Lancaster, ihre
Grossmutter, ihre Tante und eine andere Frau hätten sich mit einer Salbe aus
den Knochen eines ermordeten Kindes bestrichen und sich darauf in schwarze
Hunde verwandelt. In diesem Fall wurde die Klage gegen die drei Frauen, die
man die Hexen von Salmesbury nannte, abgewiesen, nachdem sich die Aussage
des Mädchens als falsch erwiesen hatte.
Seltener, obgleich gelegentlich auch davon die Rede ging, waren Hexen, die
in der Lage sein sollten, sich in unbelebte Dinge, insbesondere in Räder, zu
verwandeln. Ein Beispiel für dieses Phänomen findet sich im Zusammenhang mit
den Hexen von Canewdon in einer Überlieferung aus Essex. Darin ging es um
einen Fuhrmann, der einst Pferde und Wagen trotz aller Versuche nicht von
der Stelle bringen konnte. Als man ihm riet, statt der Pferde die Wagenräder
zu peitschen, hatte er Erfolg, denn auf einen lauten Schrei hin erschien aus
den Wagenrädern eine Hexe, deren Gesicht die Spur eines Peitschenhiebs
zeigte.
Der Glaube an die Verwandlungskünste der Hexen hielt sich lange Zeit. Viele
Geschichten über solche Metamorphosen schilderten, wie eine Hexe in ihrer
angenommenen Gestalt nur mit knapper Not dem Tod entging, und wie sich die
Verletzungen, die ihr dabei zugefügt worden waren, später an ihrem
menschlichen Körper zeigten. Eine Hexe in Tiergestalt konnte angeblich nur
mit einer Kugel aus Silber getötet werden. Noch r718 behauptete man von
Margaret Nin-Gilbert aus Caithness, sie habe einen Arm verloren, nachdem
sie, in eine Katze verwandelt, mit einem Beil verwundet worden sei. Ähnliche
Erzählungen waren noch über hundert Jahre danach im Umlauf. |