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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Vereinigte Staaten von Amerika

Mit den ersten europäischen Siedlern, die einen reichen Aberglauben und die Hexentradition mitbrachten, kam auch der Hexenwahn nach Amerika, der sich jedoch hauptsächlich auf das ursprünglich von Engländern kolonisierte Neuengland beschränkte. Manche Gegenden bekamen den Wahn nie zu spüren, weil ein Grossteil ihrer ersten europäischen Bewohner, wie es in New York der Fall war, aus Ländern wie beispielsweise Holland kamen, wo die Hexenpanik nie Fuss gefasst hatte.
Im Bewusstsein der Gefahr erliessen mehrere Pionierstaaten Gesetze, die eine ganze Reihe von Praktiken der Hexenkunst verboten und jedem, der einen Pakt mit dem Teufel schloss, im Falle seiner Entdeckung die Todesstrafe androhten. Die erste Hinrichtung wegen Hexerei fand am 26. Mai 1647 in Connecticut statt; damals wurde eine Frau mit Namen Alice Young gehängt.
Durch die fünfziger Jahre des siebzehnten Jahrhunderts zog sich hauptsächlich in Neuengland ein stetiges Rinnsal von Hexenprozessen hin, und 1662 stand Connecticut ein weiteres Mal im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses, als angeblich ein Hexenzirkel mit zwölf Mitgliedern entdeckt und in Hartford vor Gericht gebracht wurde. Im Ergebnis des Prozesses wurden mehrere Personen verurteilt und gehängt. 1671 sorgte Elizabeth Knap aus Groton, Long Island, für Unruhe, als sie ohne Anwendung der Folter gestand, mit dem Teufel gebuhlt zu haben. Auch sie wurde gehängt.
Nach einer längeren Pause, am Ende der achtziger Jahre des siebzehnten Jahrhunderts, als sich die Hysterie in Europa weitgehend beruhigt hatte, verstärkte sich in den östlichen Staaten die Furcht vor den Hexen plötzlich und bereitete nach einem weiteren angstschürenden Ereignis im Jahre 1688, dem Fall der Goodwin-Kinder, und unter dem Einfluss der zündenden Schriften des Cotton Mather und anderer Fanatiker die berüchtigtste Hexenjagd - den Prozess gegen die Hexen von Salem vor, der 1692 stattfand. Die wilde Grausamkeit der Verfolgung in Salem und die Zahl der Opfer, die ihr Leben aufgrund der unwahrscheinlichsten Aussagen hysterischer Jugendlicher lassen mussten, erschütterte die Gesellschaft des kolonialen Amerika und provozierte eine starke Reaktion der Gegner der Hexentheorie. Sogar noch vor dem Ende der Prozesse hatte sich die öffentliche Meinung spürbar gewandelt und ins Gegenteil verkehrt; innerhalb von einem oder zwei Jahren legte sich die Panik, und die Geschworenen der Salemer Prozesse sahen sich genötigt, sich öffentlich zu entschuldigen. Selbst Cotton Mather war gezwungen anzuerkennen, dass man in diesem Fall Fehler begangen habe.
Der Tragödie von Salem folgten in Amerika keine weiteren offiziellen Hinrichtungen wegen Hexerei. Damit beschränkte sich die Zahl der Menschen, die hier bei insgesamt etwa fünfzig Prozessen für dieses Vergehen zum Tode verurteilt und exekutiert wurden, auf 36. Eine Zeitlang gab es jedoch vereinzelte Ausbrüche der Hexenmanie. 1706 musste sich Grace Sherwood aus Virginia an ein Gericht wenden, um ihren Ruf wiederherzustellen, nachdem sie von ihren Nachbarn bezichtigt worden war, eine Hexe zu sein. 1712 entgingen mehrere Menschen in einem Nachbarstaat nur knapp dem gewaltsamen Tod, weil eine aufgebrachte Menge glaubte, sie seien Mitglieder eines Hexenzirkels.
Mit dem Ende der Prozesse starb der Hexenglaube jedoch nicht völlig aus. Von Zeit zu Zeit trat in bestimmten Gegenden verschiedentlich der Glaube an Hexereien zutage - besonders in Missouri, Arkansas und Kansas, wo viele die Auswirkungen des bösen Blickes fürchteten und darauf achteten, dass das Vieh und die Häuser durch vielfältige alte Zauberformeln geschützt waren. Wie in Europa, so suchten auch hier die hexenfürchtenden Hofbesitzer ihre Häuser und Stallungen vor allem Übel zu bewahren, indem sie Hufeisen über die Türen nagelten, dieses oder jenes schützende Amulett trugen und andere Vorkehrungen trafen.
Der amerikanische Hexenglaube umfasste viele Varianten der fest etablierten europäischen Vorstellungen über das Hexenwesen. Obwohl die amerikanischen Hexen scheinbar zu den gleichen Vergehen neigten wie ihre Brüder und Schwestern in Europa und zu Hexensabbaten flogen, als Haustiere getarnt durch die Gegend streiften, um das Vieh zu behexen und mit Hilfe des Bildzaubers Krankheiten hervorriefen, hatten sie doch ihre eigenen Versionen von den Hexenmethoden, die sie anwendeten. Einer der Zauber, die beispielsweise einem Feind den Tod bringen sollten, bestand darin, etwas Erde, die man uni Mitternachtsstunde mit dem linken Zeigefinger von einem Grab aufgenommen haben musste, mit dem Blut eines Raben oder eines anderen schwarz-gefiederten Vogels zu vermischen, das Ganze in einen Stofffetzen zu wickeln, der zuvor mit einer Leiche in Berührung gekommen war, und dieses Päckchen unter der Türschwelle des Opfers zu vergraben, das dann mit Sicherheit innerhalb weniger Tage starb.
Geschichten von aktiven Hexenzirkeln in manchen hinterwäldlerischen Regionen Nordamerikas waren bis weit in die heutige Zeit hinein verbreitet, und die Menschen wandten sich viele Jahre lang noch immer um Rat an sogenannte Hexenbändiger, die im Falle einer Bedrohung durch Hexerei Gegenmassnahmen empfahlen und angeblich auch in der Lage waren, die Hexe ausfindig zu machen, die für einen bestimmten Zauber verantwortlich war. Das Erbe der Hexenmythologie wurde noch in jüngerer Zeit vorgeführt: 1956 verbrannten aufgebrachte Dorfbewohner im mexikanischen Ojinaga eine Frau mit Namen Josephina Arista auf einem Scheiterhaufen, weil sie glaubten, sie sei eine Teufelsanbeterin und habe das Vieh behext.

 

 

 

 

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