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Der Erzbistum Trier
erlebte im späten siebzehnten Jahrhundert einige der schlimmsten Exzesse des
Hexenwahns. Die Furcht vor der Hexenbedrohung breitete sich von Lothringen
und Luxemburg nach Trier aus, das damals zum Heiligen Römischen Reich
gehörte, und entwickelte sich von 1582 an zum umfassenden Hexenwahn. Diese
Zeit war für die Bevölkerung des Erzbistums besonders schwer, da es neben
anderen Problemen mehrere Missernten gegeben hatte, die die Bereitschaft der
Menschen geweckt hatten, jemanden als Sündenbock für all das Unheil zu
akzeptieren.
Mit seinem Angriff auf den Zivilrichter Dietrich Flade gab der
Fürsterzbischof Johann von Schönenberg das Zeichen zum Beginn einer grossen
Verfolgungskampagne in Trier. Er kritisierte den Richter wegen dessen
Nachsicht in den Hexenprozessen, liess ihn mit Hilfe des Statthalters Johann
Zandt, des Notars Peter Ormsdorf und des Suffraganbischofs Peter Binsfeld
aus seinem Amt entfernen und schliesslich selbst als Hexenmeister
hinrichten. Der Versuch des Paters Cornelius Loos, die skandalöse
Missachtung des Gesetzes in den nachfolgenden Hexenprozessen öffentlich zu
machen, wurde von der Kirche skrupellos unterdrückt; man verbannte Loos nach
Brüssel, und die Kampagne gegen die vermeintlichen Hexen wurde ungehindert
fortgesetzt. Zwischen 1587 und 1594 waren in Trier etwa sechs-tausend
Menschen in angebliche Hexenverbrechen verwickelt. Johan Linden, Stiftsherr
von Sankt Simeon, schrieb, dass das ganze Land sich erhoben habe, um die
Hexen zu vernichten, und dass nur sehr wenige Angeklagte Folter und Strafe
entgangen seien. Er erwähnte auch, dass viele der Opfer zu den
wohlhabendsten Bürgern gehört hätten und schloss daraus, dass man sie habe
sterben lassen, um ihren Besitz konfiszieren zu können. Er beklagte, dass an
der ganzen Hexenverfolgung Notare, Schreiber und Schankwirte reich geworden
seien, der Scharfrichter wie ein Edelmann vom Hofe auf einem Vollblutpferd
daherreite und in Gold und Silber gekleidet sei, und dass seine Frau mit den
Adelsfrauen in der Pracht ihres Aufputzes wetteifere.
Als der Hexenwahn schliesslich nachliess, hatte die Stadt einen regelrechten
Wald aus Scheiterhaufen aufzuweisen, auf denen die als Hexen Verurteilten
verbrannt worden waren. Der Mangel an Geld, mit dem weitere Prozesse hätten
finanziert werden können, und die Kriegskosten sorgten schliesslich für das
Ende der Prozessflut. |