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Deutscher Jesuitenpater,
der auf dem Höhepunkt des Hexenwahns einer der vornehmsten Gegner der
Verfolgungen war, die in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts in
Europa wüteten. Spee, der am Kölner Jesuitenkolleg studiert hatte und 1627
zum Professor für Moraltheologie ernannt wurde, war Zeuge vieler Prozesse in
Würzburg, wo er Beichtvater ungezählter angeblicher Hexen war, die unter
Anklage standen. Seine Beobachtungen, die er bei diesen Prozessen machte,
veranlassten ihn zu der Schlussfolgerung, dass die meisten Verdächtigen in
den Anklagepunkten, die man gegen sie vorbrachte, völlig unschuldig waren.
Man sagte, die Schrecken seiner Erlebnisse und Erfahrungen hätten sein Haar
vor der Zeit ergrauen lassen.
Spee zweifelte nicht an der Möglichkeit, Menschen mit einem Zauber zu
belegen, und hielt es für wahrscheinlich, dass eine kleine Minderheit
übelwollender Hexen dies auch praktizierte. Er weigerte sich jedoch zu
akzeptieren, dass sich die Mehrheit der Verdächtigen, denen er begegnet war,
solcher Verbrechen schuldig gemacht habe. Er verfocht die Ansicht, dass die
Zahl der wirklichen Hexen sehr klein sei und stellte damit den ganzen
Prozess der Hexenjagd, der sich mit den Massendenunziationen entwickelte, in
Frage.
Spee brachte seine Skepsis in der 1631 anonym erschienenen Cautio Criminalis
in glänzender Weise zum Ausdruck. In diesem Werk griff er neben einer Menge
anderer Übelstände die Anerkennung von mangelhaft belegten
Hexereibezichtigungen und die sinnlose Anwendung der Folter bei den
Inhaftierten an. Aus seiner Sicht warf die strafrechtliche Verfolgung der
Hexen ein sehr schlechtes Licht auf die Kirche, die erkennen sollte, dass
die meisten Anschuldigungen aus Aberglauben, Neid und kleinlicher Bosheit
geboren seien, was aber kaum den Aufgabenbereich der Männer Gottes betreffe.
Er stellte in Abrede, dass die zivilisierte Welt von einem Hexenheer
bedrängt werde und behauptete, dass es die Richter selbst seien, die mit
ihrer Leichtgläubigkeit und ihrem fanatischen Glaubenseifer die Zahl der
Hexen so hätten anwachsen lassen. Seine Kritik war offen und unversöhnlich.
Sie richtete sich gegen jeden, der - mit welchem Motiv auch immer - in die
Hexenverfolgung verwickelt war und forderte die naiven Eiferer, die die
Hexenjagden begünstigten, auf zu erkennen, dass die Prozesse immer
zahlreicher würden, da die Gefolterten immer einige Personen besagen
müssten, bis die Anschuldigungen eines Tages endlich auch die Verfolger
treffen und alle verbrannt würden.
Spees Angriff, der von einer Minderheit aus dem katholischen und
protestantischen Lager begrüsst wurde, brachte dessen kirchliche
Vorgesetzten in Verlegenheit, die versuchten, ihn an der öffentlichen
Verbreitung seiner Ansichten zu hindern. Um die Bedrohung, die Friedrich von
Spee darstellte, abzuwenden, schickte man ihn als Beichtvater zu den
Pestkranken nach Trier, wo er selbst von der Krankheit angesteckt wurde und
starb. Spees Cautio Criminalis wurde später in sechzehn Sprachen übersetzt.
Ihre Veröffentlichung in Deutschland scheint den Fürstbischof Philipp von
Schönborn und den Bischof von Braunschweig von der Inszenierung weiterer
Hexenprozesse abgebracht zu haben. |