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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Shipton, Mother 1488 - um 1560

Englische Wahrsagerin, die für ihr Können als Prophetin und Hexe weithin bekannt war. Mother Shipton, die Tochter von Agatha Southeil, hiess eigentlich Ursula Southeil und war eine sechzehnjährige verarmte Waise aus Knaresborough, Yorkshire. Die Mutter war dem Vernehmen nach von dem als stattlicher junger Mann getarnten Teufel verführt worden und hatte später während eines schrecklichen Unwetters in einer Höhle am Ufer des Nidd, der durch die Stadt fliesst, ein Kind zur Welt gebracht. Vom Teufel hatte Agatha Southeil angeblich magische Kräfte erhalten, mit deren Hilfe sie das Vieh der Bauern attackierte und sich an ihren Feinden in der Stadt rächte. Allerdings starb sie dann bei der Geburt ihres Kindes, und ihre Tochter musste auf Gemeindekosten aufgezogen werden.
Ursula Southeil litt an verschiedenen Missbildungen - man glaubt, sie sei bucklig gewesen -, und schon als Kind war sie wegen der Kräfte, die man ihr zuschrieb, eine gefürchtete Person. Es waren viele Geschichten über seltsame Begebenheiten im Umlauf, die sich in ihrer unmittelbaren Nähe ereignet haben sollten, und bei denen Häuser von unsichtbarer Hand geplündert wurden und in regelmässigen Abständen ein mysteriöser schwarzer Hund in ihrer Nähe erschienen sei, als ob er sich vergewissern wollte, dass mit ihr auch alles in Ordnung sei. Jeder, der sie wegen ihrer Missbildungen verhöhnte, wurde mit einem Unglück oder einer Demütigung bestraft, was angeblich alles auf Ursulas Befehl geschah.
Als junge Frau festigte Ursula Southeil ihren Ruf als Wahrsagerin, wobei sie zahlreiche Voraussagen in Form von Rätseln und Reimen lieferte. Als ihr Ruhm grösser wurde, versammelten sich Neugierige von weit her, um ihre Worte zu hören und sie über ihre eigenen Zukunftsaussichten zu befragen. Das war allerdings nicht ungefährlich, denn viele glaubten, dass Ursula Southeil jeden bestrafe, der mit unlauteren Absichten zu ihr käme. Als nämlich einst ein junger Mann, der mit Ungeduld auf sein Erbteil wartete, an sie mit der Frage herantrat, wann wohl sein Vater stürbe, blieb sie die Antwort schuldig; der junge Mann starb kurz darauf selbst und wurde in dem Grab beerdigt, das er für seinen Vater vorgesehen hatte.
1512 heiratete Ursula Toby Shipton, einen Zimmermann. Die Bürger von Knaresborough spekulierten, dass die missgebildete Frau ihren Ehemann mit einem Liebestrank erobert haben müsse. Der Name Mother Shipton wurde nun zu einem geläufigen Begriff, doch sie blieb vor einer Verfolgung als Hexe sicher - wenn auch nur deshalb, weil sie in einer Zeit lebte, als der Hexenwahn in England noch nicht wirklich Fuss gefasst hatte. Sie starb - wie sie selbst vorausgesagt hatte - im Alter von siebzig Jahren und wurde ausserhalb von York in ungeweihter Erde begraben. Ihr Ruhm jedoch lebte fort und wurde durch die Veröffentlichung ihrer Weissagungen im Jahre 1641 noch vermehrt.
Mother Shipton soll unter anderem den Tod von Kardinal Wolsey sowie Einzelheiten über den Tod künftiger englischer Könige und Königinnen vorausgesagt, vor der grossen Pestepidemie und dem grossen Brand von London gewarnt und verschiedene Kriege und andere Ereignisse von nationaler Bedeutung wie die Erfindung des Automobils und den Bau des Kristallpalastes in London prophezeit haben. Einer ihrer Sprüche schien auch die Entwicklung des modernen Nachrichtenwesens vorwegzunehmen:
Rund um die Welt werden Im Nu die Gedanken fliegen.
Einige Weissagungen trafen glücklicherweise nicht ein:
Diese Welt wird ein Ende haben
Im Jahre achtzehnhunderteinundachtzig.
Die Höhle in Knaresborough, in der Mother Shipton zur Welt kam, ist inzwischen schon lange eine bedeutende Touristenattraktion. Mother Shipton selbst zählt, obwohl sie eigentlich eher eine Wahrsagerin als eine Hexe war, heute zu den berühmtesten Gestalten in der Geschichte des englischen Hexenwesens. Es gibt auf den Britischen Inseln sogar einen Nachtfalter, den man Mother Shipton nennt, da die charakteristische Zeichnung seiner Flügel an das Urbild eines Hexengesichts erinnert.

 

 

 

 

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