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Christine Shaw, ein
elfjähriges Mädchen, dessen Behauptungen im Jahre 1697 in Renfrewshire,
Schottland, zu einem Prozess gegen einundzwanzig angebliche Hexen führte.
Der Fall baute auf dem höchst unzuverlässigen Zeugnis von Kindern auf und
wurde deshalb häufig als schottisches Pendant zu dem Gerichtsverfahren von
1593 in England gegen die Hexen von Warboys betrachtet. Er enthüllte, wie
die Menschen nördlich des englisch-schottischen Grenzgebiets noch in dieser
relativ späten Zeit unter dem Bann des Hexenwahns standen.
Christine Shaw war die Tochter eines vornehmen Mannes aus Bargarran bei
Paisley. Sie stiftete eine furchtbare Folge von Geschehnissen an, als sie im
August 1696 unter Anfällen zu leiden begann, als deren Ursache sie schnell
Katherine Campbell und Agnes Naismith, zwei ortsansässige Frauen anzugeben
wusste. Sie klagte darüber, dass die beiden Frauen sie in Gestalt von
Geistern peinigten, und Zeugen berichteten, dass das Mädchen in Zeiten, da
es bettlägerig sei, häufig Nadeln, Tierhaare, Knochen, Federn, Eierschalen
und andere Dinge erbreche. Einige sagten, sie hätten das Mädchen im Verlaufe
seiner Anfälle sogar um das Haus herumfliegen sehen.
Die Arzte fanden keine medizinische Ursache für Christines Hysterie, und
1697 genehmigte der Staatsrat eine Untersuchung ihrer Anschuldigungen. Bis
dahin schlossen die Bezichtigungen bereits weitere sieben Personen ein,
darunter die hochgeborene Margaret Lang und deren Tochter Martha Semple, die
geneigt waren, die ganze Angelegenheit mit Geringschätzung zu betrachten.
Doch einige der Opfer nahmen die Unterstellungen ernst; sie reagierten in
ihrer Verzweiflung darauf, indem sie andere Hexen aus dieser Gegend angaben,
und so wuchs die Liste der Verdächtigen auf einundzwanzig Personen an.
Um die Klägerin kümmerten sich ständig Geistliche, die wenig taten, um
Christine von ihren Wahnvorstellungen abzubringen, und in ihrem Namen sogar
einen Fastentag einhielten. Nun wurde das Mädchen in seinen Beschuldigungen
von den drei Enkelkindern einer der Belasteten, Jean Fulton, unterstützt.
Diese Kinder beklagten sich darüber, dass sie gezwungen worden seien, an
Hexensabbaten teilzunehmen und an Zaubern mitzuwirken, die den Tod eines
Geistlichen, zweier anderer Kinder und zweier Passagiere auf einem Fährboot,
das durch Magie gekentert sei, herbeiführen sollten.
Der Fall, in den nun sechsundzwanzig Beklagte verwickelt waren, kam am 13.
April 1697 vor eine offizielle Kommission. Nachdem die verschiedenen
Geständnisse gehört worden waren, wies man die Geschworenen darauf hin, dass
sie mit einem Freispruch der Angeklagten, von denen einige das Teufelsmal
aufwiesen, zu Mitschuldigen an deren Verbrechen würden. So war es kein
Wunder, dass die Geschworenen drei Männer, darunter auch den
vierzehnjährigen James Lindsay, und vier der Frauen - Katherine Campbell,
Agnes Naismith, Margaret Lang und deren Tochter - schuldig sprachen. Die
somit verurteilten sieben „Hexen von Paisley” wurden am to. Juni 1697 in
Paisley gehängt und dann verbrannt - wobei einige von ihnen noch lebten. Auf
den Ort der Gräueltat weist noch heute ein Hufeisen in Gallo Green in der
George Street hin.
Christine Shaw schien mit dem Tod ihrer angeblichen Peiniger von den
Anfällen geheilt gewesen zu sein. Sie heiratete später einen Geistlichen und
erwarb sich in ihrem Ort Ruhm, indem sie Maschinen zur Herstellung von
feinem Nähgarn nach Paisley brachte und die Stadt zu einem Zentrum des
Leinengarnhandels machte.
Im Jahre 1839 berichteten zwei Schriftsteller, die das seit Christines Zeit
unverändert gebliebene Shaw-Haus besucht hatten, dass sie nahe an deren Bett
ein kleines verstecktes Loch entdeckt hätten. Dadurch konnte ihr ein
Komplize die Nadeln und all die anderen Dinge, die Christine damals
angeblich erbrach, ohne weiteres zugesteckt haben. |