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Die in der
nachmittelalterlichen Zeit fast universale Furcht vor Hexen und ihrer Magie
liess ein ausserordentliches Bedürfnis nach Sicherheit vor der
vermeintlichen Bedrohung entstehen. Sie führte zur Entwicklung einer ganzen
Mythologie von Gegenmassnahmen, die arglose, unschuldige Menschen, ihr Vieh
und ihre Häuser vor Schaden schützen sollten.
Manche Menschen hatten das Glück, gegen die Auswirkungen von Hexereien
gefeit zu sein. Zu ihnen gehörten jene, die an Sonntagen oder am ersten
Weihnachtsfeiertag geboren waren. Ein „Glockenkind” - ein Mensch, der
während des Geläuts der Kirchenglocken zur dritten, sechsten, neunten oder
zwölften Stunde geboren war - galt ebenfalls als sicher vor Zauber und Bann.
In manchen Gegenden hielt man alle Erstgeborenen für immun gegen Hexerei. In
Schottland verabreichten Hebammen den neugeborenen Kindern als erstes
Getränk einst Eschensaft, da sie glaubten, er würde ihnen ein Leben lang
Schutz vor Hexerei gewähren.
Die Mehrheit hielt es für nötig, über eine untadelige, gottesfürchtige
Lebensweise hinaus bestimmte Schritte zu unternehmen. Viele Menschen trugen
Amulette, andere wiederum schützten ihre Häuser vor dem Bösen, indem sie
Türen und Fenster mit Girlanden aus den Zweigen magischer Pflanzen, mit
Kreidemustern oder einer Menge Gegenstände schmückten, von denen sie
glaubten, dass sie das Eindringen des Bösen verhinderten. Eine geöffnete und
unter der Fussmatte versteckte Schere beispielsweise galt weit und breit als
wirksame Barriere gegen jede Hexe, die versuchte, in das Haus
hineinzugelangen. Andere, im Schlafgemach platzierte Gegenstände sollten
verhindern, dass die Schlafenden von bösen Geistern oder Nachtmahren
heimgesucht wurden.
Daneben gab es noch andere vermeintliche Schutzmassnahmen: Man legte ein mit
Dornen oder Nadeln bestücktes Bullenherz in den Schornstein, verbrannte das
Herz einer Taube oder eines Schafs im Kamin, lehnte den Schürhaken aufrecht
so ans Kamingitter, dass beides zusammen ein Kreuz bildete, bekreuzigte sich
oder machte das Kreuzzeichen über dem Essen, wusch seine Hände in Urin oder
Tau, schlug Nägel in die Schlafstatt einer Frau, die in den Wehen lag oder
in die Wände seines Hauses, zog sich den linken Strumpf mit der Innenseite
nach aussen an, gab der Milch etwas Salz zu, rieb das 'Euter einer Kuh mit
„Passionsgras” ein, um zu verhindern, dass eine als Tier getarnte Hexe 1 die
Kuh heimlich molk, band rote Fäden oder Bänder an die Kuhhörner oder ins
Haar der Kinder, machte das Fica-Zeichen, indem man den Daumen fest zwischen
Zeige- und Mittelfinger hielt, spie aus und verlieh niemals Nadeln an
Personen, die man für Hexen hielt.
In einer ernsten Notlage konnte sich eine arg-lose, unschuldige Person auch
mit ihrer Phantasie schützen. Im Jahre 1750 beispielsweise wurde Andrew
Forrester aus Knocksheen dabei entdeckt, wie er die Zusammenkunft eines
Hexenszirkels in Waterside Hill in Galloway beobachtete. Er nahm sein
Schwert, zog damit im Gras eine Linie zwischen sich und den Hexen, die ihn
bedrohten, und sprach die Worte: „Ich ziehe diese Linie im Namen Gottes, des
Allmächtigen; möge nichts Böses sie je übertreten.” Die Hexen waren nicht in
der Lage, die „Barriere” zu überschreiten, und Forrester ergriff die Flucht.
Zu den vielen Pflanzen und Bäumen, denen man schützende Eigenschaften
nachsagte, gehörten Beifuss, Engelwurz, die Eiche, Farn, der Haselstrauch,
Holunder, Knoblauch, Kürbis, die Lilie, Lorbeer, Rosmarin, die Eberesche,
Steinkraut, Stroh und der Dornenstrauch. Auch die bescheidene Dachwurz, die
man gewöhnlich auf Strohdächer pflanzte, um Hexen fernzuhalten und das Haus
vor Feuer zu schützen, sowie die blauschwarzen Beeren der Parisstaude –
Einbeere - mit ihrem ungewöhnlichen Kreuzmuster wurden gegen Hexen
verwendet. Eine am Hals getragene Kette aus Bittersüss oder
Waldnachtschatten sollte die betreffende Person von den Auswirkungen des
bösen Blickes und von einer Reihe verschiedener Krankheiten befreien. Blumen
mit gelben Blütenkörbchen wie beispielsweise Ringelblumen und auch dem
Seetang schrieb man häufig ähnliche Eigenschaften zu.
Glaubte jemand, dass ein Zauber oder Bann bereits gegen ihn wirkte, dann
konnte er zum Haus der vermeintlichen Hexe und Verursacherin gehen und dort
etwas Dachstroh stehlen. Das musste dann verbrannt werden, damit der Zauber
gelöst wurde. Wurde man von einer Hexe verfolgt, war es einem populären
Aberglauben zufolge das beste, einen Wasserlauf zu überqueren, den angeblich
keine Hexe, die jemandem auf den Fersen war, überwinden konnte. |