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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Schüler, Johann

Deutscher Müller, der zustimmen mit seiner Frau wegen des Verdachts auf Hexerei verhaftet und gefoltert wurde, und gegen den man einen der schlimmsten Prozesse in der Geschichte des Hexenwahns in Deutschland führte. Schüler war ein reicher und angesehener Bürger der Stadt Lindheim in Hessen-Darmstadt, die von dem unbarmherzigen Oberschultheissen und vormaligen Amtmann Georg Ludwig Geiss beherrscht wurde. Dieser Mann war zu der zynischen Erkenntnis gekommen, dass die Hexenjagd durch die Konfiszierung des Eigentums verurteilter Hexen für im bedeutende Gewinne abwerfen könne, und so begann er, die Ängste der Bürger vor über-natürlichen Angriffen und Beeinträchtigungen zu schüren.
Zusammen mit vier stadtbekannten Schurken, die er zu seinen Helfern ernannt hatte, startete Geiss einen systematischen Feldzug mit dem Ziel, möglichst viele Verdächtige verhaften, vor Gericht bringen und hinrichten zu las-sen. Das ganze Verfahren wurde so schnell wie möglich und mit grösster Grausamkeit durchgeführt. So liess er viele der Opfer, darunter auch Kinder, fesseln und vier bis fünf Meter über dem Fussboden des Lindheimer Hexenturmes festbinden, wo sie langsam über einem Feuer geröstet wurden.
Geiss' Hexenjagd nahm durch ein Geständnis, das er einer Lindheimer Hebamme abgezwungen hatte, einen schrecklichen Fortgang. Frau Schüler hatte im Jahr zuvor ein totes Kind geboren, und Geiss brachte die Hebamme durch die Folter zu dem Bekenntnis, dass das Kind von sechs anderen Personen durch Hexerei getötet worden sei. Die sechs Verdächtigen wurden sogleich verhaftet und gefoltert, bis sie zugaben, die Kinderleiche in kleine Stücke geschnitten und diese zur Herstellung einer Zaubersalbe verwendet zu haben. Die Schülers widersprachen dieser Darstellung und liessen zum Beweis das Grab ihres Kindes öffnen, in dem man dessen sterbliche Überreste unversehrt vorfand. Geiss jedoch hielt diese entlastende Entdeckung zurück und liess die Hebamme und deren sechs Gefährten bei lebendigem Leib verbrennen. Schüler drohte er mit der Folter, falls er die Wahrheit verlauten liesse.
Nun wandte Geiss seine Aufmerksamkeit einer alten Frau mit Namen Margareth Becker zu, die als Hexe benannt worden war. Dafür, dass man ihr die Folter erspare und ein christliches Begräbnis nach ihrer Hinrichtung erlaube, lieferte die Verhaftete dem Richter ein ausführliches Geständnis, in dem sie Anschuldigungen gegen Frau Schüler und weitere dreizehn Personen vorbrachte. Es war bekannt, dass Geiss am Besitz der Schülers interessiert war, und so wurde Frau Schüler festgenommen. Eine alte Narbe, die man an ihr fand, wurde als Teufelsmal identifiziert, womit das Schicksal der Verhafteten besiegelt war. Johann Schüler gelang die Flucht nach Würzburg; dort ersuchte er die Obrigkeit um Vermittlung, damit seine Frau gerettet werde. Frau Schüler wurde inzwischen durch die Folter zu einem Geständnis gezwungen.
Bei seiner Rückkehr nach Lindheim wurde Johann Schüler ergriffen und ins Gefängnis geworfen und mit äusserster Grausamkeit gefoltert, bis er ein umfassendes Geständnis ablegte. Er widerrief zweimal und wurde jedes Mal wieder in die Folterkammer zurückgeschickt. Die Nachricht von.. den Misshandlungen drangen jedoch an die Öffentlichkeit, und die empörte Lindheimer Einwohnerschaft begann zu rebellieren, was Schüler und anderen die Gelegenheit zur Flucht gab. Als die entflohenen Gefangenen ihre Verletzungen vor dem Obersten kaiserlichen Gerichtshof in Speyer vorwiesen, herrschte allenthalben Empörung. Geiss setzte sich jedoch über den Volkszorn hinweg und liess Frau Schüler am 23. Februar 1664 bei lebendigem Leibe verbrennen.
Geiss, der mit seinen Hexenjagden ein Vermögen angehäuft hatte, wurde kurz nach den geschilderten Ereignissen auf Betreiben des Obersten Gerichtshofes aus seinem Amt entlassen. Allerdings wurde darüber hinaus nichts gegen ihn unternommen - vielleicht deshalb, weil ein Teil der Einnahmen aus seinen Aktivitäten an seine Vorgesetzten geflossen war. Geiss war für den Tod von insgesamt etwa dreissig Menschen verantwortlich.

 

 

 

 

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