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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Salem, Hexen von

Opfer einer berüchtigten Hexenjagd, die gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts die Gesellschaft Neuenglands schockierte, viele Menschenleben kostete und später als eine der erschütterndsten Episoden in der Geschichte des kolonialen Amerika in die Geschichte einging. Den Prozessen waren Vorfälle vorausgegangen, die sich zu Beginn der neunziger Jahre des siebzehnten Jahrhunderts in dem Dorf Salem im ländlichen Massachusetts zugetragen hatten. Die Prozesse selbst wirkten nachhaltig auf das amerikanische Bewusstsein; sie stellten den schlimmsten Ausbruch des Hexenwahns westlich des Atlantik dar.
Die Tragödie der Hexen von Salem begann 1692, als bei acht Mädchen im Alter von elf bis zwanzig Jahren Anzeichen dämonischer Besessenheit auftraten. Wie es scheint, waren die Mädchen stark von der Lektüre sensationeller Druckschriften über das Hexenwesen beeindruckt und mögen darüber hinaus wohl auch durch die haarsträubenden Geschichten beeinflusst worden sein, die sie von Tituba, der von den westindischen Inseln stammenden Sklavin des Ortsgeistlichen Black gehört hatten. Die ersten Opfer der Hysterie waren die elfjährige Abigail Williams und deren Kusine Elizabeth Parris, die neunjährige Tochter des Geistlichen Samuel Parris. Die Mädchen erlitten Anfälle, schrieen und krümmten sich am Boden, als glaubten sie, in Tiere verwandelt worden zu sein. Verwandte und Nachbarn waren von dem gottlosen Verhalten der Mädchen verblüfft; sie warfen die Bibel durch den Raum, störten die Gottesdienste und zeigten ihren Ehen gegenüber einen zügellosen Ungehorsam. Den schockierten Erwachsenen, die Zeugen des Geschehens waren oder davon gehört hatten, kam auch sogleich das Wort „Hexerei” über die Lippen.
Die Hysterie sprang rasch auf andere Mädchen im Dorf über, die nun ähnliche Symptome zeigten, in unenträtselbaren Sprachen schnatterten und Anfälle bekamen. Unter ihnen fielen sieben auf - die achtzehnjährige Elizabeth Booth, die siebzehnjährige Elizabeth Hubbard, die neunzehnjährige Mercy Lewis, die zwölf-jährige Ann Putnam - die mit einer Ausnahme in allen Prozessen aussagte -, die achtzehnjährige Susan Sheldon, die sechzehnjährige Mary Walcott und die zwanzigjährige Mary Warren. Ebenfalls betroffen waren die zwölfjährige Phoebe Chandler, die zwanzigjährige Sarah Churchill, die ebenfalls zwanzigjährige Margaret Reddington, die sechzehnjährige Martha Sprague, die neunzehnjährige Sarah Trask und die 36 jährige Sarah Bibber. Bei Mary Warten, die als Dienstmädchen im Haus-halt von John und Elizabeth Proctor arbeitete, stellte sich eine zeitweilige, doch deutliche Linderung der Symptome ein, als ihr Dienstherr John Proctor drohte, sie durchzuprügeln, wenn sie noch einen Anfall bekäme, doch wenn er das Haus verlassen hatte, begannen die Anfälle von neuem.
Angesichts dieser Hysteriewelle im Dorf kamen die Geistlichen und der ortsansässige Arzt Dr. Griggs, der keine medizinische Erklärung für die Anfälle finden konnte, überein, dass die Ursache für das ungewöhnliche Verhalten der Mädchen Hexerei sein musste. Die jungen Damen wurden befragt und gebeten, die Hexen zu nennen, die für ihren Zustand verantwortlich seien. Vielleicht erkannten die Mädchen, dass sie auf diese Weise einer Bestrafung für ihre überall bekannt gemachten Vergehen entkommen konnten und gaben die Namen mehrerer Frauen an, die alle auf die eine oder andere Art Anhaltspunkte für den Verdacht der Hexerei lieferten. Als eine ihrer Peinigerinnen benannten die Mädchen Tituba, die Sklavin der Familie Parris; gegen sie wurde von Mary Sibley zusätzliches Belastungsmaterial erbracht, die Titubas Ehemann John Indian gebeten hatte, einen „Hexenkuchen” zu machen, den sie an einen Hund verfüttern wolle, uni sich so von ihrem Fieber zu kurieren. Die anderen angeblichen Hexen waren Sarah Good, eine Bettlerin, die eine Schwäche für das Pfeiferauchen hatte, Sarah Osborne, eine verkrüppelte Frau, die dreimal verheiratet gewesen war, und Martha Cory, die mit ihrem Sohn, einem Halbblut, ausserhalb der ehrbaren Gesellschaft stand.
Die vier Frauen wurden im Februar 1692 vorbereitend verhört, wobei sie jegliche Beschäftigung mit der Hexenkunst in Abrede stellten. Die Richter jedoch waren mehr vom Verhalten der jugendlichen Klägerinnen beeindruckt, die ihre Vorwürfe wiederholten und obendrein behaupteten, sie seien von den Verdächtigen sogar jetzt, wo sie vor ihnen stünden, ungesehen geschlagen, gekniffen und anderweitig misshandelt worden. Mitunter agierten sie gemeinsam, wobei eines der Mädchen einen Anfall erlitt, nachdem ein anderes gesagt hatte, es könne sehen, dass die Angeklagten, unsichtbar für alle anderen Anwesenden, in ihrer Geistergestalt auf sie zukämen. Zusätzlich zu den ursprünglichen Anschuldigungen erhoben die Mädchen - anscheinend auf Veranlassung von Ann Putnams Mutter - weitere Anklagen, bis einhundertfünfzig Personen aller Klassen und gesellschaftlicher Herkunft in den Fall hineingezogen waren. Die Bezichtigungen waren meist ähnlicher Natur - die genannte Person hatte die Klägerin angeblich gepeinigt, indem sie ihre „Erscheinung” ausgesandt habe, um das Mädchen zu zwicken, zu würgen und anderweitig zu quälen.
Nicht alle Angeklagten kamen aus dem Dorf Salem; einige stammten aus Nachbargemeinden wie Salem Farms und Topsfield, mit denen die Leute aus Salem seit langem im Streit lagen. Ann Pudeator und Mary Parker kamen aus dem weiter entfernten Andover; sie gehörten zu den vierzig Personen aus der Stadt, die wegen Hexerei angeklagt wurden, nachdem man sie einer „Berührungsprobe” unterzogen hatte. Bei dieser Probe mussten die angeblichen Hexen Ann Putnam oder Mary Walcott während eines Anfalles berühren. Beruhigten sich die Mädchen bei der Berührung, dann waren die Verdächtigen ganz gewiss schuldig. Als eine Frau Cary aus Charlestown erfuhr, dass man sie der Hexerei beschuldigte, kam sie freiwillig nach Salem, um sich zu der Menge im Gericht zu gesellen. Erst als die Mädchen schliesslich wussten, wer sie war, bekamen sie ihre üblichen Anfälle. Frau Cary wurde festgenommen, doch später wieder freigelassen.
Vor den Anschuldigungen der Mädchen war niemand sicher. Als Richter Dudley Bradstreet aus Andover sich weigerte, weitere Haftbefehle zu unterschreiben, wurde er selbst der Hexerei bezichtigt und floh, bevor er wegen Mordes an neun Personen vor Gericht gestellt werden konnte. Sein Bruder John war ebenfalls angeklagt; ihm warf man vor, einen Hund mittels Hexerei zum Verüben eines Verbrechens angestiftet zu haben. Der Hund kam vor Gericht und wurde gehängt. Als man die Mädchen nach Boston brachte, gehörte zu ihren Opfern dort Hauptmann John Alden, dem seine Taten in den Indianerkriegen einst den Rufeines Helden gebracht hatten. Bei seinem Erscheinen fielen die Mädchen in Ohnmacht, erholten sich aber bei der „Berührungsprobe” schnell wieder. John Alden wurde ins Bostoner Gefängnis geworfen, von wo ihm vier Monate später jedoch die Flucht gelang.
Bei allen Misslichkeiten ihrer Lage hatten die Angeklagten dennoch Verbündete. So wurde beispielsweise der Versuch unternommen, Sarah Bibber als Zeugin in Misskredit zu bringen, indem mehrere Personen ihren „aufsässigen, aufrührerischen Geist” bezeugten und behaupteten, sie habe ihre angeblich von unsichtbaren Geistern stammenden Wunden vorgetäuscht und sich statt dessen selbst mit Nadeln zerkratzt, die in ihrer Kleidung verborgen gewesen seien. John Willard, ein Bauer und Polizist aus Salem, der die ersten Verdächtigen verhaftet hatte, erkannte klar, dass die wahren Schurken des Stückes die acht „Hexenschlampen” seien, die sich die meisten Anschuldigungen nur aus-gedacht hätten, und er legte nahe, dass, wenn jemand gehängt werden müsste, sie diejenigen seien, die an den Galgen gehörten. Dieser Ausbruch musste Unannehmlichkeiten nach sich ziehen, und so floh Willard aus dem Dorf. Er wurde zehn Tage später ergriffen und darauf von den Mädchen und Frau Putnam sieben verschiedener Verbrechen beschuldigt. Willard wurde am 19. August 1692 gehängt.
Trotz der Bemühungen war das Gericht geneigt, die Anklagepunkte ohne jegliche Zweifel zu akzeptieren, und die von den Mädchen Beschuldigten wurden festgenommen und ins Gefängnis geworfen, wo sie auf ihren Prozess warteten. Jeder, der die Anklagen in Frage stellte, lief Gefahr, selbst wegen Hexerei angeklagt zu werden.
Einige der Angeklagten gehörten zu den geachtetsten Bürgern ihres Distrikts, darunter auch John Proctor, der sich entschieden weigerte, an die Existenz von Hexerei zu glauben und sich damit die Feindschaft des Gerichts zuzog; Martha Cory, die eine fromme Kirchgängerin war, und der hochwürdige George Burroughs, der von 168o bis 1682 Pfarrer in Salem gewesen war. Burroughs, so wurde behauptet, habe den Vorsitz über gotteslästerliche Parodien des puritanischen Abendmahlgottesdienstes geführt, anderen Hexen „Brot und Wein so rot wie Blut” angeboten und seine beiden Ehefrauen durch Hexerei umgebracht. Sein wahres Verbrechen war wahrscheinlich gewesen, sich die Familie Putnam zum Feind zu machen, bei der er einst zur Untermiete gewohnt hatte. Mercy Lewis beschrieb, wie George Burroughs Geist ihr alles versprochen habe, was sie sich wünsche, wenn sie sich beim Teufel einfach in das Buch der Namen einschriebe - das der Geistliche angeblich in seinem Studierzimmer aufbewahrte. Abigail Hobbs hingegen sagte aus, dass er ihr in persona erschienen sei, uni ihr Puppen zu bringen, in die sie habe Nadeln stecken können. Während der Prozesse zeigten die Mädchen Bissspuren vor, die von George Burroughs Geist herrühren sollten und, was eine gewaltsame Untersuchung des Gebisses des Geistlichen angeblich zutage brachte, auch mit den Zähnen des Pfarrers übereinstimmten. Burroughs weigerte sich kategorisch, die Möglichkeit solcher Magie anzuerkennen und stellte fest: „Es gibt weder noch gab es jemals Hexen, die einen Vertrag mit dem Teufel gemacht haben und einen Dämon aussenden können, der andere Menschen von weitem peinigt.”
Andere Angeklagte standen bereits in einem zweifelhaften Ruf, so wie es bei Bridget Bishop und Susanna Martin der Fall war, denn die beiden betagten Frauen hatte man schon lange der Hexerei verdächtigt. Bridget Bishop hatte 1680 wegen Hexerei vor Gericht gestanden, wo man sie anklagte, ihren ersten Ehemann durch Zauberei umgebracht zu haben, sie hauptsächlich aufgrund der entlastenden Aussage des Ortspfarrers aber freisprach.
Als die möglichen Konsequenzen der Anschuldigungen offenbar wurden, deutete sich bei den Mädchen der Wunsch an, ihre unsinnigen Klagen zurückzuziehen, doch nur zwei von ihnen - die Dienstmädchen Sarah Churchill und Mary Warren - gaben auch wirklich zu, das Gericht getäuscht zu haben. Sarah Churchill entschloss sich zu gestehen, als ihr Dienstherr George Jacobs verhaftet und verhört wurde, während Mary Warren erst reiflich überlegte, als John und Mary Proctor ins Gefängnis kamen, die Obrigkeit nach deren Eigentum griff und Mary, die im Hause nichts zu essen vorfand, die Sorge für die fünf Kinder des Ehepaares überliess. Dann änderte Sarah Churchill ihren Sinn, da sie fürchtete, das Gericht würde ihr Geständnis ignorieren, und bekräftigte ihre ursprünglichen Bezichtigungen. Mary Warren hingegen wurde von den anderen Mädchen bedroht, die offensichtlich besorgt waren, dass ihr Betrug entdeckt werden könnte, und von Ann Putnam, Mercy Lewis, Mary Walcott und Abigail Williams schliesslich selbst beschuldigt, eine Hexe zu sein. Unter dem Druck, den die Mädchen und auch die Richter auf sie ausübten, fügte sie sich und bestätigte, sich ins Buch des Teufels eingetragen zu haben und von John Proctors Geist gepeinigt worden zu sein.
Die Mädchen, die sich nun verpflichtet sahen, an ihren Vorwürfen bis zum Schluss festzuhalten, blieben bei ihren Anschuldigungen und verfolgten ihre Opfer vor Gericht mit gewollter und unmenschlicher Grausamkeit. Fünfundfünfzig von einhundertfünfzig Angeklagten, darunter auch Tituba, liessen sich durch die Hinweise, dass geständige Hexen vom Gericht begnadigt würden, zu einem umfassenden Geständnis überreden. Sie alle entgingen der Todesstrafe; Samuel Wardwell, der ebenfalls gestand, später aber widerrief, wurde gehängt. Um die, die gestanden hatten, kümmerten sich die Mädchen im allgemeinen nicht mehr, sondern konzentrierten sich darauf, belastende Beweise gegen jene zu liefern, die gegen ihre Anschuldigungen noch immer öffentlich Widerstand leisteten.
Der Inhalt der meisten Geständnisse entsprach zum grossen Teil den Vorstellungen, die man im siebzehnten Jahrhundert in Neuengland von den Gepflogenheiten des Hexenwesen hatte. Frau Forster beispielsweise behauptete, sie habe mehrmals den Teufel in Gestalt eines Vogels gesehen, und sie sei auf dem Besen geflogen, wie es bereits aus alten Legenden bekannt war, und wie es ihre Befrager festhielten:
Sie und Martha Carrier ritten beide auf einem Besen oder einem Pfahl, wenn sie sich auf den Weg zum Hexentreffen in Salem machten; der Besen zerbrach,als sie in die Lüfte und bis über die Baumwipfel getragen wurden, und sie fielen herunter. Doch sie hängte sich schnell an Mütterchen Carriers Hals, und sie waren alsbald in dem Dorf, wo ihr Bein dann stark schmerzte.

Das Gericht hörte die Anschuldigungen der Mädchen, trug jedoch auch von erwachsenen Zeugen Beweise für wirkliche Maleficia zusammen, bis es gegen die meisten Angeklagten genügend belastendes Material besass. Über Bridget Bishop, bei der bereits viele Nachbarn argwöhnten, dass sie eine Hexe sei, wurde kurz und bündig entschieden. Sie gehörte zu den ersten, die gehängt wurden. Die einundsiebzigjährige körperbehinderte Rebecca Nurse stand unter dem Verdacht, durch Hexerei den Tod von Benjamin Holton herbeigeführt zu haben, nachdem sie mit dem Mann in Streit geraten war, weil seine Schweine auf ihrem Acker gewesen waren. Doch wie in anderen Fällen war es auch hier unmöglich, eine wirkliche Verbindung zwischen der Auseinandersetzung und Holtons späterem Tod herzustellen, der nach heftigen Anfällen und Schmerzen eingetreten war.
Die Mädchen waren darum bemüht, die Schuld der von ihnen bezichtigten Personen zu bekräftigen .Wann immer eine angebliche Hexe in ihre Nähe gebracht wurde, erlitten sie Anfälle und klagten, sie würden vom unsichtbaren Selbst der Verdächtigen gequält. Ihre Krampfanfälle wurden von den Richtern auch prompt als belastender Beweis akzeptiert; überhaupt liessen sich die Richter sehr leicht von Ann Putnam und deren Freundinnen beeinflussen und hatten keine Bedenken, solche bizarre Geisterbezeugungen zu akzeptieren. Sie selbst schienen sich aufgrund des einzigartigen Charakters der vermeintlichen Verbrechen von den üblichen gesetzlichen Beschränkungen befreit zu fühlen. War jemand der Hexerei angeklagt, dann galt er von vornherein fast mit Sicherheit als schuldig; wenn er seine Geistererscheinung ausschicken konnte, um andere zu quälen, dann musste er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben. In ihrer Entschlossenheit, Schuldsprüche zu fällen, hörten die Richter auch die Aussagen von siebenjährigen Kindern, verweigerten den Angeklagten einen Rechtsbeistand und formulierten ihre Fragen so, dass die Antworten leicht gegen die Beschuldigten sprechen konnten. Sie ignorierten alle gesetzlichen Voraussetzungen, und als die Geschworenen Rebecca Nurse freisprachen, verwarfen sie den Entscheid einfach. So wurde am 19. Juli 1692 neben Sarah Good, Susanna Martin und drei weiteren Verurteilten auch Rebecca Nurse gehängt.
Von den Angeklagten wurden 31 zum Tode verurteilt und neunzehn tatsächlich gehängt: Bridget Bishop, George Burroughs - dem überdies das Priesteramt entzogen worden war -, Martha Carrier, Martha Cory, Mary Esty, Sarah Good, Elizabeth How, George Jacobs, Susanna Martin, Rebecca Nurse, Alice Parker, Mary Parker, John Proctor, Ann Pudeator, Wilniot Reed, Margaret Scott, Samuel Wardwell, Sarah Wilds und John Willard. Ebenfalls verurteilt wurden Mary Bradbury, der die Flucht gelang, und Sarah Cloyce, Rebecca Eames, Dorfas Hoar,Abigail Hobbs und Mary Lacy, die alle ihre Begnadigung erwirkten. Abigail Faulkner und Elizabeth Proctor wurden zwar für schuldig befunden, von der Urteilsvollstreckung je-doch verschont, da sie schwanger waren; beide Frauen wurden schliesslich begnadigt. Ann Folter und Sarah Osborne starben im Gefängnis, Giles Cory wurde zu Tode gepresst. Tituba, die Sklavin, die man als eine der ersten Verdächtigen verhaftet hatte, erhielt anstelle des Todesurteils eine Gefängnisstrafe von unbestimmter Dauer, da sie gleich zu Anfang ein freiwilliges und umfassendes Geständnis abgelegt hatte. Sie musste den Haushalt der Familie Parris letzten Endes verlassen und wurde später verkauft, damit die Prozesskosten beglichen werden konnten. Auf diejenigen, die man freiliess, wartete weitere Schmach: Sie hatten die Kosten für ihre Begnadigung zu tragen und die Gefängniswärter für die Betreuung während ihrer Haftzeit zu entlohnen.
Als der hochwürdige George Burroughs vor seiner Hinrichtung fehlerlos das Vaterunser sprach, verbreitete sich unter der Zuschauermenge, die ihn sterben sehen wollte, grosse Bestürzung, denn eine Hexe oder ein Hexenmeister galt gemeinhin als unfähig, das Gebet ohne einen Fehler aufzusagen. Nur das hartnäckige Zureden Cotton Mathers, der der Exekution beiwohnte, überzeugte die Menge davon, dass Burroughs wirklich ein Hexenmeister sei und so, wie es das Gericht befohlen habe, gehängt werden müsse. Das Urteil wurde vollstreckt, und die Leiche des ehemaligen Pfarrers von Salem auf dem Gallows Hill des Dorfes verbrannt.
Der Tod des achtzigjährigen Giles Cory war eine der scheusslichsten Grausamkeiten, die es bei diesem Ausbruch des Hexenwahns in Salem gab. Da er sich weigerte, sich zu seinen Anklagepunkten zu äussern, und somit der Prozess gegen ihn nicht eröffnet werden konnte, musste er zwei Tage lang nackt, ohne Nahrung und mit schweren Gewichten auf der Brust auf einem Feld in der Nähe des Dorfgefängnisses liegen, bis er seinen Sinn geändert hatte. Der alte Mann, dem offenbar die Hoffnungslosigkeit seines Falles bewusst war, weigerte sich noch immer, mit dem Gericht zu kooperieren und starb schliesslich, als die immer schwerer drückende Last für seinen Körper zu viel wurde. Er ging damit als der wahrscheinlich einzige Mensch in die Geschichte Amerikas ein, der zu Tode gepresst wurde. Natürlich war diese Art der Behandlung nach den Bestimmungen eines Gesetzes von 1641 unzulässig, das alle „unmenschlichen, barbarischen oder grausamen” Strafen verbot. Robert Calef, ein Händler aus Boston, der den Vorfall aufzeichnete, berichtete, wie „beim Druck der Gewichte seine Zunge aus dem Mund gepresst wurde und der Polizist sie mit seinem Stock wieder hineinzwang". Als die Richter am folgenden Tag Zeichen des Bedauerns bezüglich der Art, in der Cory zu Tode gebracht worden war, erkennen liessen, suchte Ann Putnams Vater ihre Entschlossenheit wieder zu stärken, indem er dem Gericht auseinander setzte, wie seine Tochter in der vergangenen Nacht von Hexen und der Erscheinung eines Mannes, den Cory sechzehn Jahre zuvor erschlagen hatte, belästigt worden sei. Der Geist habe behauptet, unter Corys Füssen zu Tode gedrückt worden zu sein und habe hinzugefügt: „Ihm muss das gleiche widerfahren, was er mir angetan hat.”
Das Resultat des Salemer Hexenprozesses führte zu einer grossen Debatte in der Gesellschaft Neuenglands. Die Bereitschaft des Gerichts, mit der es die ungewöhnlichen Anschuldigungen junger Mädchen akzeptiert hatte, und der Eifer, mit dem die unwahrscheinlichsten Geisterbezeugungen anerkannt worden waren, beunruhigten viele Beobachter. Selbst bekannte Puritanerführer wie Increase Mather brachten ihre Zweifel an solchen Zeugnissen zum Ausdruck. Mather erklärte seiner Gemeinde: „Es wäre besser, zehn vermeintliche Hexen entkämen, als dass ein ehrlicher Mensch verurteilt wird ... Ich liesse lieber eine Hexe als ehrliche Frau gelten, als eine ehrliche Frau als Hexe zu richten.”
Thomas Brattle, ein geachteter und einflussreicher Bostoner Bürger, veröffentlichte einen Brief, in dem er eine ganze Reihe von Kritiken an der Art und Weise der Prozessführung an-brachte: Er stellte die Zuverlässigkeit von Zeugen in Frage, die angeblich unter Satans Einfluss standen, und tadelte die Richter für ihre unbefriedigende und widersprüchliche Einstellung zu dem Fall. Cotton Mather und seine hexen-jagenden Gefährten antworteten darauf, indem sie 1693 das Buch The Wenders of Invisible World veröffentlichten, das die Richter der Hexenprozesse in Salem verteidigen sollte und doch nur die Blindheit seiner Verfasser zeigte, mit der sie die Hexerei als etwas tatsächlich Existierendes akzeptierten. Diese Publikation provozierte 1700 als Gegenreaktion ein Buch mit dem Titel More Wunders of the Invisible World, das wiederum ätzende Kommentare zu den Prozessen enthielt. Mathers Lager reagierte 1701 mit Some few Remarks upon a Scandalous Book, und Calef wurde aus Boston vertrieben. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Debatte schon lange von den Ereignissen überholt worden.
So schnell, wie die Hysterie in Salem die Kolonie überschwemmt hatte, änderte die Bevölkerung ihre kollektive Meinung über die ganze Angelegenheit. Die Anerkennung von Geisterbezeugungen, die in den Salemer Prozessen von 1692 eine so entscheidende Rolle gespielt hatte, wurde zu Beginn des Jahres 1693 als Verfahrensweise offiziell in Zweifel gezogen, und von den zweiundfünfzig Verdächtigen, die noch auf ihren Prozess warteten, wurden nur drei zum Tode verurteilt; über fünf andere, darunter auch Elizabeth Proctor, hatte man bereits im Jahr zuvor das Urteil gesprochen. Als Antwort auf das wachsende öffentliche Unbehagen und auf die gegen seine Frau gerichtete Anklage überstimmte Sir William Phips, der Gouverneur von Neuengland, das Gericht und sprach alle acht Verurteilten frei. Der wachsende Widerstand der öffentlichen Meinung gegen die Verfolgungen verhinderte weitere Aktionen gegen angebliche Hexen in der Region, und nach dem Fall in Salem gab es in Amerika keine Hinrichtungen verurteilter Hexen mehr.
1696, als die Hysterie fast vorüber war, legten die Geschworenen ein öffentliches „Eingeständnis von Fehlern” ab. Darin baten sie die noch lebenden Verwandten der Opfer um Vergebung und bekannten, sich von den damals vorgebrachten Anschuldigungen geblendet haben zu lassen:
Wir bekennen, dass wir nicht in der Lage waren, die mysteriösen Täuschungen der Mächte der Finsternis und des Fürsten der Lüfte zu verstehen noch ihnen zu widerstehen; doch liessen wir uns in dem Wunsch nach Wissen und besseren Auskünften von anderen dazu bewegen, solch Zeugnis gegen die Angeklagten aufzugreifen, von dem wir nun bei weiterer Betrachtung und besserer Kenntnis zu Recht fürchten, dass es nicht ausreichte, um das Leben eines Menschen anzutasten.
Als Geste der Reue wurde am 15. Januar 1697 überall in der Kolonie ein Fastentag eingehalten. Cotton Mather und all jene, die sich stark für die strafrechtliche Verfolgung eingesetzt hatten, sahen sich nun zur Seite gedrängt und unbeachtet, da die Allgemeinheit in Zweifel zog, dass es hier überhaupt irgendwelche Hexerei gegeben habe. Die Zulassung von Geisterbezeugungen als Beweismittel wurde später verboten, und in den folgenden Jahren korrigierte man die gerichtlichen Entscheidungen, um die Verurteilten von ihrer vermeintlichen Schuld freizusprechen. Viele Hinterbliebene und Nachkommen der Hingerichteten erhielten 1711 einen - wenn auch kärglichen - finanziellen Aus-gleich. Die letzten unrechtmässigen Salemer Hexenurteile wurden 1957 aufgehoben.
Die Mädchen, deren Anschuldigungen direkt zum Tod so vieler Menschen aus ihrer näheren Umgebung geführt hatten, gingen straffrei aus. Dem Anschein nach liessen sie in ihrem späteren Leben nur wenige Anzeichen der Reue erkennen. Lediglich Ann Putnam wagte es je, eine Art Geständnis abzulegen. Sie verlas es ganze vierzehn Jahre nach den Prozessen in der Kirche von Salem. Obwohl sie darauf bestand, dass damals in der Gemeinde Hexerei am Werk gewesen sei, bekannte sie demütig, von Satan getäuscht worden zu sein:
... es war eine grosse Verblendung Satans, die mich in dieser schlimmen Zeit getäuscht hat, und ich fürchte zu Recht, dass ich dadurch mit anderen, zwar unwissentlich und unabsichtlich, so doch wesentlich dazu beigetragen habe, über mich und dieses Land die Sünde unschuldig vergossenen Blutes zu bringen; doch was ich gegen eine Person gesagt oder getan habe, so kann ich wahrhaftig und aufrichtig vor Gott und den Menschen sagen, habe ich nicht aus Ärger, Tücke oder bösem Willen gesagt oder getan, denn ich empfand nichts dergleichen gegen einen von ihnen, aber was ich, vom Satan getäuscht, getan habe, geschah unwissentlich.
Experten, die diesen Fall von Hexenwahn einer Überprüfung unterzogen, fanden eine ganze Reihe von Umständen, die zu der Tragödie mit beigetragen hatten. Dazu gehörte das unruhige politische Klima zu Anfang der neunziger Jahre des siebzehnten Jahrhunderts, einer Zeit, in der sich die amerikanischen Kolonisten durch die hohen Steuern, die die Regierung ihnen auferlegt hatte, zunehmend benachteiligt fühlten und die Möglichkeit einer grösseren Unabhängigkeit von England erörtert wurde. Überdies waren die örtlichen Richter damals erst kürzlich als Sieger aus einem Machtkampf gegen die regionale Obrigkeit hervorgegangen und zeigten sich nur zu willig, Anschuldigungen wegen Hexerei als ein Mittel zur Behauptung ihrer Rolle aufzugreifen. Die Spannungen im Land erhöhten sich durch den Krieg mit Frankreich und die Kampagnen, die die indianischen Ureinwohner gegen die Kolonisten unternahmen. Zu dem besonders harten Winter des Jahres 1691 kamen verschärfende Faktoren wie eine Pockenepidemie und Piratenüberfälle, denen man entgegentreten musste, und so war die gesamte Bevölkerung wahrscheinlich gern bereit, die Hexen als brauchbare Sündenböcke zu akzeptieren, denen sie die Verantwortung für ihre vielen Schwierigkeiten aufbürden konnten. Bis 1691 hatte es in der Region bereits mehrere unbedeutendere Vorkommnisse von Hexenpanik gegeben, die sich insbesondere aus dem Fall der Goodwin-Kinder aus dem Jahre 1688 - den die Mädchen von Salem zweifellos kannten - ergeben hatten - nun war die Zeit für einen grossen Ausbruch des Hexenwahns reif. In dem nach strengen puritanischen Prinzipien regierten Neuengland zweifelten nur wenige Menschen an der Existenz des Übernatürlichen. So war es relativ einfach, die Gemeinden in der Region zu überzeugen, dass mitten unter ihnen Satan und seine Heerscharen mit dem erklärten Ziel tätig seien, die Regierung zu stürzen.
Die traurige Berühmtheit, die dem Dorf Salem nach den Prozessen und den späteren Untersuchungen der Angelegenheit anhing, ist so gross, dass der Name des Ortes auch dreihundert Jahre später noch die Vorstellung vom Hexenwahn heraufbeschwört. Der Skandal von Salem lässt sich nicht einfach dem Vergessen überantworten; er regt weiter Diskussionen und Deutungsversuche an, wie beispielsweise Arthur Millers berühmtes Stück The Crucible aus dem Jahre 1953 zeigt, das die Hexenjagd mit dem McCarthysmus vergleicht.

 

 

 

 

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