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Spanischer Inquisitor,
dessen Schlussfolgerungen aus einer Untersuchung des Massenprozesses gegen
die baskischen Hexen 1611 das faktische Ende des Hexenwahns in Spanien
verkündeten. Salazar hatte als hoher Beamter der spanischen Inquisition
geholfen, Belegmaterial für ein Gutachten der Inquisition über einen
Massenprozess zusammenzustellen, der im November 1610 vor dem weltlichen
Gerichtshof in Logrono, Navarra, stattgefunden hatte. Bei diesem Prozess
drohten die Aktivitäten der weltlichen Obrigkeit auf das einst der
Inquisition vorbehaltene Territorium überzugreifen, und Salazar sowie zwei
weitere Inquisitoren wurden beauftragt, die Anklagepunkte zu prüfen. Wie die
staatliche Obrigkeit, so war auch das Tribunal der Ansicht - und setzte sich
damit über den Einspruch Salazars hinweg -, dass das Hexenwesen in der
fraglichen Region grassiere und etwa zwei-hundertachtzig Erwachsene und
Kinder aktiv in den Teufelskult verwickelt seien. Man argwöhnte, dass in
dieser Gegend nicht weniger als zwanzig grosse Hexenzirkel aktiv seien.
Im Ergebnis dieser ersten, ziemlich übereilten Untersuchung ordnete die
Inquisition eine Massenverbrennung der Angeklagten an, mit der das
Hexenwesen, das angeblich den gesamten Bezirk bedrohte, ausgelöscht werden
sollte, doch die ganze Angelegenheit verlief enttäuschend. Obwohl man darauf
gehofft hatte, nahm König Philipp III. an diesem Ereignis nicht teil; auch
widerriefen die meisten Angeklagten ihr Geständnis und entgingen damit dem
Feuertod. Am Ende kamen nur sechs Hexen auf den Scheiterhaufen. Die
örtlichen Richter wurden im Gefolge dieses Fiaskos verhaftet, und die
Inquisition leugnete die Schlussfolgerungen ihrer eigenen Beamten ab.
Im März tön wurde das Gnadenedikt erlassen, das vermeintlichen Hexen die
Strafe ersparte, wenn sie innerhalb einer gewissen Zeit ein umfassendes
Geständnis ablegten. Salazar, der den ursprünglichen Erkenntnissen des
Inquisitionstribunals widersprochen hatte, erhielt den Auftrag, die
Anwendung des Edikts in der Region Logrono zu prüfen und nahm eine intensive
kritische Betrachtung des Beweismaterials in Angriff, das zusammengetragen
worden war. Bei der Befragung von nicht weniger als tausendachthundertzwei
Hexen - von denen zwei Drittel Kinder waren - hörte er zahlreiche Widerrufe,
die unter dem Schutz des neuen Edikts erfolgten, und entdeckte viele
widersprüchliche Beweise, die die ursprünglichen Anklagen ins Wanken
brachten. Frauen, die angeblich an Hexensabbaten teilgenommen hatten,
besassen Alibis, die belegten, dass sie zur fraglichen Zeit anderswo gewesen
waren; Mädchen, die behauptet hatten, von Dämonen verführt worden zu sein,
erwiesen sich als Jungfrauen; nicht eine der Befragten konnte sagen, wo die
vermeintlichen Hexensabbate stattgefunden hatten; vom Teufel gelieferte
Zaubersalben entpuppten sich als ganz harmlos und wirkungslos.
Salazar tadelte auch die Anwendung der Folter zur Erpressung von
Geständnissen und verwies auf das nahezu völlige Fehlen an belastendem
Beweismaterial. In seinem umfangreichen Bericht über den Prozess musste er
die Schlussfolgerung ziehen: „Ich habe nicht einmal Andeutungen gefunden,
aus denen sich ableiten liesse, dass es auch nur einen einzigen Fall von
Hexerei wirklich gegeben hat, seien es nun die Reise zu den aquelarres oder
die Teilnahme daran, das Zufügen von Schäden oder andere vorgebrachte
Tatsachen.”
Die Inquisition stellte sich auf Salazars Seite, und alle weiteren
Nachforschungen nach Hexen in Logrono wurden eingestellt. 1614 erliess man
neue Anweisungen für Inquisitoren, die Fälle von Hexerei zu untersuchen
hatten, und von dieser Zeit an konnte man nur noch mit Anschuldigungen vor
ein Gericht treten, die sich auf wesentliche und wahrnehmbare Beweismittel
stützten. In beschränktem Umfang wurden auch Schritte unternommen, um die
Familien der 1610 in Logrono Hingerichteten zu entschädigen.
Ohne Salazars furchtlosen Bericht wäre der Prozess von Logrono wohl überall
von jenen als zuverlässige Quelle zitiert worden, die die Existenz eines
gewaltigen Netzes von Hexenzirkeln hervorhoben, das sich angeblich über das
gesamte baskische Gebiet erstreckte und über Generationen hinweg Bestand
hatte. Vom äusseren Anschein her betrachtet, belegten die beim Prozess
vorgebrachten Beweise, dass die Praktiker der schwarzen Künste in einer
Rangordnung organisiert waren und ihre eigene komplizierte Hierarchie
besassen, was den Eindruck verstärkte, dass das Christentum mit einer
ernsthaften und fest etablierten Bedrohung konfrontiert sei. Durch Salazars
Bemühungen jedoch wurde der Hexenwahn in Spanien unvermittelt und nahezu
völlig beendet. In den Folgejahren gab es nur noch vereinzelte Fälle, und
nach 16ii fanden in Spanien nirgendwo mehr Hinrichtungen wegen
vermeintlicher Hexerei statt. Leider erreichten Salazars Gedanken über das
Hexenwesen im übrigen Europa kein Massenpublikum. Statt dessen war es das
Werk Pierre de Lancres, eines Zeitgenossen von Salazar, der sich dem
Hexenmythos verschrieben hatte, das weiter verbreitet und mehr gelesen
wurde. |