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Junger Engländer, dessen
detaillierte Anschuldigungen 1634, rund zwanzig Jahre nach dem Prozess gegen
die ursprünglichen Hexen von Pendle, zu einem zweiten Ausbruch des
Hexenwahns in der Gegend um den Pendle Forest, Lancashire, führten. Der
erste Fall von Pendle hatte sich hauptsächlich auf die Aussage eines
Mädchens gestützt, das damals noch lange nicht das vierzehnte Lebensjahr
erreicht hatte - das Mindestalter, das eine noch nicht volljährige Person
haben musste, um vor Gericht aussagen zu dürfen. Auch bei diesem neuen Fall
stammten die Bezichtigungen von einem Minderjährigen, dem zehnjährigen
Edmund Robinson. Diesmal allerdings zeigte sich der Richter der Assisen von
Lancaster strenger, als es um die Anerkennung der Aussage eines Zeugen ging,
der ja noch ein Kind war.
Edmund Robinson war der Sohn eines Maurers, der im Pendle Forest lebte und
arbeitete. Er war daher mit den berüchtigten Ereignissen, die einige Jahre
vor seiner Geburt die ganze Grafschaft Lancashire erschüttert hatten,
zweifellos sehr gut vertraut. Welcher Einfall auch immer dahinterstecken
mochte - der Junge überraschte die Ortsansässigen, als er über verschiedene
Nachbarn seltsame Geschichten zu erzählen begann, die stark darauf
hindeuteten, dass okkulte Aktivitäten im Spiel waren. Seinen Behauptungen
zufolge hatte er im Jahre 1633 zum Allerheiligenfest zwei Windhunde
getroffen und diese zu überreden versucht, einen Hasen zu jagen. Die Hunde
hätten sich geweigert, so erzählte er weiter, ihm zu gehorchen, und er habe
sie geschlagen, worauf sich die beiden Geschöpfe mit einemmal in zwei
menschliche Wesen verwandelt hätten. Eines davon sei ein kleiner Junge
gewesen, den er nicht gekannt habe, doch das andere Wesen habe er als eine
Frau namens Frances Dicconson identifiziert. Sie habe versucht, mit einem
Schilling sein Schweigen zu erkaufen, doch er, Edmund, habe das Geld
abgelehnt. Die Frau habe dann den unbekannten kleinen Jungen in ein weisses
Pferd verwandelt und Edmund veranlasst, darauf zu einem Hexensabbat an einer
Scheune in Hoarstones zu reiten.
Ermuntert von Richard Shuttleworth und John Starkie, zwei beklagenswert
leichtgläubigen Richtern, vor denen Edmund Robinson seine Geschichte
wiederholte, lieferte der Junge eine ausführliche Beschreibung des
Hexensabbats, dessen Zeuge er angeblich geworden war. Bei dieser
Zusammenkunft seien über sechzig Männer und Frauen gewesen; zu ihnen gehörte
ironischerweise auch Jannet Device, die als Kind mit ihrer Aussage in dem
Fall von 1612 mehrere vermeintliche Hexen an den Galgen gebracht hatte. Uber
dem Feuer sei Fleisch gekocht worden, man habe ihn eingeladen, von den
Speisen und Getränken zu kosten, doch habe er das Angebot nach einer kleinen
Kostprobe dankend abgelehnt. Die Versammelten hätten noch mehr Speisen
herangeschafft, indem sie an sechs von der Decke herabhängenden Seilen
gezogen hätten. Durch magisches „Melken” der Seile seien warmes Fleisch,
Milch und Butter von oben gekommen. Drei der Frauen hätten unterdessen
Dornen in drei Bildnisse gespiesst, womit sie offensichtlich die
dargestellten Personen hätten schädigen wollen. Dann sei er, ausser sich vor
Entsetzen, nach Hause gerannt:
... sah er sechs von ihnen niederknien und alle sechs an sechs verschiedenen
Seilen ziehen, die oben an der Scheune angehängt oder angebunden waren.
Alsbald kamen vor den Augen des Anzeigeerstatters dampfendes Fleisch, Butter
in Stücken und Milch herab, als flögen sie von besagten Seilen ... Und
während des mehrmaligen Ziehens machten sie die ganze Zeit solch garstige
Gesichter, die den Anzeigeerstatter so grausten, dass er froh war, hinaus
und nach Hause zu gelangen.
Die Richter, die sich noch gut an den Vorfall von 1612 erinnerten, liessen
über dreissig Personen verhaften und übergaben siebzehn von ihnen den
Lenten-Assisen in Lancaster, wo ihnen der Prozess gemacht werden sollte. Mit
einer Ausnahme beteuerten sie alle entschieden ihre Unschuld bezüglich der
Anklage; nur Margaret Johnson brach zusammen und gestand, dass sie
tatsächlich eine Hexe sei. Unter Zwang vonseiten des Gerichts erklärte sie,
wie sie ihre Seele an den Teufel, einen schwarzgekleideten Mann namens
Mamilion, als Lohn dafür verkauft habe, dass all ihre Wünsche in Erfüllung
gehen würden. Sie bestätigte, dass am fraglichen Tag in Hoarstones ein
Hexensabbat stattgefunden habe, bei dem sie allerdings nicht dabei gewesen
sei.
Margaret Johnsons Geständnis und dazu die Erinnerungen an das Jahr 1612
beeindruckten die Geschworenen tief, und die Angeklagte wurde für schuldig
erklärt. Was die anderen Verhafteten betraf, so war sich der Richter nicht
sicher, denn die Zusammenfassung der Aussage gegen die angeklagte Mary
Spencer beispielsweise ergab lediglich, dass die Frau einen Eimer am Hügel
hangabwärts hatte rollen lassen, vor ihm hergerannt war und gerufen hatte,
er solle ihr folgen. Wegen seiner Zweifel an Edmund Robinsons Aussage
verwies er die Angelegenheit an König und Kronrat. John Bridgeman, der
Bischof von Chester, wurde gebeten, einige der Inhaftierten zu befragen;
nach dem Verhör stimmte er dem Richter zu, dass die Anschuldigungen das
Produkt von Robinsons Phantasie sein mussten. Vier der Angeklagten - Frances
Dicconson, Jennet Hargreaves, Margaret Johnson und Mary Spencer - brachte
man nach London, wo sie von Dr. Harvey, dem königlichen Arzt bei Karl I.,
und anderen genauer befragt wurden. Diese Autoritäten schenkten den
Hexenmalen, die angeblich an den Körpern der Angeklagten gefunden worden
waren, keine weitere Beachtung, und entschieden ebenfalls, dass hier Betrug
im Spiele war. Karl I. persönlich verhörte Edmund Robinson und die vier
Verdächtigen und kam schnell zu dem Schluss, dass die Geschichte des Jungen
erlogen war.
Edmund Robinson gab schliesslich seinen Betrug zu und bestätigte, dass er
die Anschuldigungen auf der Grundlage dessen erfunden habe, was er über den
Prozess von 1612 wusste. Zur Zeit des angeblichen Hexensabbats habe er
Pflaumen gepflückt. Sein einziges Motiv sei der Wunsch gewesen, Unheil zu
stiften. Andere jedoch argwöhnten, dass ihn irgendwelche Feinde der
Angeklagten dazu angestiftet hatten und wiesen darauf hin, dass Edmund
Robinsons Vater mit Frances Dicconson wegen des Verkaufs einer Kuh im Streit
lag. Wie andere minderjährige Kläger, mag vielleicht auch der Junge von der
Gelegenheit, ein wenig lokale Berühmtheit zu geniessen, verlockt worden
sein: Es schien ihn auch wirklich zu befriedigen, von einer Pfarrgemeinde
nach der anderen gebeten zu werden, die Hexen zu identifizieren, die
angeblich an dem berüchtigten Sabbat teilgenommen hatten - und für jede
angegebene Verdächtige eine Belohnung zu kassieren -, was mit der Entdeckung
der Täuschung allerdings ein Ende hatte.
Was immer die Gründe für Edmund Robinsons Falschaussage gewesen sein mögen -
die Folgen, die sich daraus ergaben, waren bedauerlich. Obwohl die
Angeklagten als unbescholten freigelassen wurden, überlebten nicht alle
diesen Vorfall. Drei der als Hexen bezichtigten Personen - ein Mann und zwei
Frauen - starben im Gefängnis, bevor der Fall aufgeklärt wurde.
Über Edmund Robinsons weiteres Leben nach der Aufdeckung des Schwindels ist
nichts bekannt. |