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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Robinson, Edmund geb. 1624

Junger Engländer, dessen detaillierte Anschuldigungen 1634, rund zwanzig Jahre nach dem Prozess gegen die ursprünglichen Hexen von Pendle, zu einem zweiten Ausbruch des Hexenwahns in der Gegend um den Pendle Forest, Lancashire, führten. Der erste Fall von Pendle hatte sich hauptsächlich auf die Aussage eines Mädchens gestützt, das damals noch lange nicht das vierzehnte Lebensjahr erreicht hatte - das Mindestalter, das eine noch nicht volljährige Person haben musste, um vor Gericht aussagen zu dürfen. Auch bei diesem neuen Fall stammten die Bezichtigungen von einem Minderjährigen, dem zehnjährigen Edmund Robinson. Diesmal allerdings zeigte sich der Richter der Assisen von Lancaster strenger, als es um die Anerkennung der Aussage eines Zeugen ging, der ja noch ein Kind war.
Edmund Robinson war der Sohn eines Maurers, der im Pendle Forest lebte und arbeitete. Er war daher mit den berüchtigten Ereignissen, die einige Jahre vor seiner Geburt die ganze Grafschaft Lancashire erschüttert hatten, zweifellos sehr gut vertraut. Welcher Einfall auch immer dahinterstecken mochte - der Junge überraschte die Ortsansässigen, als er über verschiedene Nachbarn seltsame Geschichten zu erzählen begann, die stark darauf hindeuteten, dass okkulte Aktivitäten im Spiel waren. Seinen Behauptungen zufolge hatte er im Jahre 1633 zum Allerheiligenfest zwei Windhunde getroffen und diese zu überreden versucht, einen Hasen zu jagen. Die Hunde hätten sich geweigert, so erzählte er weiter, ihm zu gehorchen, und er habe sie geschlagen, worauf sich die beiden Geschöpfe mit einemmal in zwei menschliche Wesen verwandelt hätten. Eines davon sei ein kleiner Junge gewesen, den er nicht gekannt habe, doch das andere Wesen habe er als eine Frau namens Frances Dicconson identifiziert. Sie habe versucht, mit einem Schilling sein Schweigen zu erkaufen, doch er, Edmund, habe das Geld abgelehnt. Die Frau habe dann den unbekannten kleinen Jungen in ein weisses Pferd verwandelt und Edmund veranlasst, darauf zu einem Hexensabbat an einer Scheune in Hoarstones zu reiten.
Ermuntert von Richard Shuttleworth und John Starkie, zwei beklagenswert leichtgläubigen Richtern, vor denen Edmund Robinson seine Geschichte wiederholte, lieferte der Junge eine ausführliche Beschreibung des Hexensabbats, dessen Zeuge er angeblich geworden war. Bei dieser Zusammenkunft seien über sechzig Männer und Frauen gewesen; zu ihnen gehörte ironischerweise auch Jannet Device, die als Kind mit ihrer Aussage in dem Fall von 1612 mehrere vermeintliche Hexen an den Galgen gebracht hatte. Uber dem Feuer sei Fleisch gekocht worden, man habe ihn eingeladen, von den Speisen und Getränken zu kosten, doch habe er das Angebot nach einer kleinen Kostprobe dankend abgelehnt. Die Versammelten hätten noch mehr Speisen herangeschafft, indem sie an sechs von der Decke herabhängenden Seilen gezogen hätten. Durch magisches „Melken” der Seile seien warmes Fleisch, Milch und Butter von oben gekommen. Drei der Frauen hätten unterdessen Dornen in drei Bildnisse gespiesst, womit sie offensichtlich die dargestellten Personen hätten schädigen wollen. Dann sei er, ausser sich vor Entsetzen, nach Hause gerannt:
... sah er sechs von ihnen niederknien und alle sechs an sechs verschiedenen Seilen ziehen, die oben an der Scheune angehängt oder angebunden waren. Alsbald kamen vor den Augen des Anzeigeerstatters dampfendes Fleisch, Butter in Stücken und Milch herab, als flögen sie von besagten Seilen ... Und während des mehrmaligen Ziehens machten sie die ganze Zeit solch garstige Gesichter, die den Anzeigeerstatter so grausten, dass er froh war, hinaus und nach Hause zu gelangen.
Die Richter, die sich noch gut an den Vorfall von 1612 erinnerten, liessen über dreissig Personen verhaften und übergaben siebzehn von ihnen den Lenten-Assisen in Lancaster, wo ihnen der Prozess gemacht werden sollte. Mit einer Ausnahme beteuerten sie alle entschieden ihre Unschuld bezüglich der Anklage; nur Margaret Johnson brach zusammen und gestand, dass sie tatsächlich eine Hexe sei. Unter Zwang vonseiten des Gerichts erklärte sie, wie sie ihre Seele an den Teufel, einen schwarzgekleideten Mann namens Mamilion, als Lohn dafür verkauft habe, dass all ihre Wünsche in Erfüllung gehen würden. Sie bestätigte, dass am fraglichen Tag in Hoarstones ein Hexensabbat stattgefunden habe, bei dem sie allerdings nicht dabei gewesen sei.
Margaret Johnsons Geständnis und dazu die Erinnerungen an das Jahr 1612 beeindruckten die Geschworenen tief, und die Angeklagte wurde für schuldig erklärt. Was die anderen Verhafteten betraf, so war sich der Richter nicht sicher, denn die Zusammenfassung der Aussage gegen die angeklagte Mary Spencer beispielsweise ergab lediglich, dass die Frau einen Eimer am Hügel hangabwärts hatte rollen lassen, vor ihm hergerannt war und gerufen hatte, er solle ihr folgen. Wegen seiner Zweifel an Edmund Robinsons Aussage verwies er die Angelegenheit an König und Kronrat. John Bridgeman, der Bischof von Chester, wurde gebeten, einige der Inhaftierten zu befragen; nach dem Verhör stimmte er dem Richter zu, dass die Anschuldigungen das Produkt von Robinsons Phantasie sein mussten. Vier der Angeklagten - Frances Dicconson, Jennet Hargreaves, Margaret Johnson und Mary Spencer - brachte man nach London, wo sie von Dr. Harvey, dem königlichen Arzt bei Karl I., und anderen genauer befragt wurden. Diese Autoritäten schenkten den Hexenmalen, die angeblich an den Körpern der Angeklagten gefunden worden waren, keine weitere Beachtung, und entschieden ebenfalls, dass hier Betrug im Spiele war. Karl I. persönlich verhörte Edmund Robinson und die vier Verdächtigen und kam schnell zu dem Schluss, dass die Geschichte des Jungen erlogen war.
Edmund Robinson gab schliesslich seinen Betrug zu und bestätigte, dass er die Anschuldigungen auf der Grundlage dessen erfunden habe, was er über den Prozess von 1612 wusste. Zur Zeit des angeblichen Hexensabbats habe er Pflaumen gepflückt. Sein einziges Motiv sei der Wunsch gewesen, Unheil zu stiften. Andere jedoch argwöhnten, dass ihn irgendwelche Feinde der Angeklagten dazu angestiftet hatten und wiesen darauf hin, dass Edmund Robinsons Vater mit Frances Dicconson wegen des Verkaufs einer Kuh im Streit lag. Wie andere minderjährige Kläger, mag vielleicht auch der Junge von der Gelegenheit, ein wenig lokale Berühmtheit zu geniessen, verlockt worden sein: Es schien ihn auch wirklich zu befriedigen, von einer Pfarrgemeinde nach der anderen gebeten zu werden, die Hexen zu identifizieren, die angeblich an dem berüchtigten Sabbat teilgenommen hatten - und für jede angegebene Verdächtige eine Belohnung zu kassieren -, was mit der Entdeckung der Täuschung allerdings ein Ende hatte.
Was immer die Gründe für Edmund Robinsons Falschaussage gewesen sein mögen - die Folgen, die sich daraus ergaben, waren bedauerlich. Obwohl die Angeklagten als unbescholten freigelassen wurden, überlebten nicht alle diesen Vorfall. Drei der als Hexen bezichtigten Personen - ein Mann und zwei Frauen - starben im Gefängnis, bevor der Fall aufgeklärt wurde.
Über Edmund Robinsons weiteres Leben nach der Aufdeckung des Schwindels ist nichts bekannt.

 

 

 

 

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