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Deutsche Nonne, die eines
der letzten Opfer des Hexenwahns in Deutschland werden sollte. Die
neunundsechzigjährige Schwester Maria Renata Sänger von Mossau hatte dem
Kloster Unterzoll bei Würzburg bereits mehr als fünfzig Jahre - zuletzt als
Subpriorin - gedient, als sie von einigen Nonnen der Hexerei bezichtigt
wurde.
Die Sache begann 1745, als Schwester Maria Einspruch gegen die Aufnahme der
an Krämpfen und Halluzinationen leidenden Cecilia Pistorini in den Kreis der
Nonnen erhob. Trotz dieser Bedenken wurde Cecilia Pistorini als Nonne
bestätigt, doch die anderen Klosterschwestern begannen nun unverkennbare
Symptome dämonischer Besessenheit zu zeigen; sie weinten während der
Gottesdienste, wurden von Krämpfen befallen und hatten Schaum vor dein Mund.
Eine der Nonnen klagte auf dem Totenbett Schwester Maria an, sie behext zu
haben. Die Kunde von dieser Angelegenheit drang über die Mauern des Klosters
hinaus, und es wurde eine Untersuchung eingeleitet. Pater Oswald Loschert,
Abt des Klosters Oberzell, stellte Beweismaterial gegen Schwester Maria
zusammen und stellte fest, dass der Teufel schon einen Anspruch auf sie
gehabt habe, als sie „noch im Mutterleib” lag, und dass sie „seine Sklavin
und ein verfluchtes Ding” sei.
Gebete und Teufelsaustreibungen verschlimmerten den Zustand der betroffenen
Nonnen nur noch. Pater Loschert hielt Schwester Marias Schuld für erwiesen
und nannte sie eine „widerliche Hexe, die ihre Zaubereien unter der frommen
Tracht verbirgt”. Schwester Maria beteuerte ihre Unschuld, wurde aber unter
strenger Haft gehalten. Bei einer Durchsuchung ihrer Zelle fand man
verschiedene verdächtige Kräuter und Salben sowie ein gelbes Gewand, das sie
angeblich bei ihren Hexensabbaten trug. Aufgrund dieser Beweisstücke und mit
Unterstützung der Universität Würzburg wurde Schwester Maria zu einem
Schuldgeständnis gezwungen.
Ihrer eigenen Aussage zufolge war Schwester Maria von einem Grenadier, den
sie in Wien getroffen hatte, in die Hexenkunst eingeführt worden. Dieser
Grenadier habe ihr die Grundlagen der schwarzen Magie beigebracht und sie
dann nach Prag mitgenommen, wo sie Satan persönlich habe kennenlernen
sollen. Sie habe ihren christlichen Glauben verleugnet und im Alter von
vierzehn Jahren einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, der ihr den Namen
Erna gegeben habe. Später habe sie mit verschiedenen Dämonen
Geschlechtsverkehr gehabt, ehe sie das Studium der Hexenkunst ernstlich in
Angriff genommen habe. Mit neunzehn Jahren sei sie auf Satans ausdrückliche
Weisung ins Kloster eingetreten - ein Schritt, der Teil eines Komplotts zu
dessen Zerstörung gewesen sei -, und er habe sie in ihrer Zelle weiterhin
jeden Montag besucht, um mit ihr zu buhlen, wobei er ihr „schreckliche und
stärkste Pein” bereitet habe. Sie habe auch die Bestimmung aus-genutzt, nach
der jede Nonne eine Katze besitzen durfte, indem sie Hausgeister in Gestalt
von Katzen gehalten habe, die allerdings sprechen konnten.
Schwester Maria gestand unter anderem ein, fast jede Nacht auf einem Besen
und angetan mit dem gelben Kleid, das ihre Befrager gefunden hatten, zu den
Hexensabbaten nach Würzburg geflogen zu sein. Zu ihren Verbrechen habe
gehört, dass sie gewissen Feinden Krankheiten gebracht, sechs Nonnen von
Teufeln besessen gemacht und die Hostie nicht weniger als siebenmal
geschändet zu haben, die sie mit Nägeln durchstochen habe, worauf aus den
Einstichstellen klares Wasser geflossen sei. Bezüglich des zuletzt genannten
Vergehens musste sie den Befragern schildern, wie sie die Hostie unbemerkt
habe stehlen können, und sie beschrieb, wie sie sich eine Schnittwunde
beigebracht und die Hostie darin verborgen hatte; sie konnte sogar die
Narben davon zeigen. Aufgefordert von ihren Befragern, gab Schwester Maria
einen ausführlichen Bericht über die Hexensabbate, an denen sie angeblich
teilgenommen hatte. Sie habe sich, so erzählte sie, in einem tiefen Wald
oder auf einer grossen Wiese mit anderen Hexen getroffen, wo sie zusammen
dem Teufel gehuldigt, geschmaust und getanzt hätten.
Trotz des Umstandes, dass der Hexenwahn in den deutschen Staaten in den
vierziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts schliesslich nachgelassen
hatte, war Schwester Marias Geständnis mehr als hinreichend, und man befand
sie in dreizehn Anklagepunkten bezüglich Zauberei, Häresie und des Abfalls
vom rechten Glauben für schuldig. Sie wurde aus dem Orden entlassen und zum
Tode verurteilt. Am 17. Juni 1749 wurde die Verurteilte nach Marienberg
gebracht und vorn Scharfrichter enthauptet. Ihre Leiche verbrannte man auf
einem Scheiterhaufen aus Teerfässern und Holz zu Asche, während einer der
Jesuitenpriester, die sie zur Hinrichtung begleitet hatten, eine Predigt
vortrug, in der er Schwester Marias Verbrechen aufzählte.
Einhundert Jahre zuvor hätte die Entdeckung Schwester Maria Renatas
zweifellos zu weiteren Prozessen und einem mächtigen Auflodern der
Hexenpanik geführt. Zu diesem späten Zeitpunkt entfachte die Nachricht von
der Hinrichtung statt dessen einen bemerkenswerten Meinungsstreit, und es
gab keine weiteren Denunziationen und Verhaftungen. |