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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Renata, Schwester Maria gest. 1749

Deutsche Nonne, die eines der letzten Opfer des Hexenwahns in Deutschland werden sollte. Die neunundsechzigjährige Schwester Maria Renata Sänger von Mossau hatte dem Kloster Unterzoll bei Würzburg bereits mehr als fünfzig Jahre - zuletzt als Subpriorin - gedient, als sie von einigen Nonnen der Hexerei bezichtigt wurde.
Die Sache begann 1745, als Schwester Maria Einspruch gegen die Aufnahme der an Krämpfen und Halluzinationen leidenden Cecilia Pistorini in den Kreis der Nonnen erhob. Trotz dieser Bedenken wurde Cecilia Pistorini als Nonne bestätigt, doch die anderen Klosterschwestern begannen nun unverkennbare Symptome dämonischer Besessenheit zu zeigen; sie weinten während der Gottesdienste, wurden von Krämpfen befallen und hatten Schaum vor dein Mund. Eine der Nonnen klagte auf dem Totenbett Schwester Maria an, sie behext zu haben. Die Kunde von dieser Angelegenheit drang über die Mauern des Klosters hinaus, und es wurde eine Untersuchung eingeleitet. Pater Oswald Loschert, Abt des Klosters Oberzell, stellte Beweismaterial gegen Schwester Maria zusammen und stellte fest, dass der Teufel schon einen Anspruch auf sie gehabt habe, als sie „noch im Mutterleib” lag, und dass sie „seine Sklavin und ein verfluchtes Ding” sei.
Gebete und Teufelsaustreibungen verschlimmerten den Zustand der betroffenen Nonnen nur noch. Pater Loschert hielt Schwester Marias Schuld für erwiesen und nannte sie eine „widerliche Hexe, die ihre Zaubereien unter der frommen Tracht verbirgt”. Schwester Maria beteuerte ihre Unschuld, wurde aber unter strenger Haft gehalten. Bei einer Durchsuchung ihrer Zelle fand man verschiedene verdächtige Kräuter und Salben sowie ein gelbes Gewand, das sie angeblich bei ihren Hexensabbaten trug. Aufgrund dieser Beweisstücke und mit Unterstützung der Universität Würzburg wurde Schwester Maria zu einem Schuldgeständnis gezwungen.
Ihrer eigenen Aussage zufolge war Schwester Maria von einem Grenadier, den sie in Wien getroffen hatte, in die Hexenkunst eingeführt worden. Dieser Grenadier habe ihr die Grundlagen der schwarzen Magie beigebracht und sie dann nach Prag mitgenommen, wo sie Satan persönlich habe kennenlernen sollen. Sie habe ihren christlichen Glauben verleugnet und im Alter von vierzehn Jahren einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, der ihr den Namen Erna gegeben habe. Später habe sie mit verschiedenen Dämonen Geschlechtsverkehr gehabt, ehe sie das Studium der Hexenkunst ernstlich in Angriff genommen habe. Mit neunzehn Jahren sei sie auf Satans ausdrückliche Weisung ins Kloster eingetreten - ein Schritt, der Teil eines Komplotts zu dessen Zerstörung gewesen sei -, und er habe sie in ihrer Zelle weiterhin jeden Montag besucht, um mit ihr zu buhlen, wobei er ihr „schreckliche und stärkste Pein” bereitet habe. Sie habe auch die Bestimmung aus-genutzt, nach der jede Nonne eine Katze besitzen durfte, indem sie Hausgeister in Gestalt von Katzen gehalten habe, die allerdings sprechen konnten.
Schwester Maria gestand unter anderem ein, fast jede Nacht auf einem Besen und angetan mit dem gelben Kleid, das ihre Befrager gefunden hatten, zu den Hexensabbaten nach Würzburg geflogen zu sein. Zu ihren Verbrechen habe gehört, dass sie gewissen Feinden Krankheiten gebracht, sechs Nonnen von Teufeln besessen gemacht und die Hostie nicht weniger als siebenmal geschändet zu haben, die sie mit Nägeln durchstochen habe, worauf aus den Einstichstellen klares Wasser geflossen sei. Bezüglich des zuletzt genannten Vergehens musste sie den Befragern schildern, wie sie die Hostie unbemerkt habe stehlen können, und sie beschrieb, wie sie sich eine Schnittwunde beigebracht und die Hostie darin verborgen hatte; sie konnte sogar die Narben davon zeigen. Aufgefordert von ihren Befragern, gab Schwester Maria einen ausführlichen Bericht über die Hexensabbate, an denen sie angeblich teilgenommen hatte. Sie habe sich, so erzählte sie, in einem tiefen Wald oder auf einer grossen Wiese mit anderen Hexen getroffen, wo sie zusammen dem Teufel gehuldigt, geschmaust und getanzt hätten.
Trotz des Umstandes, dass der Hexenwahn in den deutschen Staaten in den vierziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts schliesslich nachgelassen hatte, war Schwester Marias Geständnis mehr als hinreichend, und man befand sie in dreizehn Anklagepunkten bezüglich Zauberei, Häresie und des Abfalls vom rechten Glauben für schuldig. Sie wurde aus dem Orden entlassen und zum Tode verurteilt. Am 17. Juni 1749 wurde die Verurteilte nach Marienberg gebracht und vorn Scharfrichter enthauptet. Ihre Leiche verbrannte man auf einem Scheiterhaufen aus Teerfässern und Holz zu Asche, während einer der Jesuitenpriester, die sie zur Hinrichtung begleitet hatten, eine Predigt vortrug, in der er Schwester Marias Verbrechen aufzählte.
Einhundert Jahre zuvor hätte die Entdeckung Schwester Maria Renatas zweifellos zu weiteren Prozessen und einem mächtigen Auflodern der Hexenpanik geführt. Zu diesem späten Zeitpunkt entfachte die Nachricht von der Hinrichtung statt dessen einen bemerkenswerten Meinungsstreit, und es gab keine weiteren Denunziationen und Verhaftungen.

 

 

 

 

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