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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Rais, Gilles de 1404-1440

Französischer Soldat und Aristokrat, der während der Herrschaft Karls VII. wegen seiner Beschäftigung mit der schwarzen Magie einen schlechten Ruf hatte. Gilles de Laval, Baron von Rais, der auf der Höhe seiner Macht der reichste Adlige in Europa war, diente als Marschall von Frankreich und kämpfte zusammen mit Johanna von Orleans an verschiedenen Orten, ehe er 1432 aus dem Militärdienst ausschied und sich auf seinem Besitz in Tiffauges in der Bretagne niederliess. Obgleich man ihn auch als Kenner der Musik und des Theaters bewunderte, festigte er in der Folgezeit seinen Ruf als Alchimist. Er lud berühmte Scharlatane auf sein Schloss ein, und über die geheimnisvollen Zeremonien, die diese Männer angeblich abhielten, begannen dunkle Gerüchte umzugehen, die von Kindesopferungen und anderen Übel sprachen - Gerüchte, die wahrscheinlich von der Kirche und der Inquisition angeheizt wurden, die den Reichtum des Aristokraten erben würden, wenn sich Gründe für eine Konfiszierung fänden.
Gilles Verderben begann schliesslich 1440, als er auf Weisung des Bischofs von Nantes, Jean de Malestroit, wegen einer relativ unbedeutenden Anschuldigung verhaftet wurde. Jean le Ferron, der Bruder des bretonischen Schatzmeisters, war auf Befehl Gilles geschlagen und eingesperrt worden. Die Tatsache, dass der Geschädigte ein Geistlicher war, lieferte dem Bischof jedoch den Vorwand, den er brauchte, um den insgeheim schon geplanten Prozess zu eröffnen. Zur gleichen Zeit begann eine entsprechende Aktion beim Zivilgerichtshof. Die Vorwürfe häuften sich schnell, und so stand der Adlige, dem man zuvor nur die Misshandlung des Jean le Ferron vorgeworfen hatte, unter der Anklage, bei seinen okkulten Handlungen mehr als einhundertvierzig Kinder ermordet zu haben.
Die gegen Gilles vorgebrachten Beweise stellten ihn als ein pervertiertes Ungeheuer dar, das alle Arten von Obszönitäten und Grausamkeiten an seinen Opfern begangen hatte, ehe sie starben. Neben dem Kindesmord verdächtigte man Gilles der Häresie, der Abtrünnigkeit vom rechten Glauben, der Dämonenbeschwörung, der Sodomie, der Kirchenschändung und des Besitzes verschiedener verbotener Bücher über die schwarzen Künste. Der formalen Anklage zufolge „betete er Geister an und brachte ihnen Opfer dar, beschwor sie und brachte andere dazu, sie zu beschwören, wollte einen Pakt mit besagten bösen Geistern schliessen und mit deren Hilfe Wissen, Macht und Reichtümer haben und erlangen”. Die Anklage bezüglich der Kinder war über alle Massen entsetzlich; sie warf dem Verhafteten vor, er habe eine grosse Zahl Jungen und Mädchen „unmenschlich abgeschlachtet, getötet, zerstückelt, verbrannt und anderweitig gequält” und „mit kleinen Jungen gewissenlos die Sünde der Sodomie begangen und widernatürlichen Gelüsten nach kleinen Mädchen nachgegeben, wobei er die natürliche Art und Weise der Kopulation verschmähte, während die unschuldigen Jungen und Mädchen lebendig oder manchmal tot waren oder gar im Todeskampf lagen".
Gilles war in seinen Exzessen angeblich von Francesco Prelati, einem Geistlichen und Magier aus Florenz, unterstützt und angestiftet worden. Prelati sollte einen Dämon namens Baron beschworen haben, der den beiden Männern angeblich versprach, ihnen das Geheimnis des Goldmachens zu enthüllen, wenn sie ihm zu Ehren scheussliche Riten und Zeremonien abhielten. Dieses Versprechen reizte Gilles, dessen extravaganter Lebensstil seinen einst riesigen Reichtum merklich verringert hatte. Auf Anweisung des Dämons liess Gilles seine Beauftragten - Gilles de Sille, einen Cousin von ihm, einen verarmten Aristokrat mit Namen Roger de Briqueville, Etienette Blanchu und eine Frau mit dein Spitznamen „La Meffraye” - angeblich eine Unzahl Kinder entführen. Die Kinder wurden dann sexuell missbraucht, sadistisch verstümmelt und schliesslich ermordet, wobei man ihnen in den meisten Fällen die Kehle durchschnitt.
Der angeklagte Aristokrat begegnete den Richtern, vor denen er nun stand, zunächst mit Verachtung, doch sein Selbstvertrauen wurde erschüttert, als seine Gefährten Prelati, La Meffraye und die Blanchu unter der Folter dazu gezwungen wurden, ausführlich über die Vorgänge auf Schloss Tiffauges zu berichten. Gilles selbst legte später unter der Folter ein umfassendes Geständnis seiner Verbrechen ab, wobei er die Taten bedauerte und die Eltern seiner Opfer uni Vergebung bat. Das Grauen der Verbrechen, die er vor Gericht schilderte, war so gross, dass die Richter befahlen, das Kruzifix an der Wand des Gerichtssaales zu verhängen. Die Komplizen des Aristokraten bezeugten, dass Gilles in ihrer Gegenwart die Köpfe der Kinder abgetrennt und sie, seine Mittäter, dann gefragt habe, welchen sie für den schönsten hielten.
Der Bischof von Nantes drückte seine Hoffnung aus, dass der Gefangene durch Gebete erlöst werden könne, doch die Todesstrafe für ihn war unumgänglich. Zusammen mit zwei seiner Komplizen wurde der Verurteilte am 29.Oktober 1440 erdrosselt, während ein Chor Gebete für seine Erlösung sang. Die drei Hingerichteten wurden dann auf einen Scheiterhaufen gelegt, doch Gilles Verwandte erhielten die Erlaubnis, die Leiche mitzunehmen, noch ehe die Flammen sie erreicht hatten, und die sterblichen Oberreste Gilles de Rais' wurden in einer nahen Kirche beerdigt. Als Belohnung für ihre Aussagen wurden Prelati, die Blanchu und La Meffraye nach einer kurzen Gefängnisstrafe freigelassen.
Wie viel von der Geschichte Gilles de Rais' den Tatsachen entsprach und wie viel davon der Legende zugeschrieben werden muss, ist umstritten. Die höchst vorschriftswidrige Durchführung des Prozesses, bei dem als Beweismaterial viel Klatsch und Tratsch, nicht aber die Aussagen der Diener des Aristokraten zugelassen wurden, deutet darauf hin, dass die meisten, wenn nicht gar alle gegen Gilles vorgebrachten Anklagepunkte Erfindungen jener waren, die sich den Reichtum des Mannes aneignen wollten. Ungeachtet dessen, ob es gerechtfertigt ist, wird die Hauptfigur Gilles de Rais seitdem häufig mit der in der Volksphantasie existierenden mörderischen Gestalt des Ritters Blaubart, einer Schöpfung alter bretonischer Legenden, verwechselt.

 

 

 

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