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Französischer Soldat und
Aristokrat, der während der Herrschaft Karls VII. wegen seiner Beschäftigung
mit der schwarzen Magie einen schlechten Ruf hatte. Gilles de Laval, Baron
von Rais, der auf der Höhe seiner Macht der reichste Adlige in Europa war,
diente als Marschall von Frankreich und kämpfte zusammen mit Johanna von
Orleans an verschiedenen Orten, ehe er 1432 aus dem Militärdienst ausschied
und sich auf seinem Besitz in Tiffauges in der Bretagne niederliess.
Obgleich man ihn auch als Kenner der Musik und des Theaters bewunderte,
festigte er in der Folgezeit seinen Ruf als Alchimist. Er lud berühmte
Scharlatane auf sein Schloss ein, und über die geheimnisvollen Zeremonien,
die diese Männer angeblich abhielten, begannen dunkle Gerüchte umzugehen,
die von Kindesopferungen und anderen Übel sprachen - Gerüchte, die
wahrscheinlich von der Kirche und der Inquisition angeheizt wurden, die den
Reichtum des Aristokraten erben würden, wenn sich Gründe für eine
Konfiszierung fänden.
Gilles Verderben begann schliesslich 1440, als er auf Weisung des Bischofs
von Nantes, Jean de Malestroit, wegen einer relativ unbedeutenden
Anschuldigung verhaftet wurde. Jean le Ferron, der Bruder des bretonischen
Schatzmeisters, war auf Befehl Gilles geschlagen und eingesperrt worden. Die
Tatsache, dass der Geschädigte ein Geistlicher war, lieferte dem Bischof
jedoch den Vorwand, den er brauchte, um den insgeheim schon geplanten
Prozess zu eröffnen. Zur gleichen Zeit begann eine entsprechende Aktion beim
Zivilgerichtshof. Die Vorwürfe häuften sich schnell, und so stand der
Adlige, dem man zuvor nur die Misshandlung des Jean le Ferron vorgeworfen
hatte, unter der Anklage, bei seinen okkulten Handlungen mehr als
einhundertvierzig Kinder ermordet zu haben.
Die gegen Gilles vorgebrachten Beweise stellten ihn als ein pervertiertes
Ungeheuer dar, das alle Arten von Obszönitäten und Grausamkeiten an seinen
Opfern begangen hatte, ehe sie starben. Neben dem Kindesmord verdächtigte
man Gilles der Häresie, der Abtrünnigkeit vom rechten Glauben, der
Dämonenbeschwörung, der Sodomie, der Kirchenschändung und des Besitzes
verschiedener verbotener Bücher über die schwarzen Künste. Der formalen
Anklage zufolge „betete er Geister an und brachte ihnen Opfer dar, beschwor
sie und brachte andere dazu, sie zu beschwören, wollte einen Pakt mit
besagten bösen Geistern schliessen und mit deren Hilfe Wissen, Macht und
Reichtümer haben und erlangen”. Die Anklage bezüglich der Kinder war über
alle Massen entsetzlich; sie warf dem Verhafteten vor, er habe eine grosse
Zahl Jungen und Mädchen „unmenschlich abgeschlachtet, getötet, zerstückelt,
verbrannt und anderweitig gequält” und „mit kleinen Jungen gewissenlos die
Sünde der Sodomie begangen und widernatürlichen Gelüsten nach kleinen
Mädchen nachgegeben, wobei er die natürliche Art und Weise der Kopulation
verschmähte, während die unschuldigen Jungen und Mädchen lebendig oder
manchmal tot waren oder gar im Todeskampf lagen".
Gilles war in seinen Exzessen angeblich von Francesco Prelati, einem
Geistlichen und Magier aus Florenz, unterstützt und angestiftet worden.
Prelati sollte einen Dämon namens Baron beschworen haben, der den beiden
Männern angeblich versprach, ihnen das Geheimnis des Goldmachens zu
enthüllen, wenn sie ihm zu Ehren scheussliche Riten und Zeremonien
abhielten. Dieses Versprechen reizte Gilles, dessen extravaganter Lebensstil
seinen einst riesigen Reichtum merklich verringert hatte. Auf Anweisung des
Dämons liess Gilles seine Beauftragten - Gilles de Sille, einen Cousin von
ihm, einen verarmten Aristokrat mit Namen Roger de Briqueville, Etienette
Blanchu und eine Frau mit dein Spitznamen „La Meffraye” - angeblich eine
Unzahl Kinder entführen. Die Kinder wurden dann sexuell missbraucht,
sadistisch verstümmelt und schliesslich ermordet, wobei man ihnen in den
meisten Fällen die Kehle durchschnitt.
Der angeklagte Aristokrat begegnete den Richtern, vor denen er nun stand,
zunächst mit Verachtung, doch sein Selbstvertrauen wurde erschüttert, als
seine Gefährten Prelati, La Meffraye und die Blanchu unter der Folter dazu
gezwungen wurden, ausführlich über die Vorgänge auf Schloss Tiffauges zu
berichten. Gilles selbst legte später unter der Folter ein umfassendes
Geständnis seiner Verbrechen ab, wobei er die Taten bedauerte und die Eltern
seiner Opfer uni Vergebung bat. Das Grauen der Verbrechen, die er vor
Gericht schilderte, war so gross, dass die Richter befahlen, das Kruzifix an
der Wand des Gerichtssaales zu verhängen. Die Komplizen des Aristokraten
bezeugten, dass Gilles in ihrer Gegenwart die Köpfe der Kinder abgetrennt
und sie, seine Mittäter, dann gefragt habe, welchen sie für den schönsten
hielten.
Der Bischof von Nantes drückte seine Hoffnung aus, dass der Gefangene durch
Gebete erlöst werden könne, doch die Todesstrafe für ihn war unumgänglich.
Zusammen mit zwei seiner Komplizen wurde der Verurteilte am 29.Oktober 1440
erdrosselt, während ein Chor Gebete für seine Erlösung sang. Die drei
Hingerichteten wurden dann auf einen Scheiterhaufen gelegt, doch Gilles
Verwandte erhielten die Erlaubnis, die Leiche mitzunehmen, noch ehe die
Flammen sie erreicht hatten, und die sterblichen Oberreste Gilles de Rais'
wurden in einer nahen Kirche beerdigt. Als Belohnung für ihre Aussagen
wurden Prelati, die Blanchu und La Meffraye nach einer kurzen
Gefängnisstrafe freigelassen.
Wie viel von der Geschichte Gilles de Rais' den Tatsachen entsprach und wie
viel davon der Legende zugeschrieben werden muss, ist umstritten. Die höchst
vorschriftswidrige Durchführung des Prozesses, bei dem als Beweismaterial
viel Klatsch und Tratsch, nicht aber die Aussagen der Diener des
Aristokraten zugelassen wurden, deutet darauf hin, dass die meisten, wenn
nicht gar alle gegen Gilles vorgebrachten Anklagepunkte Erfindungen jener
waren, die sich den Reichtum des Mannes aneignen wollten. Ungeachtet dessen,
ob es gerechtfertigt ist, wird die Hauptfigur Gilles de Rais seitdem häufig
mit der in der Volksphantasie existierenden mörderischen Gestalt des Ritters
Blaubart, einer Schöpfung alter bretonischer Legenden, verwechselt. |