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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Pakt mit dem Teufel

Die Vorstellung, dass Hexen einen Pakt mit dem Teufel schlossen und ihm ihre Seele versprachen, damit er ihnen magische Kräfte verlieh, stand im Mittelpunkt der Hexenmythologie und war auch die Grundlage zahlloser Prozesse.
Die Idee vorn Teufelspakt wurde im frühen dreizehnten Jahrhundert von der Inquisition eifrig verbreitet, denn das Glaubensgericht war daran interessiert, Hexerei als Häresie einordnen zu lassen und damit in ihren eigenen Wirkungs- und Einflussbereich zu bringen. Die Hexen, so wurde festgestellt, erhielten ihre Macht ,durch einen Handel mit dem Satan, dem Erzfeind Gottes; sie mussten sich dazu notwendigerweise von ihrem christlichen Glauben lossagen und waren deshalb Ketzer. Dazu wurde die Autorität der Bibel ins Feld geführt, in der es bei Jesaja heisst: „Ihr habt besagt: Wir haben mit dem Tod ein Bündnis ` beschlossen, wir haben mit der Unterwelt einen Vertrag gemacht.” Auch alte Erzählungen ,fron Teufelsbündnissen, die etwa im neunten Jahrhundert von byzantinischen Quellen in die, westliche Tradition übernommen worden waren, führte man als Beispiele für solche Verträge an, die es verdienten, der Häresie zugeordnet zu werden.
Ganz gleich, welche Maleficia eine Hexe ihren vom Satan verliehenen magischen Kräften begangen hatte - der Pakt selbst war in den Augen vieler katholischer und protestantischer Gerichte auf dem europäischen Kontinent das grundlegende Verbrechen. Vielleicht hatte eine Hexe damals Schaden durch Magie angerichtet, vielleicht war die Schädigung von Mensch und Tier durch Zauberei und Hexerei auch unmöglich. Wenn eine Hexe aber solch einen Pakt mit dem Teufel besiegelt hatte oder einfach nur glaubte, das getan zu haben, dann war ihr Leben in der Regel verwirkt. Strengeren Ansichten zufolge tat es auch nichts zur Sache, ob die betreffende Person sich ausschliesslich mit weisser Hexerei beschäftigte: Besass sie dämonische Kräfte, dann musste sie einen Handel mit dem Teufel eingegangen sein und war schuldig.
Während der Verhöre und unter der Folter wurden die Verdächtigen routinemässig nach den näheren Umständen befragt, mit denen der Abschluss ihres vermeintlichen Teufelspakts einhergegangen sei. Es gab einige Gerichte, die das Teufelsbündnis unabhängig von einem Bekenntnis voraussetzten, wenn die Beweise für die aus dem Pakt folgenden magischen Kräfte der Verdächtigen zwingend genug waren. So konnte es nicht ausbleiben, dass Hunderte angeblicher Hexen und Hexenmeister ihren Häschern alle gewünschten Informationen lieferten und damit den Glauben vieler Menschen an die tatsächliche Existenz der Hexerei festigten.
Die Schilderungen über den Abschluss eines Teufelsbündnisses unterschieden sich von Region zu Region und von Jahrhundert zu Jahrhundert beträchtlich voneinander. Frühe Berichte über solche Verträge legen nahe, dass die Zeremonie eng an die konventionellen christlichen Rituale angelehnt war. In den Schilderungen aus späterer Zeit tauchten dann mehr fremdartige Elemente auf, die zweifellos von der erhitzten Phantasie jener erdacht waren, die man unter der Folter zu einem Geständnis gezwungen hatte. Johannes Nider beschrieb um 1435 in seinem Formicarius, wie ein Neuling, der in die Dienste des Teufels eintrat, aufgefordert wurde, seinen christlichen Glauben zu verleugnen, dem Satan zu huldigen und dann das Blut ermordeter Kinder zu trinken. Viele spätere Berichte fügten dieser relativ einfachen Verfahrensweise den rituellen Kuss hinzu, bei dem der Täufling seine Treue gegenüber dem Satan bekundete, indem er seinen neuen Herrn „unter den Schwanz” küsste. Ausserdem musste der Neuling das Kreuz mit Füssen treten, seine Paten verleugnen, seinen Namen in das sogenannte „Buch des Todes” schreiben, sich vom Teufel den Kopf kratzen lassen, damit alle Spuren der einstigen christlichen Taufe ausgelöscht würden; schliesslich erhielt er vom Teufel einen neuen Namen. Manchmal mussten die Hexenneulinge dem Hinkefuss angeblich auch eines ihrer Kleidungsstücke aushändigen, um damit kundzutun, dass sie sich von spirituellen und irdischen Dingen trennten, und ihm überdies die regelmässige Opferung kleiner Kinder versprechen. Möglicherweise sollten sie auch schwören, die christlichen Sakramente abzulehnen und weder Weihwasser noch Kerzen zu benutzen, ihr Bündnis mit dem Teufel geheim zu halten und andere zu überreden, sich ihrem neuen Herrn gleichfalls zu unterwerfen. Der Überlieferung zufolge kennzeichnete der Teufel den Neuling meist, indem er dessen Körper an irgendeiner Stelle berührte, und bestand hin und wieder auch auf dem Vollzug des rituellen Geschlechtsverkehrs, um den Pakt perfekt zu machen.
Dafür, dass sie sich dem Teufel als Sklaven verschrieben, wurden die Neulinge angeblich mit dessen Einwilligung belohnt, immer zur Stelle zu sein, um einen gewünschten Zauber wirken zu lassen - ganz gleich, ob es um das Streben nach irdischen Genüssen, nach Reichtum oder Macht oder um die Verwirklichung anderer Ambitionen ging. Die Hexenlehrlinge erhielten womöglich auch einen Hausgeist geschenkt, der ihnen in Zukunft dienen sollte.
Manchmal wurde der Pakt bei einem Hexensabbat in Anwesenheit aller Hexen und Hexenmeister, manchmal auch unter vier Augen abgeschlossen - was sich bei einem Prozess schwieriger nachweisen liess. Es kam auch vor, so behauptete man, dass der Neuling den Kontrakt indirekt durch eine andere Hexe abschloss. Oftmals wurde das Bündnis mit der Unterschrift auf einem Papier formalisiert, auf dem die Bedingungen des Handels zu lesen waren. Der Überlieferung zufolge musste der Vertrag mit Blut geschrieben oder unterzeichnet sein, das aus der linken Hand der neugewonnenen Hexe stammte. Das Papier behielt dann angeblich der Teufel. Allerdings ist mindestens ein Fall belegt, bei dem einem Gericht ein in lateinischer Sprache abgefasster Kontrakt vorgelegt wurde. Das war 1634 beim Prozess gegen den vermeintlichen Hexenmeister Urbain Grandier. Der erste, in Spiegelschrift verfasste und von Satan, Beelzebub, Luzifer, Elimi, Leviathan und Astaroth unterzeichnete Teil des Vertrages lautete folgendermassen:
Wir, der allmächtige Luzifer, unterstützt von Satan, Beelzebub, Leviathan, Elimi, Astaroth und anderen, haben heute den Pakt mit Urbain Grandier, der auf unserer Seite ist, anerkannt. Und wir versprechen ihm die Liebe der Frauen, die Zierde der Jungfrauen, die Keuschheit der Nonnen, weltliche Ehren, Genüsse und Reichtümer. Er wird seine fleischlichen Gelüste jeden dritten Tag befriedigen können; trunkener Rausch wird ihm lieb sein. Er bietet uns einmal im Jahr einen mit seinem Blut gekennzeichneten Tribut; er tritt die heiligen Sakramente der Kirche mit Füssen, und er richtet seine Gebete an uns. Durch diesen Vertrag wird er zwanzig Jahre glücklich unter den Menschen auf Erden leben und schliesslich zu uns kommen, um Gott zu verfluchen. Aufgesetzt beim Rat der Teufel in der Hölle.

Der zweite, mit Grandiers Unterschrift versehene Teil des Vertrages hatte folgenden Wortlaut:
Mein Herr und Meister Luzifer, ich erkenne Euch als meinen Gott und Fürsten an und verspreche, Euch zu dienen und zu gehorchen, solange ich lebe. Und ich entsage dem anderen Gott sowie Jeso Christo, allen Heiligen, der apostolischen und römischen Kirche, allen Sakramenten und allen Gebeten und Bitten, mit denen die Gläubigen Fürsprache für mich einlegen. Und ich verspreche Euch, dass ich so viel Böses tun werde, wie ich nur kann, und dass ich jeden Anderen zum Bösen verlocke. Ich sage mich los von der Salbung, von der Taufe, von allen Werten Jesu Christi und seiner Heiligen. Und wenn ich versäume, Euch zu dienen und Euch anzubeten, und wenn ich Euch nicht dreimal täglich weine Hochachtung bezeige, dann gebe ich Euch mein Leben als das Eurige. Verfertigt in diesem Jahr und Tag.

War der Pakt erst unterzeichnet, dann bestand für die Hexe oder den Hexenmeister anscheinend nur eine geringe Chance, den Teufel zur freiwilligen Aufhebung des Vertrages zu überreden. Hoffen konnte man jedoch immer darauf. In einer seiner Geschichten erzählte der Puritaner Increase Mather im siebzehnten Jahrhundert, wie ein junger Mann, der einen Pakt mit dem Teufel unterschrieben hatte, um Geld für sein ausschweifendes Leben zu erlangen, seinen Sinn änderte und einige protestantische Geistliche inständig bat, für die Rückgabe des Vertrages zu beten. Da die Geistlichen gute Menschen waren, deren Gebete von Gott erhört wurden, erschien eine Wolke über der betenden Gruppe und daraus fiel besagter Vertrag, den der junge Mann einst mit seiner Unterschrift versehen hatte. Der auf diese Weise Erlöste packte das Papier geschwind und zerriss es.

 

 

 

 

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