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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Overbury, Sir Thomas 1581-1613

Englischer Höfling und Dichter, dessen Ermordung im Tower von London vielfach einer Hexerei zugeschrieben wurde. Die Umstände des Todes von Sir Thomas Overbury, der ein prominentes Mitglied des Hofes von Jakob I. gewesen war, bildeten den abschliessenden Höhepunkt eines Lebens voller Skandale und Intrigen. Sie wurden 1616 in einem Prozess aufgedeckt.
Die Ereignisse, die schliesslich zu Sir Overburys Ermordung führten, nahmen ihren Anfang, als Overbury versuchte, die Hochzeit des königlichen Günstlings Robert Carr - des späteren Grafen von Somerset - mit Frances Howard, der schönen und frühreifen Tochter des Grafen von Suffolk, zu verhindern. Durch eine 1606 arrangierte Verheiratung der Dreizehnjährigen war Frances Howard bereits die Frau Robert Devereux', des Grafen von Essex, geworden, doch der Graf kam erst 16o6, um seine Braut heimzuführen. Zu dieser Zeit hatte sich das junge Mädchen bereits in Carr verliebt. Angesichts der Notwendigkeit, den Grafen von Essex loszuwerden und ihres gleichermassen drängenden Wunsches, die Liebe Robert Carrs zu erringen, wandte sich Frances Howard an ihre Freunde Anne Turner und Dr. Simon Forman, die beide für ihr Können auf dem Gebiet der Magie bekannt waren. Von ihnen erhielt sie einen Liebestrank, mit dem sie das Herz des königlichen Günstlings erobern wollte, sowie einen Zaubertrank, der den Grafen von Essex impotent machen sollte - einigen Berichten zufolge wurde dafür ein Wachsbild benutzt. Carr verliebte sich leidenschaftlich in Frances Howard, was angeblich auf die Wirkung des Tranks zurückzuführen war, und der Graf von Essex, der die Ehe mit Frances nicht vollziehen konnte, stellte es seiner Gemahlin frei, ihre Verbindung annullieren zu lassen.
Nun, da sie ihren Liebhaber ehelichen konnte, erlebte Frances einen Rückschlag, denn Sir Overbury, der Spekulationen zufolge eine homosexuelle Zuneigung zu Carr empfand und diesen durch Erpressung dazu zwingen wollte, ihre Hand abzulehnen, stellte sich dagegen. Wütend darüber, nutzte Frances Howard ihren Einfluss, um Overbury nach Obersee versetzen zu lassen, doch dieser lehnte den Posten ab, worauf er wegen Ungehorsams gegenüber dem König im Londoner Tower eingesperrt wurde. Damals wandte sich Frances Howard angeblich nochmals an Anne Turner, um sich von ihr ein Gift zu beschaffen, das sie dem im Tower gefangengehaltenen Overbury heimlich von einem Diener verabreichen liess. Das Gift verursachte eine schwere Erkrankung, wirkte aber wahrscheinlich nur deshalb nicht tödlich, weil die Arzte Overbury regelmässig Abführmittel gaben. Um den Mann ein für allemal aus der Welt zu schaffen, überredete Frances Howard einen der Doktoren, der nächsten Dosis Gift beizumischen, an dem Overbury dann auch wirklich starb.
Overburys Tod im Tower kam zwar unerwartet, doch an einen Mord dachte zunächst niemand. Als aber der Arzt, der das tödliche Gift verabreicht hatte, erkrankte und seinen Tod nahen sah, legte er ein volles Geständnis ab. Der Fall wurde daraufhin untersucht, und man fand den Briefwechsel zwischen Frances Howard und Anne Turner. Als Beweis für die Anwendung von Hexerei wurden bei der Durchsuchung des Hauses von Dr. Forman in Lambeth auch Wachsfiguren entdeckt.
1616 wurden neben anderen Frances Howard, der Graf von Somerset und Anne Turner wegen Mordes an Sir Thomas Overbury vor Gericht gestellt. Anfangs leitete Sir Edmund Coke, der Vorsitzende des Obersten Gerichts von England, den Prozess. Dann entschloss sich Jakob 1., zusammen mit Francis Bacon, die Ereignisse in eigener Person zu überwachen. Die drei Hauptangeklagten wurden für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Doch nur Anne Turner, ausserdem der Diener Sir Overburys und der Leutnant im Tower, der nichts unternommen hatte, um den Mord zu verhindern, wurden wirklich gehängt, da der König seinem einstigen Günstling und dessen Frau schliesslich verzieh und beide unter der Bedingung, dass sie sich von ihrem Haus in Kent nie weiter als fünf Kilometer entfernten, ein ruhiges Leben im Verborgenen führen liess. Dr. Simon Forman entging der Strafe; er war bereits 1611 eines natürlichen Todes gestorben.

 

 

 

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