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Vermeintlicher Zirkel
schottischer Hexen, die einer Reihe von Verbrechen, unter anderem auch des
Mordversuchs an Jakob Vl., angeklagt waren und deshalb von 1590 bis 1592 vor
Gericht standen. Ihr Verfahren wurde zu einem der bekanntesten schottischen
Hexenprozesse; es signalisierte den Beginn des Hexenwahns auf den britischen
Inseln.
Die Verdächtigen wurden schlimmsten Folterungen unterworfen, und der Prozess
endete mit einer Massenhinrichtung; Francis Stewart, Graf von Bothwell, der
Cousin des Königs und einer der mächtigsten Männer des Landes, floh ausser
Landes.
Es begann 1590 auf ganz gewöhnliche Art damit, dass David Seaton, der
Hilfsrichter von Tranent bei Edinburgh, wegen des nächtlichen Kommens und
Gehens seines Dienstmädchens Gilly Duncan argwöhnisch wurde. Das Mädchen
hatte kurze Zeit zuvor ihr Können als Heilerin gezeigt, und Seaton folgerte,
dass diese neuentdeckten Gaben nur satanischen Ursprungs sein konnten.Also
liess er kraft seines Amtes Gilly Duncan in seinem eigenen Haus foltern; man
riss ihren Kopf an einem Seil hin und her, quetschte ihre Finger mit den „Pilliwinks”
- den Daumenschrauben - und untersuchte sie sorgfältig nach dem Teufelsmal,
was auch an ihrer Kehle gefunden wurde. Unter den Qualen und Erniedrigungen
gestand das Dienstmädchen seine Verbindung mit dem Teufel ein und wurde
darauf vor die Obrigkeit gebracht, um dort ein formales Geständnis
abzulegen.
Vielleicht glaubte Gilly Duncan, sie könne durch die Zusammenarbeit mit dem
Gericht ihr Leben retten. Sie lieferte eine lange Aufzählung von „Komplizen”
aus der Umgebung von Edinburgh. Vier der Genannten wurden vor Gericht
gebracht: Dr. John Fian, ein angesehener Schulmeister aus Saltpans, den die
Angeklagte als Sekretär des Hexenzirkels bezeichnete; Agnes Sampson, eine
ältere Hebamme; die in aristokratischen Kreisen verkehrende vornehme
Euphemia Maclean und Barbara Napier. Wegen der hohen gesellschaftlichen
Stellung einiger Angeklagter erregte der Fall allmählich grosse
Aufmerksamkeit in der Stadt, und Jakob I. übernahm bei Agnes Sampson und
einigen anderen Angeklagten persönlich die Rolle des Befragers.
Agnes Sampson verneinte standhaft jegliche Schuld, doch die unzufriedenen
Befrager liessen sie kahl scheren und untersuchten sie gründlich und
erfolgreich nach dem Teufelsmal. Überzeugt, dass man eine Hexe in Gewahrsam
hatte, liess das Gericht der Frau einen Hexenzaum anlegen und gab die
Anweisung, sie nicht zum Schlafen kommen zu lassen, bis sie gestanden habe.
Nach der peinigenden Behandlung mit dem Seil, die auch Gilly Duncan hatte
über sich ergehen lassen müssen, war die Frau am Ende ihrer Kräfte und
bekannte sich in allen dreiundfünfzig Anklagepunkten schuldig. Sie gestand
unter anderem, mit Zauberformeln Krankheiten verursacht und verschiedene
magische Pulver verabreicht zu haben, einen Hausgeist in Gestalt eines
Hundes zu besitzen, der Elva heisse und in einem Brunnen wohne.
Auf die Veranlassung der Befrager, die Agnes Sampson die nochmalige
Folterung androhten, wenn sie kein volles Geständnis ablege, fuhr die Frau -
als „würdevoll und gesetzt in ihren Antworten” geschildert - mit einer
Beschreibung fort, wie sie zu Halloween an einem Sabbat mit einigen neunzig
Hexen teilgenommen habe, und wie die ganze Gesellschaft, nachdem jede ihr
Mass Wein getrunken habe, in Sieben sitzend nach North Berwick gesegelt sei.
Dort hätten sie - stets entgegen dem Uhrzeigersinn - zu der Musik getanzt,
die Gilly Duncan auf einer Harfe gespielt habe. Sie sagte auch den Text des
Liedes auf, das sie beim Tanzen gesungen hatten:
Frau, geh du voran, Frau, geh du.
Wenn du nicht vorangehst, Frau, dann lass mich. Ringelreih'n verkehrt herum
Wir fassen uns zum verkehrten Reigen
Frauen, Burschen, altes Weib und Königin Gehen wir im Kreis herum!
Frau, geh du voran, Frau, geh du.
Wenn du nicht vorangehst, Frau, dann lass mich. Ringelreih'n verkehrt herum.
Wir springen geschmeidig im verkehrten Reigen Mit geschürzten Röcken und
fliegendem Haar Dreimal drei.
Frau, geh du voran, Frau, geh du.
Wenn du nicht vorangehst, Frau, dann lass mich. Ringelreih'n verkehrt herum
Wir wirbeln und kreischen im verkehrten Reigen Und der Teufel nimmt die
Hinterste
Wer sie auch sei!
Dann hätten sie in der Kirche zu North Berwick beim flackernden Licht
schwarzer Kerzen dem Teufel Treue und Gehorsam bestätigt und zum Zeichen
ihrer Ergebenheit dessen Hinterteil geküsst. Der Teufel sei ihnen in Gestalt
eines Mannes mit schwarzer Robe und schwarzer Kappe erschienen und habe
behaarte Hände mit Krallen gehabt. Später hätten sie einen Plan ausgeheckt,
wie sie den König durch einen Sturm töten könnten, wenn er auf der Reise
nach Dänemark sei, um seine Braut heimzuholen.
Jakob war von dieser Erzählung nur mässig beeindruckt - er liess Gilly
Duncan sogar die Melodie vorspielen, die sie angeblich auf dem Sabbat
gespielt hatte, doch da flüsterte ihm Agnes Sampson genau die Worte zu, die
er in der Hochzeitsnacht mit seiner Braut gewechselt hatte, und die ausser
dem Brautpaar eigentlich niemand kennen konnte. Ob dies nun wirklich
geschehen war, oder ob der König diese Geschichte, an die er sich angeblich
erinnerte, nur erfunden hatte, uni den Fall voranzubringen und den so
enthüllten Verrat als Warnung für andere gebührend bestrafen zu können - der
König zeigte sich äusserst überrascht und liess seine vorherigen Zweifel
fallen.
Agnes Sampsons Geständnis brachte eine erstaunliche Enthüllung nach der
anderen. Der Hexenzirkel, so behauptete sie, habe ein weiteres Mal versucht,
den König anzugreifen und dazu Gift von einer schwarzen Kröte genommen und
sich - allerdings vergeblich - bemüht, ein Stück von der königlichen
Garderobe zu beschaffen, uni es mit dem Gift bestreichen zu können. Als
nächstes hätten die Hexen eine mit Jakobs Namen bezeichnete Wachsfigur im
Feuer schmelzen lassen und aus Stücken von einem Leichentuch und einer
Leiche Zauberpulver hergestellt. Als sich die Gelegenheit geboten habe, den
König auf hoher See mit seinem Schiff im Sturm untergehen zu lassen, hätten
die Hexen eine Katze getauft, die Gliedmassen eines Toten an deren Pfoten
gebunden und das arme Tier dann ms Meer geworfen. Beim ersten Mal sei es dem
Tier gelungen, sich zu befreien und an Land zu schwimmen, doch beim zweiten
Versuch sei es ertrunken, und darauf habe ein schwerer Sturm begonnen. In
dem Unwetter ging ein Schiff unter; das Schiff des Königs kam mit knapper
Not davon.
Die unglaublichen Geschichten, die Agnes Sampson und die anderen Angeklagten
erzählten, beanspruchten die Leichtgläubigkeit des Gerichtes über Gebühr,
und die Geschworenen entschieden, die Anklagen fallen zu lassen. Der König
jedoch geriet darüber in Zorn, und das Gericht wurde hastig wieder
zusammengerufen, uni die Angeklagten für schuldig zu erklären. Jene
Geschworenen, die sich für einen Freispruch entschieden hatten, wurden wegen
dieses Irrtums selbst vor Gericht gestellt.
Barbara Napier, die eine Verwandte des Gutsherrn von Carschoggill war,
machte geltend, dass sie schwanger sei, und wurde zum Arger des Königs auf
freien Fuss gesetzt. Effie Maclean jedoch musste sechs Rechtsanwälte
bemühen, die ihre Unschuld nachweisen sollten. Zu ihrem Unglück war der
König wegen ihrer Verbindung zu dem möglichen Thronerben Francis Graf von
Bothwell, der Gerüchten zufolge als eigentlicher Anstifter der
Verschwörungen gegen Jakob galt, entschlossen, sie trotz ihres hohen
Standes, den sie als Lord Cliftonhalls Tochter innehatte, hinrichten zu
lassen.
Auf Beschluss des Gerichts wurden John Fian, Agnes Sampson und Effie Maclean
zu Tode gebracht. Effie Maclean versagte man die Gnade, erdrosselt zu
werden, ehe sie den Flammen übergeben wurde, und so kam sie auf dem
Scheiterhaufen ums Leben. Margaret Thomson, eine weitere Verdächtige, starb
unter der Folter.
Der Graf von Bothwell wurde eine Zeitlang auf der Burg von Edinburgh
gefangengehalten, entging jedoch der Todesstrafe, da er Vorsorge getroffen
und eine grosse Zahl bewaffneter Anhänger in die Stadt hatte kommen lassen.
Er verliess Schottland schliesslich, nachdem er vergebens versucht hatte,
Jakob aus seiner Machtposition zu drängen, und verbrachte den liest seines
Lebens im Exil. Dort stand er bis zu seinem Tod in dem Ruf, ein starkes
Interesse für die okkulten Wissenschaften zu hegen.
Tief betroffen von dem, was er während der Geständnisse der Hexen von North
Berwick vernommen hatte, griff Jakob in seiner sehr bedeutenden Abhandlung
mit dem Titel Dämonologie, die erstmals 1597 erschien, zweifellos auch auf
diese Erfahrung zurück. |