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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Nonnen von Aix-en-Provence

Eine Gruppe von Nonnen, die 1611 in Aix-la-Provence in Frankreich im Mittelpunkt eines sensationellen Hexenprozesses standen. Der Fall drehte sich um Schwester Madeleine de Demandolx de la Palud, eine Nonne, die bereits länger an Depressionen litt. Sie kam aus gutem Hause und wurde 16os im Alter von neun Jahren in ein Kloster der Ursulinerinnen aufgenommen, wegen ihrer nervlichen Labilität jedoch später zu ihrer Familie zurückgeschickt. Im Alter von dreizehn Jahren geriet sie unter den Einfluss von Pater Louis Gaufridi, eines ansehnlichen dreiundvierzigjährigen Priesters aus Marseille, der ein Freund der Familie war, und der bald eine Menge Zeit mit ihr allein verbrachte. Es stellte sich heraus, dass Madeleine in den Priester verliebt war, und nach einem Besuch, der anderthalb Stunden gedauert hatte, begannen Gerüchte über das Paar umzugehen.
Gaufridi wurde von seinen Vorgesetzten vor weiteren Treffen gewarnt, und Madeleine wurde 1607 als Novizin ins Ursulinerinnenkloster nach Marseille geschickt. Hier beichtete sie der Mutter Oberin, dass sie in der Tat eine Affäre mit einem Priester gehabt hatte, doch unternahm man in diesem Stadium der Angelegenheit nichts weiter, ausser Madeleine in das Kloster bei Aix-en-Provence zu versetzen, wo es für das Paar schwieriger wäre, sich zu treffen.
Die erzwungene Trennung scheint für Madeleine zu schwer gewesen zu sein. Sie begann unter Anfällen zu leiden und schockierte ihre Obrigkeit im Kloster, als sie zu Weihnachten 16o9 während der Beichte ein Kruzifix ergriff und zerstörte. Sie klagte auch darüber, von Dämonen gepeinigt zu werden und erklärte, Gaufridi habe sie mittels einer Zauberformel behext, die in einer Walnuss versteckt sei. Man entschied, dass sie tatsächlich besessen sei und versuchte es, wenngleich erfolglos, mit einer Teufelsaustreibung. In einem Klima zunehmender Hysterie im Kloster wurden nun drei weitere Nonnen von ähnlichen Anfällen heimgesucht.
Bei seiner Befragung bestritt Gaufridi jegliche Unkeuschheit mit Madeleine, doch ihre Aussagen über sein Verhalten wurden mit der Zeit immer detaillierter. Sie behauptete, er habe sie zum erstenmal verführt, als sie dreizehn Jahre alt gewesen sei (später revidierte sie diese Angabe und sagte, sie sei neun gewesen) und habe dann auch weiterhin sexuell mit ihr verkehrt. Madeleines Behauptungen zufolge glaubte er auch nicht an Gott und hatte ihr einen Kobold in Gestalt eines grünen Teufels geschenkt.
Nun zeigten sich bei fünf weiteren Nonnen Symptome von Hysterie, was als Ergebnis dämonischer Besessenheit interpretiert wurde, unter der Louise Capeau am schlimmsten zu leiden schien. Madeleine und Louise wurden nun vor Sebastian Michaelis, den Grossinquisitor von Avignon, gebracht, der 1582 die Aufsicht über die Verbrennung von achtzehn Hexen geführt hatte. Eine weitere Teufelsaustreibung brachte keine Besserung, obgleich die Mädchen ihren Befragern zusätzliche Einzelheiten über die Geister berichteten, von denen sie besessen waren. Nach Louises Angaben herrschten 6666 Teufel, darunter auch der mächtige Beelzebub, über Madeleine, und Gaufridi war die unmittelbare Ursache dieser Behexung. Louise selbst war von drei mächtigen Teufeln mit Namen Gresil, Sonnillon und Verin besessen.
Pater Michaelis unternahm als nächstes den phantasiereichen Schritt, Gaufridi selbst zur Teufelsaustreibung bei den Mädchen aufzufordern. Der Priester war jedoch unerfahren in solcherart Prozeduren, und die Mädchen verhöhnten ihn nur. Man warf ihn in den Kerker, doch Michaelis appellierte an den Papst, die Mädchen für ihren Unfug zu tadeln, und Madeleine wurde nun unter strenge Aufsicht gestellt. Ihr Zustand verschlechterte sich: Sie sprach von Visionen, sang unzüchtige Liebeslieder, störte die Gottesdienste und wieherte wie ein Pferd. Sie erzählte auch schockierende Geschichten über Sabbate, die sie mit Einzelheiten über Sodomie und Kannibalismus ergänzte.
Als Antwort auf das Interesse, das die Affäre in ganz Frankreich hervorrief, wurde der Fall im Februar 161 vor den Zivilgerichtshof in Aix-en-Provence gebracht. Der Prozess rief Aufsehen hervor. Madeleines unberechenbares Verhalten vor Gericht, das völlig unerwartet von der an Gaufridi gerichteten Bitte um Vergebung zu heftigen Verdammungen seiner sexuellen Perversionen und seines Kannibalismus wechselte und von Zeit zu Zeit von unkontrollierten Anfällen sinnlicher Begierde unterbrochen wurde, machte einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden. Zweimal, so wird berichtet, habe Madeleine versucht, sich umzubringen.
Gaufridi, geschwächt von dem monatelangen Aufenthalt in einem von Ratten wimmelnden Kerker, wurde auf das Teufelsmal untersucht, was man auch ganz richtig fand. Unter der Folter bekannte er alles, was die Anklage ihm vorwarf, und gab zu, einen Bund mit dem Satan geschlossen zu haben, der ordnungsgemäss mit seinem Blut unterzeichnet sei, um sexuellen Verkehr mit jeder Frau, die er begehrte, haben zu können (über tausend, so behauptete er, hätten auf diese Weise seiner Wollust nachgegeben). Madeleine, erklärte er, sei von ihm besonders besessen gewesen und habe sich ihm beim Sabbat und auch sonst hingegeben. Vor Gericht widerrief er diese Geständnisse verzweifelt, doch ein Schuldspruch war unvermeidlich, und Gaufridi wurde zum Tode verurteilt. Das Gericht gab Anweisungen, ihn auf einem Scheiterhaufen aus Strauchwerk anstelle von Holzkloben zu verbrennen, damit seine Qualen verlängert würden. Am Tag der Hinrichtung wurde Gaufridi wiederholt der Folter durch Aufziehen und dessen verschärfte Form unterworfen, bis seine Glieder furchtbar verrenkt waren; man hoffte, er werde die Namen seiner Komplizen nennen. Dann wurde er fünf Stunden lang auf einer Faschine durch die Strassen gezogen, ehe man ihn erdrosselte und seinen Körper verbrannte.
Gaufridis Tod schien ,Madeleine sofort von ihren Teufeln zu erlösen; Louise Capeau hingegen liess kein Zeichen der Besserung erkennen und verblieb für den Rest ihres Lebens in ihrem qualvollen Zustand. Louise hörte auch nicht auf, andere der Hexerei zu bezichtigen: Einige Wochen nach Gaufridis Hinrichtung wurde aufgrund ihres Zeugnisses ein blindes Mädchen verbrannt. Das Unheil, das Madeleine angerichtet hatte, wurde ihr dreissig Jahre später, im Jahre 1642, vergolten, als sie selbst beschuldigt wurde, eine Hexe zu sein. Eine weitere Anklage wegen Hexerei erfolgte 1652, und nachdem man bei ihr das Teufelsmal gefunden hatte, wurde sie verurteilt und lebenslang eingekerkert. Sie starb 167o im Alter von siebenundsiebzig Jahren, kurz nachdem man sie in die Obhut einer Verwandten entlassen hatte.

 

 

 

 

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