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Praxis der
Totenbeschwörung, mit der die Geister der Toten genötigt werden sollten,
alle Fragen zu beantworten, die eine Hexe oder ein Zauberer ihnen stellten.
Die Nekromantie galt als die gefährlichste und zweifelhafteste Handlung im
Rahmen der schwarzen Magie. Dennoch hat die Möglichkeit, Tote zu beschwören,
die Gelehrten der okkulten Wissenschaften jahrhundertelang fasziniert. Dem
Vernehmen nach versuchten sich im Altertum viele Magier mit
unterschiedlichem Erfolg an solchen Kunststücken. Die biblische Erzählung
über die Totenbeschwörerin von En-Dor, die mit Hilfe ihrer Magie tote Seelen
beschwor, lieferte ein Modell, das viele nachfolgende Erforscher des
Okkulten inspirierte. Jahrhunderte später gehörten Zauberer wie Dr. John Dee
und Edward Kelly, die hauptsächlich aus intellektuellem Streben Experimente
auf okkultem Gebiet durchführten, zu den berühmtesten Praktikern der
Nekromantie.
Die Motive anderer Magier waren eher prosaischer Natur: 156o beispielsweise
wurden zwei Geistliche für schuldig befunden, mit Hilfe dreier magischer
Kreise Geister beschworen zu haben, um Näheres über das Versteck einer Truhe
mit Gold in Erfahrung zu bringen. Einer der beiden wurde dafür
exkommuniziert. Solche Fälle waren jedoch selten, und in England gab es das
ganze siebzehnte Jahrhundert hindurch nicht einen einzigen Prozess wegen
Nekromantie; entweder waren die Rituale für eine durchschnittliche,
ungebildete Hexe zu kompliziert oder die damit verbundenen Gefahren zu
gross. Jene, die es versuchten, wurden von „Experten” auf diesem Gebiet
gewarnt, anstelle der echten Leichen nicht etwa den Teufel persönlich zu
beschwören, der sich tarnte, um sie zu täuschen.
Wegen der Risiken, die die Totenbeschwörung barg, wagten sich im allgemeinen
nur die erfahrensten Zauberer an diese Art Magie heran, wobei sie ihr
eigenes Leben vor den Dämonen, die sie vielleicht herbeiriefen, sorgfältig
schützten, indem sie magische Kreise zogen und andere Vorkehrungen trafen.
Man sagte, dass nur diejenigen vielleicht mit einem Erfolg rechnen könnten,
die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hätten. Eine weitere notwendige
Massnahme war beispielsweise auch das Verbrennen gewisser Arten von
Räucherwerk, dessen starker Geruch böse Geister fernhalten sollte. Auch eine
sorgfältige Beobachtung der Positionen der Planeten und des Mondes war
erforderlich, wenn der Magier den genauen Zeitpunkt und Ort in Erfahrung
bringen musste, an dem er das Meisterstück versuchen konnte.
In ein gebrauchtes Totenhemd oder einen speziellen, mit mystischen Symbolen
versehenen Mantel gehüllt, sagte der Magier Namen der Macht her und führte
dann ein langes und kompliziertes Ritual aus, bis der Moment kam, in dem er
eine Leiche erscheinen lassen konnte. Manche Magier läuteten an bestimmten
Stellen der Zeremonie Glocken, die ihnen die Macht verleihen sollten, Tote
nach der Beerdigung für die Dauer von sieben Tagen zu wecken. Einige Quellen
forderten, der Zauberer müsse neun Tage lang sexuell enthaltsam gelebt und
eine strenge Diät aus Hundefleisch, ungesäuertem und ungesalzenem
Schwarzbrot und unvergorenem Traubensaft eingehalten haben, bevor er
versuchen konnte, die Toten zu beschwören. Am Ende der Zeremonie bettete der
Zauberer die Leiche wieder zur Ruhe und trieb einen Pfahl durch ihr Herz,
damit sie niemals wieder für eine Totenbeschwörung benutzt werden konnte.
Die Kunst der Nekromantie scheint noch immer ihre Anhänger und Praktiker zu
haben. In bestimmten Abständen berichten die Zeitungen in Europa immer
wieder von zerstörten Gräbern und verstreut umherliegenden Knochen, die
stark vermuten lassen, dass auf den betroffenen Friedhöfen Zeremonien zur
Beschwörung von Toten stattgefunden haben. Der sogenannte culte des mortes,
der eng mit der Religion des Voodoo verbunden ist, findet sich bis auf den
heutigen Tag besonders in Haiti. Seine Anhänger halten verschiedene
Zeremonien ab, um Baron Samedi, einen grotesken Geist, zu beschwören, an den
sie dann Fragen über die Zukunft richten können. |