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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Nadelprobe

Praxis, eine der Hexerei verdächtigte Person mehrmals mit einem spitzen Werkzeug zu stechen, um an deren Körper eine taube Stelle zu finden, die mit Sicherheit als das Teufelsmal identifiziert werden konnte. Dieses Teufelsmal, das angeblich alle Hexen aufwiesen, galt als absolut schmerzunempfindlich und konnte angeblich auch nicht bluten. So einwickelten die Hexenriecher in ganz Europa die „Wissenschaft” der Nadelprobe an den sorgfältig rasierten Körpern der verdächtigen Personen als eines der wichtigsten Mittel zur Erhärtung der Hexereivorwürfe. Die Entdeckung des Teufelsmals stellte in den Ländern, in denen die Anwendung der Folter untersagt war, einen besonders wichtigen Schuldbeweis dar. Doch auch anderswo gehörten solche Untersuchungen zur Routine. Dabei wurden furchterregend aussehende Nadeln, Ahlen oder Lanzetten in den nackten Körper des Verdächtigen gestossen, was mitunter stundenlang dauerte - besonders wenn das Opfer weiblich und hübsch anzuschauen war -, bis man eine oder mehrere Stellen ausgemacht hatte, an denen die scharfe Spitze keine sichtbare Wirkung zeigte. Die Klinge des Werkzeugs stiess mitunter sogar bis auf die Knochen des Verdächtigen.
„Experten” auf dem Gebiet der Nadelprobe wie Matthew Hopkins und dessen Assistenten John Stearne und Mary Phillips wandten mitunter verschiedene Listen an, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Eine beliebte Methode war die, den Verdächtigen mit der Ahlenspitze zu stechen und unmittelbar darauf das stumpfe Griffende nur ganz leicht auf eine andere Stelle des Körpers aufzusetzen. Der durch den Stich hervorgerufene Schmerz war so stark, dass viele Opfer den darauffolgenden, viel leichteren Druck gar nicht spüren konnten, und der Hexenriecher die Schuld des Verdächtigen somit als bestätigt erklärte. Von anderen Hexenriechern sagte man, sie würden Ahlen mit einziehbaren Spitzen benutzen. Es geschah nur sehr selten, dass diese „Experten” das Teufelsmal, nach dem sie so eifrig gesucht hatten, nicht ausfindig machen konnten. Doch selbst wenn dies der Fall war, wurde die verdächtige Person mit der Begründung, dass ihre Angelegenheit ein Sonderfall sei, den Folterknechten übergeben.
In vielen Gegenden holte man die Hexenstecher aus recht weit entfernten Orten herbei. Ihre Tätigkeit und deren Ergebnis waren der erste Schritt zur strafrechtlichen Verfolgung einer vermeintlichen Hexe. Eine urkundlich belegte Darstellung der Art und Weise, in der man die Nadelprobe als Teil einer offiziellen Untersuchung durchführte, berichtet von einem gewissen schottischen „Experten”, der im Jahre 1649 nach Newcastle upon Tyne gerufen wurde. Gegen eine Gebühr von zwanzig Schillingen je überführte Hexe plus Reisekosten plagte er im dortigen Rathaus 30 Verdächtige mit der Ahle. Nach sorgfältiger Untersuchung erklärte er nicht weniger als 27 von ihnen zu Hexen. An dieser Stelle äusserte einer der Anwesenden, ein Oberstleutnant Hobson, Zweifel an den Methoden der Hexenriecher und forderte, eine der Frauen nochmals zu untersuchen. Er hatte beobachtet, dass diese Frau nach dem Einstechen der Spitze nicht blutete, weil durch die Angst und die Erniedrigung „all ihr Blut sich in einem Teil ihres Körpers konzentrierte”. Als die Spitze zum zweitenmal eingestochen wurde, schoss aus der Wunde Blut hervor, und der Hexenriecher musste seinem Kritiker zustimmen, dass die Frau keine Hexe sei.
Die Bemühungen des Oberstleutnants in diesem Fall reichten jedoch nicht aus, um das Leben von vierzehn Frauen und einem Mann zu retten, deren Schuld durch die Nadelprobe nachgewiesen worden war. Ob seines Erfolgs in Newcastle ausser sich, erhöhte der namentlich nicht bekannte Hexenriecher seine Gebühr je überführte Hexe auf drei Pfund und zog eine Zeitlang durch Northumberland, bis ihn die Feindseligkeit der Bewohner zwang, seine Aktivitäten nach dem Norden zu verlagern. Berichten zufolge beendete er sein Leben in ganz angemessener Weise am Galgen - allerdings nicht bevor er nach eigenem Bekenntnis Beihilfe zur Hinrichtung von rund zweihundertzwanzig vermeintlichen Hexen geleistet hatte.
Trotz der Entdeckung vieler betrügerischer Hexenstecher blieb diese Praxis bis zum Ende des Hexenwahns in Gebrauch. 1712 wurde auch Jane Wenham, die letzte Person, gegen die man in England einen Hexenprozess führte, einer Nadelprobe unterzogen, die allerdings erfolglos war, da bei ihr kein solches Mal gefunden wurde.

 

 

 

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