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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Mora, Hexen von

Opfer einer Hexenpanik, die in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts in Mora in der mittelschwedischen Region Dalarna (Dalekarlien) ausbrach und die skandinavischen Länder in Angst und Schrecken versetzte. Die Sache begann im Sommer 1669 mit einer Reihe beunruhigender Berichte, die besagten, dass viele Bewohner der Gemeinde aktiv mit der Hexenkunst beschäftigt seien. Als Antwort auf die öffentliche Bestürzung entsandten die Ratgeber des jungen Karl XI. eine königliche Kommission, die die Sache - ohne Folter oder Verhaftungen - untersuchen sollte. Die Befragung der Verdächtigen bestätigte die anfänglichen Befürchtungen, und der Versuch, die Beschuldigten durch Gebete zu erretten, hatte nur eine weitere Ausbreitung des Hexenwahns zur Folge. So erhob die Kommission offizielle Anklagen gegen etwa siebzig Erwachsene. Später gestanden dreiundzwanzig der Angeklagten freiwillig ihre Beschäftigung mit dem Okkulten ein und gaben an, sich an einem gewissen Kreuzweg regelmässig mit dem Teufel getroffen zu haben. Als Lohn für ihre Treue habe der Teufel ihnen die Fähigkeit verliehen, auf Ziegenböcken durch die Lüfte zu schweben und behexte Männer und Zaunspfähle an einem grossen Haus auf einer Blocula genannten Wiese an Hexensabbaten teilnehmen zu lassen, wo sie ihren christlichen Glauben verleugnet hätten, vom Teufel getauft worden seien, an den Gelagen ihres dämonischen Meisters teilgenommen, getanzt, wahllos mit anderen gebuhlt und verschiedene Maleficia ausgeheckt hätten. Auch hätten sie - allerdings vergeblich - versucht, ein Haus zu bauen, in dem alle Hexen am Tag des Jüngsten Gerichts Zuflucht finden sollten.
Besonders schockierend für die Befrager war die Verwicklung von ungefähr dreihundert Kindern in diesen Fall. Den Geständnissen zufolge durften diese Kinder, die von den Erwachsenen zum Sabbat mitgenommen wurden, alles, was vor sich ging, vom Eingang her beobachten, während sich die Erwachsenen zum Festessen mit dem Teufel niederliessen. Die Kinder, deren Aussagen den Skandal erst ans Licht gebracht hatten, wurden eingehend befragt, und man stellte fest, dass ihre Geständnisse mit denen der Eltern grösstenteils übereinstimmten. Manche gaben an, sich auf diese Ausflüge gefreut zu haben, während andere beteuerten, gegen ihren Willen dahin geschleppt und gezwungen worden zu sein, sich in die Reihen der Teufelsanhänger aufnehmen zu lassen. Der Teufel selbst sei ihnen als rotbärtiger Mann mit einem grauen Mantel und einem hohen, mit leuchtendbuntem Stoff umschlungenen Hut erschienen. An den Füssen habe er einen roten und einen blauen Strumpf getragen. Nach dem Schmaus habe die Gesellschaft zur Harfenmusik des Teufels getanzt, ehe das Fest in eine Massenrauferei und eine Orgie ausgeartet sei. Man behauptete auch, dass manche Hexen eine Zeit nach solchen Zusammenkünften dem Teufel Kinder und ihren anderen Buhlen Kröten und Schlangen geboren hätten.
Überzeugt vom Ernst der Lage in Mora verhängte die königliche Kommission über fünfundachtzig Personen die Todesstrafe. Unter den Verurteilten befanden sich die dreiundzwanzig Erwachsenen, die ihre Verbrechen gestanden hatten, sowie fünfzehn Kinder. Die ersten beiden Massenhinrichtungen fanden am 25. August 1669 statt - kaum zwei Wochen, nachdem die Kommission das Verfahren eröffnet hatte. Die Verurteilten wurden enthauptet und dann zu Asche verbrannt. 36 Kinder im Alter von neun bis sechzehn Jahren mussten Spiessruten laufen und wurden ein ganzes Jahr lang jede Woche einmal mit Rohrstöcken auf die Hände geschlagen. Zwanzig Kinder, die alle jünger als neun Jahre waren, bekamen drei Sonntage hintereinander an der Kirchentür Schläge auf die Hände.
Die Hysterie, die die Bevölkerung von Mora erschütterte, breitete sich später auch über andere Gebiete Schwedens bis nach Finnland aus und führte in der Region um Uppsala und in Helsinki zu weiteren Untersuchungen, ehe sie 1675 Stockholm erreichte. Hier kam der Wahn nach der Hinrichtung von weiteren sechs Frauen endlich zum Ende, was hauptsächlich den Bemühungen eines jungen Arztes namens Urban Hjärne zu danken war, der die ganze Angelegenheit öffentlich zu einem Produkt von überhitzten Phantasien, Wahnsinn oder Bosheit erklärte. Der Tropfen, der das Fass dann zum Überlaufen brachte, war der Fall der Magdalen Mattsdotter, die von ihren eigenen Kindern und den Dienstmädchen der Hexerei angeklagt worden war. Ihre Tochter versuchte sie sogar dann noch, als Magdalen Mattsdotter schon auf dem brennenden Scheiterhaufen stand, zu einem Geständnis zu überreden. Kurz nach der Hinrichtung der Frau wurde bekannt, dass sich die Dienstmädchen die ganze Angelegenheit aus Eifersucht ausgedacht hatten, und so wurden auch sie zum Tode verurteilt, ehe die Vernunft die Oberhand gewann und allen weiteren Bezichtigungen und Anklagen ein Ende gesetzt wurde.
Die Gelehrten spekulieren seither, dass die Ursache der vom Gemeindepfarrer enthüllten Tragödie von Mora hauptsächlich Kinder waren, deren Phantasie die Druckschriften und Flugblätter beeinflusst hatten, in denen stets alle möglichen Fälle von Hexerei beschrieben wurden. In dieser Hinsicht ist der Fall mit dem bekannten Prozess gegen die Hexen von Salem vergleichbar, der sich in der Hauptsache auf die Aussagen von Unmündigen gründete. Ein weiterer Faktor im Fall der Hexen von Mora kann der Einfluss der schwedischen lutherischen Kirche gewesen sein, die nach einer Säuberung von liberalen Elementen in den sechziger Jahren des siebzehnten Jahrhunderts ihre Macht zu festigen suchte.

 

 

 

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