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Gemeindepfarrer, der als
der engagierteste Hexenjäger des kolonialen Amerika gilt. Er war der Sohn
des angesehenen Puritanerführers Increase Mather, der selbst ein Buch mit
lehrhaften Geschichten veröffentlichte, die die allgegenwärtige Gefahr des
Hexenwesens hervorheben sollten. Cotton Mather spielte in der Tragödie der
Hexen von Salem, des bekanntesten Hexenprozesses in der amerikanischen
Geschichte, eine Schlüsselrolle.
Nach seiner Ausbildung an der Harvard University wurde der junge Cotton
Mather zum Oberhaupt der berühmten North Church in Boston gemacht und trat
in Neuengland bald als prominenter Independentenführer in Erscheinung. Er
entwickelte die Vorbehalte, die sein Vater gegenüber dem Hexenwesen hegte,
und gewann die Überzeugung, dass es für solche Verbrecher kein Pardon geben
könne. Er erklärte: „Hexerei ist der schändlichste Hochverrat gegen die
Majestät im Himmel. Eine Hexe darf man weder im Himmel noch auf Erden
dulden.” Um seine Gedanken zu diesem Thema zu verbreiten, veröffentlichte er
1689 seine Schrift Memorable Providences Relating to Witchcrafts and
Possessions, in der er seinen Glauben an einen wirklich existierenden und
aktiven Teufel deutlich machte und die Realität der Hexerei betonte.
Mather nahm Anteil an zahlreichen Fällen, in denen es um den Verdacht der
Hexerei ging, und in denen er stets zu energischem Handeln gegen die
Angeklagten drängte. Als man sich bezüglich der Ereignisse in Salem an ihn
um Rat wandte, zögerte er nicht, jene zu unterstützen, die sich für eine
gründliche Befragung der Verdächtigen und die Anwendung der ganzen Härte des
Gesetzes aussprachen. „... wir können der Regierung nur demütig die schnelle
und harte strafrechtliche Verfolgung jener, die sich verhasst gemacht haben,
entsprechend den in Gottes Gesetzen vorgegebenen Weisungen und den
förderlichen Gesetzen der englischen Nation zur Aufdeckung von Hexereien
empfehlen.” Als die Richter die Begnadigung eines Angeklagten, des
hochwürdigen George Burroghs, erwogen, soll Mather persönlich dafür gesorgt
haben, dass die ursprünglich vorgesehene Hinrichtung stattfand.
Später, im Jahre 1693, als er sich aufgefordert fühlte, die Prozesse zu
rechtfertigen, veröffentlichte Mather sein Werk Wonders of the Invisible
World, das nach allem, was man hörte, in Neuengland nur weitere Ängste vor
der Gegenwart der Hexen entfachte. Mather brachte hierin zugegebenermassen
auch Vorbehalte gegen die Anerkennung der sogenannten Geisterbezeugung in
Hexenprozessen zum Ausdruck, doch in allen anderen Beziehungen unterstützte
er die Hexenverfolgung in den Kolonien.
Im Gefolge der Tragödie von Salem gab es einen Umschwung in der öffentlichen
Meinung, die sich nun von solch harten Reaktionen abwandte. Mather geriet
zunehmend in die Isolation und wurde bei dem Versuch, das Amt des Rektors an
der Harvard University zu erringen, wegen seiner Ansichten stillschweigend
übergangen. Verbittert und unbeachtet, hörte er bis an sein Lebensende nicht
auf, die erbarmungslose Unterdrückung des Hexenwesens zu fordern. |