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Die abgetrennte Hand
eines Gehenkten, die die Hexen angeblich wegen ihrer besonderen magischen
Eigenschaften schätzten. Die Überlieferung von dieser Leichenhand findet
sich im Hexenglauben mehrerer europäischer Länder, darunter auch in England
und Irland. Einen der umfassendsten Berichte über die Präparierung einer
solchen Hand liefert eine 1772 in Köln veröffentlichte Schrift, doch auch in
vielen anderen Handbüchern der schwarzen Künste gibt es ähnliche
Anleitungen.
Die Hand musste von einer noch am Galgen hängenden Leiche abgenommen und in
ein Stück Leichentuch gehüllt werden. Man presste alle Flüssigkeit heraus
und legte die Hand in einem irdenen Krug in Salz, Salpeter, langen Pfeffer
und ein geheimnisvolles Pulver ein, das als „Zimit” - vielleicht Grünspan -
bezeichnet wurde. Nach zwei Wochen wurde die Hand aus dem Krug
herausgenommen und an den sogenannten „Hundstagen” in der Sonne oder in
einem mit Farn und Eisenkraut beheizten Ofen getrocknet. Der aus der Hand
herausgeholte Fleischbrei wurde mit Salpeter, Salz und anderen Zutaten
vermischt, fein zerkleinert und sorgfältig zu einem Pulver getrocknet, mit
dem man die Hand wieder füllte.
Dann wurde mit etwas Fett von der Leiche, reinem Wachs, Sesam und anderen
als „Ponie” bezeichneten - nicht ganz zweifelsfrei als Pferdedung
identifizierten - Ingredienzien eine Kerze hergestellt. Diese Kerze wurde
zwischen die Finger der Hand gestellt und entzündet. Man behauptete, dass
jeder, der in unmittelbarer Nähe der Kerze schliefe, weder sprechen noch
sich bewegen könne, bis die Hand wieder weggenommen würde und der Schläfer
erst dann wie betäubt aufwache. Die Leichenhand konnte jedoch auch einfach
getrocknet und eingelegt und direkt an den Fingern angezündet werden. Wollte
der Daumen nicht brennen, war das eine Warnung, dass jemand in der Nähe
wachte und daher nicht der Macht der Hand unterlag.
Vielen Hexen legte man während des Prozesses den Besitz einer main de la
gloire zur Last, und die grässlichen Kerzenhalter wurden in der
Volksphantasie mit der Zeit zu einem wichtigen Hexenrequisit. Die
Dämonologen des sechzehnten Jahrhunderts meinten, dass die Hexen ihre
Giftmischungen beim Licht einer solchen Leichenhand zubereiteten, damit das
Gebräu die gewünschte tödliche Wirkung habe. Auch Dieben sagte man nach, sie
würden sich beim Ausrauben eines Hauses mit einer Leichenhand vor ihrer
Entdeckung schützen. Die Hand sollte durch blosse Berührung angeblich auch
Schlösser öffnen. Um die Wirkung zu verstärken, sagten sie der Überlieferung
zufolge einen bestimmten Spruch her:
Lass die Ruhenden tiefer schlafen; Lass die Wachenden wach bleiben.
Oh, main de la gloire, verströme dein Licht
Und führ' uns zu unserer Beute heut Nacht.
Eine bekannte Geschichte aus dem sechzehnten Jahrhundert erzählt, wie ein
Dieb, der als Bettler verkleidet an einem Haus anlangte, seine Leichenhand
entzündete, damit die Bewohner nicht aufwachten, während er das Gebäude
plünderte. Ein Dienstmädchen fand die Hand. Nachdem es vergeblich versucht
hatte, die Schlafenden zu wecken, löschte es die brennenden Finger, indem es
Milch darüber goss. Der Dieb wurde gefangen und für seine Tat gehängt.
Solche Berichte gab es - in abgewandelter Form - auch anderswo. So
beispielsweise im niederländischen Huy oder in Loughcrew, in County Meath,
Irland, wo noch 1831 Diebe, die bei einem Einbruch gestört worden waren,
eine Leichenhand zurückgelassen hatten.
Einen Schutz vor der unheilvollen Wirkung der main de lagloire bot angeblich
das Bestreichen der Schwelle des Haupteingangs und anderer Zugänge zum Haus
mit einer speziellen Salbe aus der Galle einer schwarzen Katze, dem Fett
einer weissen Katze und dem Blut einer Eule.
Eine main de la gloire ist im Museum von Whitby im nördlichen Yorkshire als
Ausstellungsexponat zu sehen. |