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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Lykanthropie

Geheimnisvoller Prozess, durch den eine Hexe oder ein Zauberer angeblich die Gestalt eines Wolfes annehmen konnte. Die Werwolf-Mythologie ist insofern eng mit dem Hexenglauben verbunden, als solche Metamorphosen ein wesentliches Merkmal des europäischen Hexenwesens waren. Diesem Glauben zufolge verwandelten sich die Hexen in Hasen, um den Kühen die Milch zu stehlen, in Vögel und Katzen, um arg-lose Menschen auszuspionieren, und in Wölfe, um Kinder zu rauben.
Der Mythos der Lykanthropie hat seinen Ursprung möglicherweise in einem antiken heidnischen Wolfskult; er wurde von zahlreichen Volkssagen genährt, die in allen Kulturen existieren und in denen Menschen ihre Gestalt ganz nach ihrem Willen oder durch einen Zauber wechselten. Im Mittelalter waren die Autoritäten darüber, ob Lykanthropie möglich sei oder nicht, geteilter Meinung. Die Kirche wies diese Vorstellung zurück, da sie ein Verstoss gegen die Allmacht Gottes zu sein schien, und machte von Dämonen hervorgerufene Täuschungen für die Geständnisse jener verantwortlich, die erklärten, über solche Gaben zu verfügen. Der Canon Episcopi aus dem zehnten Jahrhundert stärkte diese Ansicht, doch die Vermutung, dass sich eine neue Hexensekte entwickelt habe, untergrub diese Haltung, und im vierzehnten Jahrhundert fragten sich die Gelehrten abermals, ob Lykanthropie eine blosse Täuschung sei. Einige von ihnen, darunter Jean Bodin und Henri Bouget, waren wie auch ein grosser Teil der Öffentlichkeit überzeugt, dass Hexen ihre Gestalt wirklich ändern konnten, während andere dagegenhielten, dass Menschen, die glaubten, sich in Wölfe verwandeln zu können, von Satan getäuscht oder einfach geistig verwirrt seien. Im dreizehnten Jahrhundert akzeptierte der Jurist Gervasius von Tilbury in seinen Otia imperialia die Verwandlung als Tatsache: „In England sehen wir häufig Menschen, die beim Wechsel des Mondes in Wölfe verwandelt werden, welche die Franzosen gerulfos, die Engländer aber werewulf nennen.” Andere Experten meinten, leichtgläubige Menschen würden vom Teufel zu dem Gedanken verleitet, sie seien Wölfe und hätten Verbrechen an Vieh und Menschen begangen, die in Wirklichkeit vom Teufel und seinen Günstlingen verübt worden seien.
Besonders auf dem europäischen Kontinent gestand eine ganze Anzahl Hexen, manche davon offensichtlich wahnsinnig, Wolfsgestalt angenommen zu haben, uni Schaden anzurichten. Als Wölfe hätten sie Vieh angefallen und kleine Kinder gefressen. Diese Geständnisse waren häufig mehr als hinreichend, um die betreffende Person auf den Scheiterhaufen zu bringen oder zumindest in eine Irrenanstalt zu sperren. Wie andere Hexen, so beschrieben mitunter auch jene, die angeblich die Wolfsgestalt annehmen konnten, wie sie zu Hexensabbaten zusammengekommen seien, bei denen der Teufel den Vorsitz gehabt habe. Überall in Europa erzählte man sich Geschichten von Wölfen, die geschossen oder anderweitig verwundet wurden, als sie Vieh oder Menschen angriffen; die gleichen Verwundungen seien dann bei Menschen festgestellt worden, die unter dem Verdacht standen, sich in einen Wolf verwandeln zu können. Als Anzeichen dafür, dass eine Person in Wirklichkeit ein Werwolf sei, galten behaarte Handteller und über der Nasenwurzel zusammengewachsene Augenbrauen.
Als die Wölfe aus der Landschaft verschwanden, wurden auch die Hexen seltener beschuldigt, Wolfsgestalt angenommen zu haben, und statt dessen bezichtigt, als Katzen, Hunde oder andere Haustiere umzugehen. Welche Gestalt sie auch immer annahmen, herrschte doch weit und breit Einigkeit darüber, dass eine solcherart verwandelte Hexe nur getötet werden konnte, wenn man das Tier mit einer Kugel aus Silber erschoss - eine Vorstellung, die heute ein wesentlicher Bestandteil des modernen Werwolf-Mythos ist.

 

 

 

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