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Zaubertrank, der das Herz
eines Menschen unabhängig von dessen wahren Gefühlen erobern soll.
Unzähligen Hexen schrieb man die Macht zu, Tränke bereiten zu können, die
die Gefühle beeinflussten, und in vielen historisch verbürgten Prozessen
spielten Vorwürfe, die angeklagte Person habe solche Tränke verabreicht,
eine zentrale Rolle. Anne Boleyn war nur eine der prominenten Gestalten,
über die das Gerücht ging, sie hätten einen König mit Hilfe eines solchen
Liebeszaubers umgarnt. In England war der Glaube an diese Art von Magie so
stark, dass sich jedermann, der „Geisterbeschwörung, Hexerei oder Zauberei
anwandte um ... eine Person zu unrechter Liebe zu reizen”, nach dem
Hexengesetz von 1542 eines schweren Verbrechens schuldig machte. Ähnliche
Bestimmungen in den Hexengesetzen von 1563 und 1604 bestätigten die
Gesetzwidrigkeit einer solchen Handlung.
In vielen Fällen brachte der Trank eine Person angeblich dazu, sich in den
Menschen zu verlieben, den sie nach der Einnahme des Trankes als ersten sah.
Es gab jedoch auch andere, gezielter wirkende Gebräue. Die wirksamsten
Liebestränke enthielten irgendeine Spur vom „Wesen” des gewünschten Opfers -
vielleicht einige Haarsträhnen oder ein paar Fingernagelschnipsel. Durch das
Beschwören dieser Dinge und das Mischen mit gewissen Kräutern oder anderen
Zutaten sollte eine Hexe oder der Klient einer Hexe jede Person herbeirufen
und sie auf jede beliebige Weise beeinflussen können.
Die Beschaffung von „Proben” des Opfers war nicht immer einfach. In einer
bekannten Geschichte über den schottischen Lehrer Dr. John Fian, den ein
Gericht 1S90 nach der Folter als Hexenmeister zum Tode verurteilte, wird
folgendes erzählt: Der Zauberer wollte die Liebe der Schwester eines seiner
Schüler gewinnen. Er verleitete deshalb den Schüler dazu, „drei Schamhaare
seiner Schwester” zu stehlen, was dem Jungen jedoch nicht gelang, ohne dabei
seine Schwester aus dem Schlaf zu wecken, die sich daraufhin bei ihrer
Mutter beschwerte. Die Mutter - selbst eine Hexe - verstand sogleich, was im
Gange war, und gab ihrem Sohn drei Haare von einer Färse, die er dem Lehrer
bringen sollte. Der arglose Magier sprach seine Zauberformeln über diesen
Haaren und wurde daraufhin auf all seinen Wegen von einer liebestollen Kuh
verfolgt, die „sich dem Schulmeister näherte und um ihn herumsprang und
herumtanzte”.
Unter den Pflanzen, denen man die stärkste aphrodisische Wirkung nachsagte,
waren viele mit charakteristischem Äusserem und Geschmack. Spargel, Lauch
und Pastinake ähnelten den menschlichen Geschlechtsteilen, während andere im
Körper die Empfindung von sitze und damit Leidenschaft hervorriefen. Von den
exotischeren Pflanzen bevorzugten manche Hexen vor allen anderen angeblich
die Mandragora, die sie zu Brei zerstampften und mit Salz mischten. Diesem
Gewächs schrieb man seit jeher die Fähigkeit zu, Leidenschaften wecken zu
können. Für andere, radikalere Zauber wurde das Knochenmark und die Milz
eines jungen Mannes benötigt, den man als Voyeur ertappt und sogleich
ermordet hatte. Weniger ungewöhnlich, doch offensichtlich auch wirksam beim
Liebeszauber waren Pflanzen wie die Ringelblume, Johanniskraut und
Immergrün, die pulverisiert und mit einigen Regenwürmern vermischt und dann
zusammen mit Fleisch verspeist werden mussten. Die Palette der Zutaten für
Liebestränke enthielt unter anderem auch betäubende Parfums, Ingwer und Zimt
sowie Tierhoden, Krötengift, Ochsengalle, die Lunge von Eseln sowie Herzen,
Urin und Sperma von Menschen.
Die Hexen boten angeblich auch „Anti-Aphrodisiaka” an, die unerwünschte
Begierden dämpfen sollten. Dazu gehörte der Mohn, der weit und breit als
Bezähmer der sinnlichen Leidenschaft galt. Im Mittelalter legten die Frauen
grossen Wert auf sogenannte „Ringe des Vergessens”, mit deren Hilfe sie
verflossene Liebschaften vergessen und sich auf neue Aussichten
konzentrieren konnten. Zu den ausgefalleneren Lösungen für dieses Problem
zählte der Verzehr von Eidechsen, die in Urin getaucht wurden, und die
Anwendung von Einreibungen aus Mäusedreck. |