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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Lancre, Pierre de 1553-1631

Französischer Jurist, der 1609 in einer von ihm angestifteten viermonatigen Hexenjagd in der Baskenregion nördlich der Pyrenäen etwa sechshundert angebliche Hexen zum Tode verurteilte. Von Heinrich IV. von Frankreich in die Region Labourd geschickt, um dort die Hexenseuche auszurotten, die in der Gegend wüten sollte, verbreitete de Lancre unter der dortigen Bevölkerung Furcht und Schrecken, als er ungezählte Männer, Frauen und Kinder vor Gericht zerren liess. De Lancre, der die Sprache und Kultur der Basken verachtete, bediente sich seiner umfangreichen Kenntnis der Hexentheorie und der gerichtlichen Verfahrensweise, um die Verdächtigen aufgrund fadenscheinigster Beweise zu verurteilen. Oftmals erhob er Anklagen auf der Basis unbewiesener Anschuldigungen, die von unmündigen Kindern stammten.
De Lancre, der aus einer in Bordeaux ansässigen wohlhabenden Familie stammte, sah sich selbst als Kämpfer, der den durch die einstige richterliche Nachsicht entstandenen Schaden wiedergutmachte und jede Hexenverbrennung als moralischen Sieg ansah. Die Gefahren des Hexenwesens waren ihm zum erstenmal ins Bewusstsein gedrungen, als er 1599 auf dem Weg ins Gelobte Land war und, wie er behauptete, auf der Durchreise in Rom ein Mädchen gesehen hatte, das vom Teufel in einen Jungen verwandelt wurde. Als Richter nahm er jede Gelegenheit wahr, Hexen aufzuspüren und strafrechtlich zu verfolgen - ein Diensteifer, mit dem er 1609 das Vertrauen Heinrichs IV. gewann.
Die Ergebnisse seiner Untersuchungen in baskischen Region überzeugten de Lancre, er eine gewaltige hochorganisierte Hexenverschwörung aufgedeckt hatte, deren Ziel es war, die christliche Welt zu vernichten. Unter Leitung des Teufels persönlich wurde ein hierarchisch geordnetes Heer von Hexen mit Zeremonien, einem anerkannten Pantheon diabolischer Heiliger und einem komplexen System von Hexenzirkeln versammelt, die gemeinsam ihre Ziele zu erreichen suchten. Um allen Bezichtigungen, er leide unter Verfolgungswahn, entgegenzutreten, verwies de Lancre auf die Ähnlichkeiten zwischen den vermeintlichen Verbrechen der Hexen überall in Europa und leitete daraus einen gemeinsamen antichristlichen Vorsatz ab. Als Beweis für diesen Vorsatz hob er den blasphemischen Charakter vieler Zeremonien hervor, die die Verdächtigen dem Vernehmen nach abhielten und bei denen anstelle von Jesus Christus der Teufel angebetet wurde. Er, Pierre de Lancre, habe Geständnisse gehört, in denen die Hexen zugaben, vor dem Teufel auf die Knie gefallen zu sein, Christus verleugnet und ihrem Meister mit Worten wie „Grosser Herr, den ich bewundere” gehuldigt zu haben.
Besonders entsetzten de Lancre die Geistlichen, die sich als Hexenmeister entpuppt hatten und nun zusammen mit den Frauen vor Gericht gestellt wurden. Er bekannte, dass es ihn mit Erstaunen und Abscheu erfülle, wenn manche Hexen vor ihm behaupteten, sich auf die Hexensabbate mit ihren Gelagen, Tänzen und Orgien gefreut zu haben. Er berichtete, dass sie „die Zeit wegen des Vergnügens und des Glückes, das sie dort genossen, als zu kurz empfanden, so dass sie mit unendlichem Bedauern auseinander gingen und sich nach der Zeit sehnten, da sie wiederkommen konnten”.
Das Überhandnehmen der Hexen in der Region von Labourd, wo nach de Lancres Schlussfolgerung die gesamte Bevölkerung vom Hexenwesen verdorben war, liess sich nach Meinung des Juristen mit der geographischen Abgelegenheit des Gebietes erklären. Nachdem die „Pestilenz” im späten fünfzehnten Jahrhundert aus Bearn in die Region von Labourd gelangt sei, habe sie sich jahrelang im verborgenen ausgebreitet, ohne dass es von jemandem in der Welt rundum bemerkt worden sei.
De Lancre unterschied zwei Arten der Hexerei. In seinen Augen bildeten Hexen, die auf die Giftmischerei spezialisiert waren, eine gesonderte Gruppe. Hier muss erwähnt werden, dass nur wenige Autoritäten diese Kategorisierung unterstützten. Seine Beschäftigung mit Fällen vermeintlicher Verwandlung überzeugte ihn indes von der tatsächlichen Existenz der Lykanthropie als einer weiteren Manifestation des Bösen im Baskenland.
De Lancre hinterliess in mehreren Büchern ausführliche Berichte über seine Aktivitäten gegen das Hexenwesen, die weitverbreitet waren und häufig von anderen Hexenrichtern zu Rate gezogen wurden. Er beschrieb seine Methoden der Hexenjagd und die Prozesse, mit denen er zu tun hatte, in einem sechshundert Seiten langen Buch mit dem Titel Tableau de l'inconstance des mauvais Anges - Beschreibung der Treulosigkeit gefallener Engel, das 1612 erschien. Andere Werke aus seiner Feder waren L'incredulite et mescreance du sortilege - Unglaube und Irrglaube der Zauberei aus dem Jahre 1622 und Du sortilege - Über die Zauberei, das 1627 veröffentlicht wurde. Beobachter seiner Zeit, darunter auch der Abbe Laurent Bordelon, trachteten danach, de Lancres Schriften ins Lächerliche zu ziehen, indem sie berühmte Parodien auf dessen Tableau de l'inconstance publizierten, doch eine weit grössere Zahl von Menschen nahmen de Lancres Worte für bare Münze und benutzten dessen Theorien, um ihre eigenen Hexenjagden zu rechtfertigen.

 

 

 

 

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