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Irische Aristokratin, um
die es in einem der frühesten bekannten Hexenprozesse in Irland ging, und
die bis heute die bekannteste irische Hexe ist. Dame Alice Kyteler aus
Kilkenny in Südostirland war reich, hatte gute gesellschaftliche
Verbindungen und entstammte nach ihren Worten einer angesehenen
anglo-normannischen Familie. Sie geriet im Jahre 1324 unter den Verdacht der
Hexerei, als Sir John le Poer, ihr vierter Ehemann, zu der Überzeugung
gelangte, seine Ehefrau sei die Ursache seines schlechten
Gesundheitszustandes. Sir Johns Argwohn wurde durch die Andeutung eines
Dienstmädchens aus seinem Hause geweckt, und er verstärkte sich, als Sir
John unter den Sachen seiner Frau eine mit dem Namen des Teufels versehene
Oblate vom heiligen Brot und verschiedene Zauberpulver zusammen mit einem
kleinen Gefäss fand, das eine als Flugsalbe identifizierte Substanz
enthielt.
John berichtete Richard de Landrede, Franziskanerbischof von Ossory, von
seinem Fund. Der Bischof, der Sir John ohne langes Zögern beipflichtete,
dass die Wurzel der Krankheit Hexerei sein müsse, ordnete eine gründliche
Untersuchung an. Man spekuliert, dass der in England geborene Bischof
vielleicht während seiner Ausbildung in Frankreich, wo den Hexenprozessen
gehört hatte, zu der Überzeugung gelangt sei, dass Hexerei wirklich
existiere. Vielleicht aber reizte ihn die Tatsache, dass er im Falle eines
Schuldspruches das Vermögen der wohlhabenden Verdächtigen konfiszieren
konnte.
Es wurden weitere Anschuldigungen zusammengetragen, denen zufolge Alice
Kyteler Gott geleugnet, dem Teufel Opfer gebracht, mit einem Dämon namens
Robin Artisson gebuhlt, mit Hilfe von Teufeln die Zukunft ergründet,
sakrilegische Gottesdienste abgehalten und mittels Zauberei Feinden und
deren Viehbestand geschadet hatte. Einige dieser Beschuldigungen stammten
von den Kindern ihrer ersten drei Ehemänner, die verständlicherweise Groll
empfanden, nachdem sie erfahren hatten, dass sie zugunsten von William
Outlawe, dem ältesten Sohn von Lady Alice, enteignet worden waren.
Alice Kyteler und zehn weitere Teufelsanbeter des Ortes, so behauptete man,
trafen sich insgeheim an gewissen Kreuzwegen, um ihren dämonischen Meistern
Hähne und andere lebende Tiere zu opfern, wobei sie die Geschöpfe Stück für
Stück zerrissen und Teile ihrer toten Körper für ihre Zaubereien
verwendeten. Im Schädel eines enthaupteten Räubers brauten sie über einem
Feuer aus Eichenkloben Tränke aller Art zusammen. Weitere Zutaten, die die
Mitglieder des Hexenzirkels für ihre Zaubereien verwendeten, sollten
Kräuter, Spinnen, schwarze Würmer, das Fleisch von Schlangen, Haare und
Nägel von Leichen sowie das Hirn ungetaufter Kinder gewesen sein.
Einmal war Lady Alice gesehen worden, als sie den Schmutz aus den Strassen
von Kilkenny vor die Haustür ihres ältesten Sohnes kehrte und dazu sang:
Zum Haus von William, meinem Sohn, eilt all der Reichtum von Kilkenny.
Dem Vernehmen nach hatte sie mit Hilfe von Robin Artisson auch ihre ersten
drei Ehemänner ermordet, um deren Vermögen zu erben.
Wie auch immer die Wahrheit hinter diesen Anschuldigungen ausgesehen haben
mag - Alice Kyteler erhielt von ihren Mitbürgern grosse Unterstützung, als
sie sich gegen die Vorwürfe wehrte, die ein englischer Bischof mit nur
wenigen Sympathisanten im Ort gegen sie erhoben hatte. Nachdem der Bischof
William Outlawe vor sein Gericht gerufen hatte, damit er sich gegen eine
Anklage wegen Häresie verteidige, kam er selbst ins Gefängnis, wo er auf
Anweisung von Alice Kytelers hochgestellten Freunden und Verwandten siebzig
Tage zubringen musste. Unbeeindruckt davon, schlug der Bischof zurück und
stellte die gesamte Diözese unter ein Interdikt. Diese Massnahme musste er
allerdings wieder aufheben, nachdem Alice Kyteler die Unterstützung des
Lordrichters ein-geholt hatte. Später hatte der Bischof seltsam wenig Erfolg
bei seinem Bemühen um Zusammenarbeit mit den weltlichen Gerichten, die von
Lady Alices Familie beherrscht wurden.
Am Ende erhielt der Bischof von den leitenden kirchlichen Autoritäten in
Dublin angemessene Unterstützung, und der Druck auf Alice Kyteler wurde
schliesslich zu gross. Lady Alice floh nach England und überliess es dem
Gericht in Kilkenny, sie in ihrer Abwesenheit der Hexerei schuldig zu
sprechen. Obwohl der Bischof sie wegen ihrer angeblichen Missetaten
exkommunizierte und ihr in Irland verbliebenes Vermögen einziehen liess,
scheint Alice Kyteler nie eine Strafe für ihre Verbrechen verbüsst zu haben.
Den Rest ihres Lebens soll sie in Frieden in England verbracht haben.
Einige von Alice Kytelers „Komplizen” hatten weniger Glück. Ihre Kammerzofe
Petronilla de Midia und andere traf ein weit schlimmeres Schicksal.
Petronilla wurde sechsmal hintereinander bis zur Bewusstlosigkeit
geschlagen, bis sie zugab, dass jeder Vorwurf gegen die Angeklagte der
Wahrheit entsprach, und obendrein hinzufügte, dass sie all ihre Kenntnisse
der schwarzen Künste von Alice Kyteler persönlich habe. Die dem Untergang
geweihte Frau wurde exkommuniziert, ehe man sie, die den Bischof bis zuletzt
beschimpfte, am 3. November 1324 auf dem Marktplatz von Kilkenny bei
lebendigem Leib verbrannte. Petronilla de Midia war der erste Mensch in der
irischen Geschichte, der als Hexe hingerichtet wurde. Die anderen, die man
als John, Ellen und Syssok Galrussyn, Robert of Bristol, William Payn de
Boly, Alice Faber, Annota Lange und Eva de Drownestown identifizierte,
wurden zu verschiedenen Strafen verurteilt, die von Prügel und Verbannung
bis zur Verbrennung auf dem Scheiterhaufen reichten.
Ermutigt durch seinen Erfolg, beschloss Bischof de Landrede, William Outlawe
noch ein-mal vor Gericht zu stellen, damit er sich für seine Vergehen
verantworte. Er überredete schliesslich den obersten Richter von Irland, den
Kanzler, den Schatzmeister von Irland und den Königlichen Rat, nach Kilkenny
zu kommen, uni über den Angeklagten, der zur Zusammenarbeit mit ihnen
verpflichtet war, zu Gericht zu sitzen. Outlawe gab gehorsam zu, er sei
einem Irrtum verfallen gewesen. Man befahl ihm, zur Wiedergutmachung ein
Jahr lang täglich drei-mal zur Messe zu gehen, die Armen der Stadt mit
Nahrung zu versorgen und die Kosten für ein neues Kathedralendach zu
übernehmen. Alice Kytelers Sohn erklärte sich ruhig und gelassen damit
einverstanden und vergass alles, sobald er das Gericht verlassen hatte.
Als Nächsten verfolgte Bischof de Landrede Sir Arnold le Poer, Seneschall
von Kilkenny und angeblich der gehörnte Gott in Alice Kytelers Hexenzirkel,
der einst versucht hatte, die Kampagne des Bischofs gegen Lady Alices
Familie zu vereiteln, und der den hohen kirchlichen Würdenträger damals als
„nichtsnutzigen groben Durchgänger aus England” beschrieben hatte. Als der
Bischof zweimal in vollem Ornat, mit allen Insignien seiner Macht und dem
heiligen Sakrament in einem Abendmahlskelch vor Sir Arnolds Gericht
erschienen war, hatte man ihn jedes Mal mit einem Minimum an Etikette
abgewiesen. Sir Arnold wurde zu einer öffentlichen Geste der Aussöhnung mit
dem Bischof gezwungen, doch das war Richard de Landrede nicht genug, und er
überstellte ihn nach Dublin. Hier wurde Sir Arnold jedoch vom Kanzler Roger
Outlawe, einem weiteren Verwandten von Lady Alice, als Ehrengast behandelt.
Der Bischof war nun so unklug, den Kanzler selbst der Ketzerei anzuklagen.
Sir Arnold starb indessen in Dublin eines natürlichen Todes, und der Kanzler
Roger Outlawe liess sich durch eine gleichgesinnte geistliche Kommission
(die bei einem Bankett auf Kosten des Kanzlers fürstlich bewirtet wurde) von
jeglichem Verdacht der Häresie reinwaschen. Der Kanzler wandte sich dann an
die Vorgesetzten des Bischofs, und de Landrede wurde zum Papst bestellt, um
seine Aktivitäten zu erläutern und sich - Ironie des Schicksals - gegen die
Anklage der Häresie zu verteidigen. In seiner Abwesenheit übte Alice Kyteler
mittels ihres Einflusses auf den englischen Hof Rache, indem sie die
Ländereien und den Besitz des Bischofs von der Krone konfiszieren liess. Sie
wurden schliesslich wieder zurückerstattet, doch nach einer zweiten Anklage
wegen Häresie dann ein weiteres Mal eingezogen. Der Bischof konnte sich 1360
schliesslich von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen reinwaschen. |