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Die Kröte ist eines der
Tiere, die im Volksglauben am engsten mit dem Hexenwesen verbunden waren.
Der Überlieferung zufolge erschienen die Hausgeister häufig als Kröten, und
in Mitteleuropa war die Vorstellung verbreitet, die Hexen selbst könnten
sich mit der Gestalt eines solchen Tieres tarnen. In seinem Paradise Lost -
Das verlorene Paradies - liess John Milton den Satan sich in eine Kröte
verwandeln, um Gift in Evas Ohr zu träufeln. Die mittelalterliche
Ketzersekte der Luziferaner verehrte den Teufel in Gestalt einer Kröte.
Eine grosse Zahl Hexen gab zu, Kröten als Hausgeister zu haben, und führte
die Tiere zum Beweis gelegentlich auch vor. Dr. William Harvey, der Leibarzt
Karls 1., bekam einst von einer vermeintlichen Hexe aus Newmarket einen
solchen Krötenhausgeist gezeigt.
Ungeachtet des Protests der Frau, begann er, das Tier zu sezieren, wobei er
feststellte, dass es sich in jeder Hinsicht um eine ganz gewöhnliche Kröte
handelte. 1665, einige Jahrzehnte darauf, sagte ein Dr. Jacob aus Yarmouth,
der sich brüstete, behexten Kindern helfen zu können, beim Prozess gegen die
Hexen von Bury St. Edmunds aus, im Bettzeug eines der Kinder, die in diesen
Fall verwickelt waren, eine Kröte gefunden zu haben. Er äusserte vor dem
Gericht, dass er das Tier sofort als Hausgeist oder getarnte Hexe erkannt
und den Kindern befohlen habe, die Kröte ins Feuer zu werfen. Dort sei sie
explodiert. Später fanden sich an den Armen der angeklagten Amy Duny
Brandwunden, woraus man schloss, dass sie dieses Geschöpf gewesen sein
musste.
Kröten oder Körperteile von Kröten waren eine Standardzutat von
Hexengebräuen. Die Verbindung mit dem Hexenwesen hing wahrscheinlich mit dem
Ruf dieser Tiere zusammen, giftig zu sein. Sie können aus Hautdrüsen
tatsächlich Säuren absondern, wenn sie Gefahr wittern. Dieses Gift
verwendeten die Hexen angeblich für ihre Zauber. Die 1591 verurteilten Hexen
von North Berwick gaben zu, versucht zu haben, Jakob VI. von Schottland -
den späteren Jakob I. von England - zu vergiften. Dazu hätten sie geplant,
ein Kleidungsstück des Königs mit dem Gift einer schwarzen Kröte zu tränken,
die sie drei Tage lang an den Beinen hätten hängen lassen. Es sei ihnen
allerdings nicht gelungen, etwas aus des Königs Garderobe zu beschaffen, das
sie mit der, wie sie meinten, tödlichen Flüssigkeit hätten bestreichen
können. Agnes Sampson, eine der Frauen, die in das Komplott verwickelt
waren, behauptete, dass der König unter grossen Schmerzen hätte sterben
müssen, so „als ob er auf spitzen Dornen und Nadeln läge”, wenn der Anschlag
gelungen wäre. Andernorts erzählte man sich, dass eine Hexe sich
augenblicklich unsichtbar machen könne, wenn sie sich mit einer
Zauberflüssigkeit aus Krötenspucke und Gänsedistelsaft ein schiefes Kreuz
auf die Haut male.
In Ostengland herrschte der Aberglaube, dass gewisse „Krötenmänner” Macht
über Pferde hätten und sie entgegen allen Bemühungen der Kutscher oder
Reiter wie angewachsen auf der Stelle stehen lassen könnten. Diese Kraft
sollte dem „Krötenmann” aus einem komplizierten Ritual erwachsen, bei dem er
eine Kröte häuten und deren Körper auf einen Ameisenhaufen legen musste, wo
er blieb, bis nur noch das Skelett übrig war. Die getrockneten Knochen
mussten dann um Mitternacht in einen Bach gelegt werden. Die knöchernen
Überreste, so behauptete man, würden einen schrecklichen Schrei ausstossen,
und einer der Knochen, dem grosse Zauberkraft innewohne, würde stromaufwärts
zu schwimmen beginnen. Den müsse der angehende „Krötenmann” nur packen, um
verschiedene okkulte Kräfte zu erlangen.
Kröten trugen im Kopf angeblich einen Edelstein, der als Mittel zum
Aufspüren von Gift sehr geschätzt wurde. Adlige, die um ihr Leben
fürchteten, trugen in dem Glauben, sie würden sie vor Giftanschlägen warnen,
häufig Ringe mit einem solchen Juwel zur Schau.
Abergläubische Menschen legten grossen Wert auf sogenannte „Krötensteine”,
wie faktisch jeder Stein genannt wurde, der durch seine Form oder Farbe an
eine Kröte erinnerte.
Sie sollten ausgezeichnete Heilmittel bei Bissen oder Insektenstichen sein.
Um zu prüfen, ob ein Krötenstein über besondere Kräfte verfügte, musste man
ihn einfach vor eine lebendige Kröte legen; kroch das Tier auf den Stein zu,
dann galt er als echt.
Wegen der lange gehegten Vorstellungen, die die Kröte mit dem Hexenwesen
assoziierten, betrachtete man das Tier als ein unheilvolles Geschöpf, und
noch immer blicken manche Menschen mit Abscheu auf die Kröte, die angeblich
Unglück bringt. Wurde das Vieh krank, dann war es einst gang und gäbe, den
Grund für den schlechten Zustand der Tiere in Krötenbissen zu suchen.
Allerdings zögerten die Bauern, eine Kröte zu töten, da sie fürchteten,
damit einen Wolkenbruch hervorzurufen. Einer Überlieferung aus der
Grafschaft Devonshire zufolge musste man Kröten fangen und verbrennen, so
wie es mit den Hexen auf dem europäischen Kontinent geschah, um deren
magischen Kräfte zu vernichten. Eine Kröte mit blossen Händen anzufassen,
galt als nicht ratsam, denn dadurch bekam man angeblich Warzen. |