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Das Knüpfen von Knoten zu
einem bestimmten magischen Zweck galt lange Zeit als eine Fertigkeit der
perfekten Hexe. Die Kompliziertheit eines gut gebundenen Knotens sollte
Dämonen in Entzücken versetzen können. Daher stammt die Praxis, in ein
Taschentuch Knoten zu binden, um sich an etwas Wichtiges zu erinnern: Die
Knoten würden den Teufel oder einen anderen bösen Geist ablenken, der darauf
aus war, die betreffende Person vergessen zu lassen, woran sie sich zu
erinnern suchte.
Die weissen Hexen waren bekannt dafür, dass sie Warzen oder andere kranke
Stellen behandelten, indem sie sie mit Knoten berührten und die dazu
verwendete Schnur dann verbrannten oder vergruben. In der Zeit der
Segelschiffe verkauften „weise Frauen” Kordelschnüre mit drei Knoten an die
Matrosen, die darauf bedacht waren, allezeit den richtigen Wind in den
Segeln zu haben. Knüpfte man den ersten Knoten auf, war guter Wind zu
erwarten; wurde der zweite Knoten gelöst, dann sprang eine steife Brise auf;
band man aber den dritten Knoten auf, dann würde ein orkanartiger Sturm das
Schiff heftig vorantreiben. Es existieren noch heute Berichte über solche
„Windverkäufe”, die es in vielen Küstenregionen, darunter auf der Insel Man,
in Wales, Schottland, auf den Orkney- und den Shetlandinseln gab. Noch 1814
berichtete der berühmte schottische Romancier Sir Walter Scott in seinem
Tagebuch, wie er in Stromness von einer Frau namens Bessie Miller einen Wind
„gekauft” habe.
Solcher Bindezauber liess sich jedoch auch für schändliche Zwecke benutzen.
Eine Hexe war in der Lage, durch das sogenannte Nestelknüpfen eine Ehe zu
zerstören. Sie band ein Stück Kordelschnur zu einem rituellen Knoten und
machte damit den Ehemann impotent, bis dieser - wenn sich die Hexe darauf
einliess - für das Lösen des Knotens zahlte. Um Neuvermählte der Freuden des
Ehebettes zu berauben, konnte eine Hexe Flüche über sie sprechen und dabei
Knoten binden. Allerdings hatte der Bräutigam die Möglichkeit, sich vor
solchen Störungen zu schützen, indem er mit offenem Schuhband durch das
Kirchenschiff zu seiner Vermählung ging. In das Bettzeug oder die
Nachtbekleidung einer werdenden Mutter heimlich Knoten zu binden,
verhinderte angeblich eine leichte Geburt, während Knoten im Hemd eines
Sterbenden den Todeskampf verlängern sollten. |