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Von 1567 an König von
Schottland und ab 1603 König von England, der trotz seines Rufes, gelehrt
und vorurteilslos zu sein, als eine der treibenden Kräfte des Hexenwahns
gilt, der im siebzehnten Jahrhundert in England und Schottland ausbrach.
1597 veröffentlichte er ein klassisches Traktat, in dem er die Notwendigkeit
der Wachsamkeit gegenüber dem Hexenwesen betonte. Diese Schrift wurde von
vielen als königliches Siegel der Billigung für jene betrachtet, die viel
von der systematischen Verfolgung der Hexen in ihrer Mitte hielten.
Jakobs Überzeugung von der Existenz der Hexerei bildete sich wahrscheinlich
heraus, als er einst als junger Mann einen Winter bei seiner zukünftigen
Braut in Dänemark verbrachte. Hier kam er mit vielen bemerkenswerten
europäischen Intellektuellen zusammen, die zu dieser Zeit von der
vermeintlichen Bedrohung durch das Hexenwesen beunruhigt waren und an der
Theorie arbeiteten, dass sich die Horden Satans über die gesamte
zivilisierte Welt ausbreiteten. Kurz nach seiner Rückkehr schien sich die
Furcht des Königs vor dieser Bedrohung zu bestätigen, als er 1591 im
Holyrood Palace Agnes Sampson und andere Verdächtige in dem berüchtigten
Fall der Hexen von North Berwick befragte. Unter der Folter, bei der der
König persönlich zugegen war, gestand Agnes Sampson ihre Schuld ein und zog
auch Francis Graf von Bothwell, den ehrgeizigen Cousin des Königs, in den
Fall hinein, der Anführer eines Hexenzirkels sei und ein Komplott gegen die
Krone geplant habe.
Jakob war von Agnes Sampsons Geständnis, dass sie und ihre Komplizen geplant
hätten, ihn auf seiner Reise zu seiner zukünftigen Gemahlin Anne von
Dänemark zu ermorden, besonders beunruhigt. Diesem Geständnis zufolge hatten
sich die Hexen in Zaubersieben auf das Wasser des Forth begeben, als der
König seine Reise nach Skandinavien antrat, und eine Katze ins Meer
geworfen, an der Teile einer Leiche festgebunden waren, um damit einen Sturm
heraufzubeschwören. Die Flotte des Königs war auch tatsächlich in ein
Unwetter geraten, und ein Schiff - allerdings nicht das, mit dem Jakob
reiste - war untergegangen. Nachdem dieses Komplott fehlgeschlagen war,
hatten die Hexen ein Wachsbild von Jakob geformt, das sie beim Weitergeben
von Hand zu Hand als König bezeichneten, ehe sie es über einem Feuer braten
liessen.
Jakob hörte sich die Aussage der Agnes Sampson und der anderen Angeklagten
aufmerksam an und brachte dann seine Zweifel an der Wahrheit des Gehörten
zum Ausdruck. Schliesslich verlor er die Geduld und nannte die Frauen
„ausgesprochene Lügnerinnen”, doch seine Stimmung änderte sich sehr rasch,
nachdem Agnes Sampson ihm angeblich die Worte ins Ohr geflüstert hatte, die
Jakob und seine Braut in ihrer Hochzeitsnacht gesprochen hatten. Der
überraschte Jakob, der zugab, dass „all die Teufel in der Hölle das nicht
hätten herausfinden können”, hatte nun keine andere Wahl mehr, als das
Verbrechen der Angeklagten zu akzeptieren und den Schuldspruch gegen sie zu
unterstützen. Agnes Sampson wurde später in Haddington hingerichtet. Als
Barbara Napier, eine andere Angeklagte, freigesprochen wurde, weil sie
schwanger war, beschuldigte James die Richter, eine „Gerichtssitzung des
Irrtums” abgehalten zu haben:
Denn ich weiss, dass das Hexenwesen, ein Ding, das sehr häufig mitten unter
uns gewachsen ist, eine höchst abscheuliche Sünde ist, und ich bin drei
Viertel dieses Jahres damit geschäftig gewesen, jene unter ihnen ausfindig
zu machen, die hierin schuldig sind. Die Gesetze Gottes und der Menschen
lehren uns, dass diese Sünde höchst hassenswert und durch Gottes Gesetz mit
dem Tod zu bestrafen ist. Vom Gesetz des Menschen wird sie maleficium oder
veneficium - eine böse oder eine schädliche Tat - genannt und ist
desgleichen mit dem Tod zu bestrafen.
Was die Richter veranlasst hat zu befinden, wie sie es getan haben, war die
Tatsache, dass sie keine Aussage hatten ausser der von Hexen, die sie für
ungenügend hielten. Durch das zivile Recht weiss ich, dass solch schändliche
Personen nicht als Zeugen anerkannt sind ausser in Fällen von Häresie und
lesae majestatis. Obwohl es auf andere Angelegenheiten nicht zutrifft, gibt
es in diesen Fällen von Hexerei dennoch guten Grund, sie zuzulassen. Erstens
kann ein ehrlicher Mensch nichts über diese Dinge wissen. Weil sie sich
zweitens nicht selbst anklagen werden. Weil drittens keine ihrer Taten
gesehen werden kann.
Ausserdem nenne ich jene Hexen, die Gott verleugnen und sich gänzlich dem
Teufel überlassen; doch wenn sie es nicht getan haben, dann betrachte ich
sie nicht als Hexen, und so ist ihr Zeugnis ausreichend.
Die Richter mussten sich für ihre Milde entschuldigen. Bothwell musste ins
Exil gehen, wo er keine ernsthafte Bedrohung mehr für Jakobs Thron
darstellte.
Auch wenn es vielleicht politisch motiviert war, veranlasste Jakobs
Interesse an dem Prozess gegen Agnes Sampson und andere Mitglieder ihres
Hexenzirkels den König, seine Gedanken zu diesem Thema in seiner Schrift
Dämonologie festzuhalten, die 1597 - im selben Jahr, in dem der
Massenprozess gegen die Hexen von Aberdeen stattfand - in Form eines langen
Dialogs veröffentlicht wurde. Diese Abhandlung war zum Teil auch als Antwort
auf Reginald Scots skeptisches Werk Disuroerie of Witchcraft aus dein Jahre
1584 geschrieben worden und unterstützte im grossen und ganzen den Gedanken,
dass Hexerei eine reale Bedrohung darstelle. Jakob stellte allerdings die
Stichhaltigkeit einiger Theorien zu den Fähigkeiten und Praktiken der
Schwarzkünstler in Frage und warnte davor, Anschuldigungen ohne bestätigende
Beweise zu akzeptieren sowie die Existenz von Werwölfen zu vernachlässigen.
Andererseits unterstützte er die Praxis des Schwemmens und der Suche nach
dem Teufelsmal, womit die Schuld einer angeklagten Person bestätigt werden
konnte. Das Buch, das 1604 auch südlich der englisch-schottischen Grenze
erschien, fand im gesamten Königreich eine aufgeschlossene Leserschaft. Die
gesamte Auflage von Reginald Scotts Buch hingegen wurde 1603 auf königlichen
Befehl verbrannt.
In seinem ersten Herrschaftsjahr als König von England peitschte Jakob ein
neues Hexengesetz durch, das im Vergleich zu dem vorherigen Gesetz aus dem
Jahre 1563 weit härter war, das Strafmass erhöhte und die Hexenjagd
intensivierte. In Übereinstimmung mit dem Vorgehen auf dem europäischen
Kontinent suchten die Gerichte nun nach Hinweisen auf den Pakt mit dem
Teufel, statt sich auf den Nachweis wirklich begangener Maleficia zu
konzentrieren. Zu Jakobs Entlastung muss gesagt werden, dass seine
Vorbehalte gegen die Aussagekraft der Beweise in vielen Fällen sehr wohl
bekannt wurden und zweifellos manche Ausschreitung der Gerichte zügelte, zu
denen es ansonsten vielleicht gekommen wäre. Bei mehreren Gelegenheiten wich
er von seiner gewohnten Art ab und kritisierte öffentlich die Richter, die
es versäumt hatten, abenteuerliche Anschuldigungen, die sich allein auf
Beweise vom Hörensagen gründeten, gebührend zu hinterfragen.
1616 demonstrierte Jakob seine vorsichtige Haltung gegenüber Beweismitteln
in besonderen Fällen, als er den dreizehnjährigen John Smith verhörte, der
im Mittelpunkt des Verfahrens vor den Assisen von Leicestershire stand. Neun
Hexen waten bereits gehängt worden, weil man sie für schuldig befunden
hatte, dem jungen Burachen ein Anfallsleiden angehext zu haben, und weitere
sechs warteten wegen der gleichen Sache auf ihr Verhör. Jakob befragte den
Jun-8en und kam - wie auch der Erzbischof - zu der Überzeugung, dass er eine
Falschaussage gemacht hatte. Schliesslich gestand der Junge. Jakob erteilte
den Richtern, Sir Randolph Crew und Sir Humphrey Winch, die neun unschuldige
Frauen in den Tod geschickt hatten, eine strenge Rüge und forderte alle
Juristen auf, Beweise künftig strenger zu beurteilen. Der Fall des Jungen
von Bilson aus dem Jahre 1620, der mit dem Freispruch der Angeklagten
endete, nachdem der minderjährige Kläger ähnlicher Weise zugegeben hatte,
die Anschuldigungen erfunden zu haben, bestärkte Jakob in seiner Skepsis.
Es ist nicht anzunehmen, dass Jakob seinen Glauben an die Existenz der
Hexerei gänzlich aufgab, doch es ist sicher, dass er gegen Ende seines
Lebens von vielen Schlussfolgerungen, die er in seinem berühmten Buch
gezogen hatte, Abstand nahm. In den letzten neun Jahren seiner Herrschaft
wurden Berichten zufolge nur fünf Menschen wegen Hexerei hingerichtet.
Nichtsdestoweniger wurden zur Verteidigung der strafrechtlichen Verfolgung
vermeintlicher Hexen an den Gerichten auch weiterhin Textstellen aus Jakobs
Dämonologie zitiert, und das Gesetz aus dem Jahre 1604 behielt seine
Gültigkeit bis 1736.
Die Umstände des frühen Todes Jakobs I. sind von Geheimnissen umhüllt.
Einige Zeit-genossen entdeckten eine weitere Verbindung zwischen dem
Herrscher und dem Hexenwesen und behaupteten, Dr. Lamb, ein Verbündeter des
Herzogs von Buckingham, habe den König mit Hilfe eines Zaubers vergiftet.
Lamb selbst wurde später vom Londoner Pöbel gejagt und in Cheapside unter
der Anschuldigung, er sei ein Hexenmeister, gesteinigt. Seine Assistentin
Anne Bodenham, der man vorwarf, Gift verkauft zu haben, stand als Hexe unter
Anklage und wurde gehängt. |