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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Italien

Die Geschichte des italienischen Hexenwesens erreichte unter dem Einfluss der Inquisition einen frühen Höhepunkt. Aus der Reformationszeit gibt es allerdings nur relativ wenig Berichte über den Hexenwahn, was vielleicht daran liegt, dass die Kirche in Italien eine perfektere Kontrolle über die Staatsgeschäfte ausübte, als es anderswo der Fall war.
In der Rechtsprechung des alten Rom wurde Zauberei mit dem Tode bestraft, und so wurden viele Menschen für Vergehen wie das Behexen von Feinden durch Wachsbilder oder Giftmischerei gekreuzigt oder den Löwen vorgeworfen. Auch nach dem Erscheinen des Christentums wurden die Zauberer mit Ausnahme der für die Öffentlichkeit arbeitenden Auguren verfolgt; man vertrieb sie in regelmässigen Zeitabständen aus Rom und verkaufte sie in späteren Jahrhunderten in die Sklaverei. Die Erinnerungen an „La Vecchia” - die „alte Religion” - lebten jedoch fort, und so ist denkbar, dass in abgelegenen Gebieten einige Gemeinden auch weiterhin ihrem heidnischem Glauben anhingen und Götter wie Bacchus, Diana Herodias und Venus verehrten. Der Sage nach schwärmten immer ganze Gruppen von Hexen hinter ihrer Anführerin Diana Herodias über den nächtlichen Himmel. Diese Zusammenkünfte mögen vielleicht die Hexensabbate angeregt haben, zu denen die späteren Generationen europäischer Hexen angeblich zusammenkamen.
In den ersten Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts wurden die „weisen Frauen” der entlegenen italienischen Dörfer zur Zielscheibe der Inquisition. Ungeachtet der Tatsache, dass viele von diesen Frauen nicht mehr getan hatten, als Tränke aus wilden Kräutern zu brauen und wahrzusagen, wurden sie von den Inquisitoren unbarmherzig verfolgt. Eine weitere Gruppe, gegen die sich die Aktivitäten richteten, stellten die Wahrsager dar, die sich ihren Lebensunterhalt damit verdienten, für gutbetuchte Klienten in den Städten die Zukunft zu ergründen. Die Obrigkeit bemühte sich besonders, jeden zu verfolgen, der der Giftmischerei verdächtig war, und so stand das Zusammenbrauen eines jeglichen Trankes bereits im zwölften Jahrhundert unter Strafe.
Die 1484 von Papst Innozenz VIII. erlassene Bulle öffnete der Verfolgung Tür und Tor und signalisierte den Beginn des Hexenwahns überall in Europa. Die Überzeugung wuchs, dass die christliche Gesellschaft von einer gewaltigen Armee von Hexen bedroht war, die sich den Mächten der Finsternis verschrieben hatten. In der daraus folgenden Panik führte die Entschlossenheit, das Ketzertum zu zermalmen, wo auch immer es in der italienischen Gesellschaft auftrat, zu Verurteilungen und Massenverbrennungen, die sich auf die fadenscheinigsten Beweise gründeten. Innerhalb weniger Monate nach dem Erlass der Hexenbulle wurden allein m Como im Auftrag der Inquisition einundvierzig angebliche Hexen zu Tode gebracht.
Wie anderswo, so war auch in Italien die typische Hexe eine betagte Frau, die allein lebte und schon lange von ihren Mitbürgern verdächtigt wurde. Man unterwarf die Verdächtigen gewohnheitsmässig der schlimmsten Folter und protokollierte und studierte die so erzwungenen Geständnisse sorgfältig, bis man sich darüber einig war, was ein Hexensabbat sei, wie die Hexen ihre Übeltaten vollbrachten und wie sie erkannt werden könnten. Zu den Gräueln, die italienische Hexen angeblich begingen, gehörten der Mord an Kindern, Kannibalismus, das Buhlen mit Dämonen, die Schändung der Hostie, Abtreibungen und das Herbeihexen des Todes. Ein Kuriosum, das man nur im italienischen Hexenwesen antraf, war „La Volta ", ein schneller, rasender Tanz mit Hopsern und Sprüngen, den die Hexen auf ihren Sabbaten aufführten und von dem man sagte, er sei vom Teufel persönlich erfunden worden
Auch Italien wurde nicht von Massenprozessen verschont. Bekannt wurden der Prozess von 1510, nach dem in Brescia einhundertvierzig Hexen verbrannt wurden, ein Verfahren aus dem Jahre 1514 in Como, das mit der Hinrichtung weiterer dreihundert Verurteilter endete, sowie ein Prozess, der in Valcanonica stattfand und bei dem siebzig Menschen zum Tode verurteilt und über fünftausend Personen der Hexerei verdächtigt wurden.
Um 1520 versuchte der Rat der Zehn von Venedig, der eine Entvölkerung fürchtete, die von der Inquisition in Norditalien inszenierten Massenhinrichtungen einzuschränken, doch Papst Leo X. reagierte darauf mit der Bekräftigung, dass in solchen Fällen die Inquisition die höchste Autorität habe. Die einzige Aufgabe der weltlichen Gerichte bestand darin, die Urteile der Inquisition zu bestätigen. 1633 wurde enthüllt, dass Papst Urban VIII. das Opfer eines Hexenkomplotts werden sollte, das zum Ziel hatte, Kardinal d' Ascoli zum Stellvertreter Gottes auf Erden zu machen.
Typisch für die späteren italienischen Hexenprozesse war der Fall der La Mercuria, einer betagten Frau, die 1646 in Castelnuovo vor dem Glaubensgericht stand. Unter der Folter gab die Frau die Namen mehrerer Komplizen an und berichtete Einzelheiten von den Hexensabbaten, an denen sie teilgenommen hatte, um Satan zu huldigen und Missetaten gegen verschiedene Feinde zu verüben. Auf ihre Aussage hin wurden später acht Menschen enthauptet und anschliessend verbrannt. Zu den bekanntesten Opfern der Hexenjagd gehörte Graf Cagliostro, der 1789 zum Tode verurteilt wurde, weil er mehreren hochgeborenen Gästen in seiner Villa an der Piazza Farnese in Rom seine Dienste als Zauberer angeboten hatte. Es war wahrscheinlich nur seinen ausgezeichneten Verbindungen zu danken, dass man ihm die Todesstrafe ersparte, doch musste er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.
Von der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts an legte sich der Hexenwahn in Italien allmählich, doch es kam noch mehr als zwei Jahrhunderte lang zu sporadischen Ausbrüchen. Selbst heute noch stehen die Menschen in den abgelegenen Gegenden Süditaliens in dem Ruf, alten heidnischen Glaubensvorstellungen anzuhängen.

 

 

 

 

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