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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Irland

Die für ihr reiches Volkstum berühmte irische Kultur ist gegenüber dem Hexenwahn, der zwischen dem fünfzehnten und siebzehnten Jahrhundert Europa überzog, relativ unempfänglich geblieben. Als Gründe dafür sieht man heute die geographische Ferne von den Brutstätten des Hexenwahns, die Schwierigkeit, die sich daraus für die Beschaffung von Literatur über das Hexenwesen ergab, und den Abstand, den die herrschende protestantische Klasse von den Anhängern der römisch-katholischen Kirche hielt, an.
Der erste wichtige Prozess fand 1324 statt, als Alice Kyteler aus Kilkenny und mehrere ihrer Bediensteten und Bekannten wegen einer ganzen Reihe okkulter Aktivitäten angeklagt wurden - die aber anscheinend eher eine Art vorchristlicher religiöser Handlungen darstellten. Dieser erste Prozess kam hauptsächlich auf Betreiben des Bischofs von Ossory, eines in Frankreich ausgebildeten Engländers, zustande, der hier die Gelegenheit gesehen haben mag, von einer Verbreitung des Hexenwahns vom europäischen Kontinent nach Irland zu profitieren. Das erste Opfer der Untersuchungen, die der Bischof in Kilkenny anstellen liess, und damit das erste historisch belegte Opfer des Hexenwahns auf irischem Boden wurde Alice Kytelers Dienstmädchen Petronilla de Midia, das man am 3. November 1324 auf dem Scheiterhaufen verbrannte, nachdem man ihr unter der Folter ein Geständnis abgepresst hatte. Vielleicht folgten dem Mädchen noch weitere Mittäter auf den Scheiterhaufen, doch die Aufzeichnungen über diesen Fall sind unvollständig und geben darüber keine Auskunft. Alice Kyteler selbst entging einer ähnlichen Strafe, indem sie nach England floh.
Die sensationellen Ereignisse uni den Fall in Kilkenny hatten jedoch keine weiteren Prozesse zur Folge, und zu Ausbrüchen der Hexenmanie kam es in den folgenden drei Jahrhunderten nur relativ selten, und Alice Kyteler behielt ihren Ruf als berühmteste Hexe Irlands. 1447 gab das irische Parlament eine Stellungnahme ab, in der erklärt wurde, dass es keinem Menschen möglich sei, einen anderen durch Zauberei oder Totenbeschwörung zu ruinieren oder zu vernichten.
Kilkenny wurde 1578 zum Schauplatz eines anderen schrecklichen Vorfalls im Zusammenhang mit Hexerei. Damals wurden drei Hexen - darunter auch eine dunkelhäutige - „nach Naturrecht” zu Tode gebracht, da man ihnen nach menschlichem Recht kein Verbrechen nachweisen konnte. Übrigens berichtet keine andere Quelle darüber, dass in Irland oder auf der britischen Hauptinsel ein Mensch von dunkler Hautfarbe wegen Hexerei hingerichtet wurde.
Die strafrechtliche Verfolgung einzelner Fälle in den Jahren danach führte 1586 zwar zum Erlass eines Hexengesetzes durch das irische Parlament, doch keiner dieser Fälle löste ein solches Auflodern des Hexenwahns aus, das die englische Gesellschaft fast zur gleichen Zeit erschütterte. Für die Zeit zwischen dem ersten Prozess im Jahre 1324 und dem letzten von 1711 sind lediglich ein halbes Dutzend Fälle dokumentiert. Mit Ausnahme des ersten Falles waren die Angeklagten stets Protestanten, die von Protestanten vor Gericht gestellt worden waren. In zwei Fällen lauteten die Anklagen auf das Voraussagen der Zukunft durch Geisterbeschwörung. Ein anderer Fall aus dem Jahre 1609 betraf ein junges Mädchen, das von Dämonen besessen war, bis es auf wunderbare Weise durch einen heiligen Gürtel aus der Holy Cross Abbey bei Thurles wieder gesund gemacht wurde. Schwerwiegender waren die Prozesse gegen Florence Newton, die „Hexe von Youghal”, der man zur Last legte, 1661 ein Dienstmädchen behext zu haben, sowie gegen eine namentlich nicht bekannte Bettlerin, die man zum Tode verurteilte und uni 1699 als Hexe verbrannte, da sie ein neuzehnjähriges Mädchen, das ihr Almosen gegeben hatte, mit Anfällen heimgesucht hatte. Das irische Hexengesetz wurde 1821 schliesslich ausser Kraft gesetzt.

 

 

 

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