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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Innozenz VIII., Papst 1432-1492

In Genua als Giovanni Battista Cibo geboren, Papst von 1484-1492. Er förderte den Hexenwahn, der die europäische Gesellschaft über dreihundert Jahre lang erschüttern sollte. Innozenz VIII. war einer der weniger angesehenen Päpste; er hatte eine Geliebte, mit der er zwei Kinder zeugte, liess drei Jungen töten, deren Blut ihm zur Verbesserung seines gesundheitlichen Zustandes übertragen wurde und ernährte sich am Ende seines Lebens mit Milch aus den Brüsten einer Frau. Eine andere Schwäche, die er kurz nach seiner Einsetzung in das höchste Amt der römisch-katholischen Kirche zeigte, war sein leidenschaftlicher Hass gegenüber Hexen, deren Aktivitäten er als einen direkten Angriff auf die Autorität des Christentums deutete. Besonders erzürnte ihn die Nachsicht, die viele seiner Untergebenen gegenüber Personen walten liessen, die der Hexerei verdächtig waren, und er schrieb zahlreiche Briefe, in denen er die Notwendigkeit eines härteren Vorgehens unterstrich.
Im Dezember 1484, kurz nach seiner Wahl zum Papst, veröffentlichte er eine päpstliche Bulle mit dem Titel Sunnnis desiderautes aff rtibus, die sogenannte Hexenbulle, die darauf abzielte, das Ansehen der Inquisition zu stärken und den Feldzug gegen alle, die des Verbrechens der Hexerei angeklagt waren, zu forcieren. Die Erfindung des Buchdruckes machte es möglich, dass die Bulle, die den zukünftigen Hexenriechern höchste Vollmacht verlieh und sie ermunterte, in allen Schichten der Gesellschaft nach Hexen zu suchen, weithin verbreitet und gelesen wurde und somit eine grössere Wirkung hatte als frühere päpstliche Sendschreiben. Sie nahm die Gerüchte über die Verruchtheit der europäischen Hexen für bare Münze: Die treuen Kirchenanhänger wurden daran erinnert, dass Hexen mittels Zauberei Inkubi und Sukkubi herbeizitierten, Kinder ermordeten, das Vieh verdarben, die Feldfrüchte verfluchten, Schmerzen und Krankheit über ihre Feinde brachten, die legitimen sexuellen Beziehungen zwischen Mann und Frau behinderten, die Kirche schmähten und andere Greuel verübten:
Nicht ohne schmerzliche Sorge ist uns kürzlich zur Kenntnis gelangt, dass in einigen Teilen Norddeutschlands sowie in den Provinzen, Genfeinden, Territorien, Kreisen und in den Diözesen Mainz, Köln, Trier, Salzburg und Bremen viele Personen beiderlei Geschlechts, urieingedenk ihres eigenen Heils und vom katholischen Glauben abweichend, sich mit Teufeln, Inkubi und Sukkubi selbst entehrt haben und durch ihre Beschwörungen, Zauber, Zauberformeln und andere verfluchte Aberglauben und abscheuliche Zaubereien, Frevel und Vergehen, die Nachkommen der Frauen und die Jungtiere zugrunde richten, die Früchte der Erde, die Trauben an den Weinstöcken und das Obst an den Bäumen, ja sogar Männer und Frauen, Lasttiere, Herdentiere sowie andere Tiere, auch Weinberge, Obstgärten, Wiesen, Weiden, Roggen, Weizen und anderes Getreide der Erde verfluchen und vernichten. Diese teuflischen Wesen plagen und quälen ausserdem Männer und Frauen, Lasttiere, Herdentiere sowie Vieh aller Art mit Schmerzen und Krankheit, innerlich und äusserlich. Sie hindern die Männer zu zeugen und die Frauen zu empfangen, weshalb weder Männer mit ihren Frauen noch Frauen mit ihren Männern den Geschlechtsakt ausführen können. Darüber hinaus entsagen sie dem Glauben, den sie durch das Sakrament der Taufe erhielten, und scheuen sich nicht, angestiftet vom Feinde der menschlichen Rasse, die abscheulichsten Gräuel und Exzesse zum Schaden der menschlichen Seele zu verüben, wobei sie die göttliche Majestät beleidigen und die Ursache von Ärgernissen und gefährliche Beispiele für viele sind.
Die Bulle richtete sich speziell an die Katholiken in Deutschland, wo die päpstlichen Inquisitoren Heinrich Kramer und Jakob Sprenger kurz zuvor mit ihren Bemühungen, die Verurteilung der Hexerei verdächtigter Personen zu garantieren, auf starken Widerstand gestossen waren. Jene, die die Prozesse weiterhin hemmten, wurden dadurch gewarnt, dass „auf sie der Zorn des allmächtigen Gottes fallen werde”. Krauler und Sprenger wurden zwei der mächtigsten und gefürchtetsten Männer im damaligen Europa. Sie besassen weitreichende Vollmachten zur Untersuchung von Hexereiklagen „gegen solche Personen, welches Standes sie auch immer seien, und jene zu tadeln, zu bestrafen, ins Gefängnis zu bringen und mit Geldstrafen zu belegen, wie es ihre Verbrechen verdienen, die sie für schuldig befunden haben". Jeder, der sich den Inquisitoren entgegenstellte oder sie auf irgendeine Weise belästigte, riskierte „Exkommunikation, Suspendierung, Interdikt und noch schrecklichere Bestrafungen und Tadel”.
Die Bulle von 1484 wurde in der Folgezeit oftmals zur Verteidigung der Hexenjagden zitiert, die von den Hexenriechern in ganz Europa inszeniert worden waren, und später sahen Beobachter in ihr einen Markstein, der den Beginn des Hexenwahns signalisierte.

 

 

 

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