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In Genua als Giovanni
Battista Cibo geboren, Papst von 1484-1492. Er förderte den Hexenwahn, der
die europäische Gesellschaft über dreihundert Jahre lang erschüttern sollte.
Innozenz VIII. war einer der weniger angesehenen Päpste; er hatte eine
Geliebte, mit der er zwei Kinder zeugte, liess drei Jungen töten, deren Blut
ihm zur Verbesserung seines gesundheitlichen Zustandes übertragen wurde und
ernährte sich am Ende seines Lebens mit Milch aus den Brüsten einer Frau.
Eine andere Schwäche, die er kurz nach seiner Einsetzung in das höchste Amt
der römisch-katholischen Kirche zeigte, war sein leidenschaftlicher Hass
gegenüber Hexen, deren Aktivitäten er als einen direkten Angriff auf die
Autorität des Christentums deutete. Besonders erzürnte ihn die Nachsicht,
die viele seiner Untergebenen gegenüber Personen walten liessen, die der
Hexerei verdächtig waren, und er schrieb zahlreiche Briefe, in denen er die
Notwendigkeit eines härteren Vorgehens unterstrich.
Im Dezember 1484, kurz nach seiner Wahl zum Papst, veröffentlichte er eine
päpstliche Bulle mit dem Titel Sunnnis desiderautes aff rtibus, die
sogenannte Hexenbulle, die darauf abzielte, das Ansehen der Inquisition zu
stärken und den Feldzug gegen alle, die des Verbrechens der Hexerei
angeklagt waren, zu forcieren. Die Erfindung des Buchdruckes machte es
möglich, dass die Bulle, die den zukünftigen Hexenriechern höchste Vollmacht
verlieh und sie ermunterte, in allen Schichten der Gesellschaft nach Hexen
zu suchen, weithin verbreitet und gelesen wurde und somit eine grössere
Wirkung hatte als frühere päpstliche Sendschreiben. Sie nahm die Gerüchte
über die Verruchtheit der europäischen Hexen für bare Münze: Die treuen
Kirchenanhänger wurden daran erinnert, dass Hexen mittels Zauberei Inkubi
und Sukkubi herbeizitierten, Kinder ermordeten, das Vieh verdarben, die
Feldfrüchte verfluchten, Schmerzen und Krankheit über ihre Feinde brachten,
die legitimen sexuellen Beziehungen zwischen Mann und Frau behinderten, die
Kirche schmähten und andere Greuel verübten:
Nicht ohne schmerzliche Sorge ist uns kürzlich zur Kenntnis gelangt, dass in
einigen Teilen Norddeutschlands sowie in den Provinzen, Genfeinden,
Territorien, Kreisen und in den Diözesen Mainz, Köln, Trier, Salzburg und
Bremen viele Personen beiderlei Geschlechts, urieingedenk ihres eigenen
Heils und vom katholischen Glauben abweichend, sich mit Teufeln, Inkubi und
Sukkubi selbst entehrt haben und durch ihre Beschwörungen, Zauber,
Zauberformeln und andere verfluchte Aberglauben und abscheuliche Zaubereien,
Frevel und Vergehen, die Nachkommen der Frauen und die Jungtiere zugrunde
richten, die Früchte der Erde, die Trauben an den Weinstöcken und das Obst
an den Bäumen, ja sogar Männer und Frauen, Lasttiere, Herdentiere sowie
andere Tiere, auch Weinberge, Obstgärten, Wiesen, Weiden, Roggen, Weizen und
anderes Getreide der Erde verfluchen und vernichten. Diese teuflischen Wesen
plagen und quälen ausserdem Männer und Frauen, Lasttiere, Herdentiere sowie
Vieh aller Art mit Schmerzen und Krankheit, innerlich und äusserlich. Sie
hindern die Männer zu zeugen und die Frauen zu empfangen, weshalb weder
Männer mit ihren Frauen noch Frauen mit ihren Männern den Geschlechtsakt
ausführen können. Darüber hinaus entsagen sie dem Glauben, den sie durch das
Sakrament der Taufe erhielten, und scheuen sich nicht, angestiftet vom
Feinde der menschlichen Rasse, die abscheulichsten Gräuel und Exzesse zum
Schaden der menschlichen Seele zu verüben, wobei sie die göttliche Majestät
beleidigen und die Ursache von Ärgernissen und gefährliche Beispiele für
viele sind.
Die Bulle richtete sich speziell an die Katholiken in Deutschland, wo die
päpstlichen Inquisitoren Heinrich Kramer und Jakob Sprenger kurz zuvor mit
ihren Bemühungen, die Verurteilung der Hexerei verdächtigter Personen zu
garantieren, auf starken Widerstand gestossen waren. Jene, die die Prozesse
weiterhin hemmten, wurden dadurch gewarnt, dass „auf sie der Zorn des
allmächtigen Gottes fallen werde”. Krauler und Sprenger wurden zwei der
mächtigsten und gefürchtetsten Männer im damaligen Europa. Sie besassen
weitreichende Vollmachten zur Untersuchung von Hexereiklagen „gegen solche
Personen, welches Standes sie auch immer seien, und jene zu tadeln, zu
bestrafen, ins Gefängnis zu bringen und mit Geldstrafen zu belegen, wie es
ihre Verbrechen verdienen, die sie für schuldig befunden haben". Jeder, der
sich den Inquisitoren entgegenstellte oder sie auf irgendeine Weise
belästigte, riskierte „Exkommunikation, Suspendierung, Interdikt und noch
schrecklichere Bestrafungen und Tadel”.
Die Bulle von 1484 wurde in der Folgezeit oftmals zur Verteidigung der
Hexenjagden zitiert, die von den Hexenriechern in ganz Europa inszeniert
worden waren, und später sahen Beobachter in ihr einen Markstein, der den
Beginn des Hexenwahns signalisierte. |