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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Hopkins, Matthew um 1621-1647

Englischer Hexenriecher; während des in einigen Teilen des puritanischen England wütenden Hexenwahns verantwortlich für die erbarmungslose Verfolgung ungezählter angeblicher Hexen. Hopkins, der Sohn eines Geistlichen, wuchs in Essex, einer strikt parlamentarischen Grafschaft mit einer langen Tradition des Hexenwesens, auf. Er studierte Jura, arbeitete als Sekretär in einer Seetransportversicherung in Amsterdam und als Anwalt in Ipswich, wo ihm allerdings kein Erfolg beschieden war, bis er Mitte der vierziger Jahre des siebzehnten Jahrhunderts in die Gemeinde Manningtree-Mistley, Essex, zurückkehrte, und wo er auf den Gedanken kam, sich einen Ruf als selbsternannter Hexenriecher zu machen. Die Zeit für eine Laufbahn als Hexenjäger war günstig, denn der Bürgerkrieg verheerte England, und die Spannung, die in der puritanischen Gesellschaft herrschte, war gross. Und so fand mit grosser Wahrscheinlichkeit jeder Gehör, der einen Sündenbock für die Gebrechen der Nation vorführen konnte.
Seine erste Anschuldigung wegen Hexerei richtete der damals vierundzwanzigjährige Hopkins gegen eine alte körperbehinderte Frau mit Namen Elizabeth Clarke, die er bezichtigte, Mitglied eines Hexenzirkels in der Gegend von Manningtree zu sein. Elizabeth Clarke wurde folglich verhaftet und im März 1645 in Chelmsford verhört. Aufgrund der „Geständnisse” der Angeklagten wurden sehr bald viele andere Frauen vor den Gerichtstag gebracht, von denen man nicht weniger als neunzehn hängte.
Nachdem sich Hopkins den selbsterfundenen Titel eines Obersten Hexenriechers zugelegt hatte, gewann er John Stearne und Mary Phillips als Helfer, deren Aufgabe es war, das Teufelsmal ausfindig zu machen. So machte er sich, augenscheinlich besessen von seiner Mission, Hexengeständnisse zu erlangen, auf eine Reise durch die ostenglischen Grafschaften. Äusserte man Zweifel an seiner Qualifikation für eine solche Tätigkeit und wies darauf hin, dass er auf diesem Gebiet keine Ausbildung habe, dann erwiderte er einfach, sein Fachwissen stamme „aus der Erfahrung, mit der man, auch wenn sie geringgeschätzt wird, dennoch am sichersten urteilen kann”. Die Nachfrage nach seinen Diensten war so gross, dass er aus seiner Tätigkeit einen ansehnlichen Gewinn ziehen konnte. Für jede Untersuchung, um die man ihn bat, verlangte er vierzig Schillinge.
Waren die Gerichtsverfahren in einer Stadt abgeschlossen, belief sich seine Gesamtrechnung gar auf dreiundzwanzig Pfund.
In nur einem reichlichen Jahr brachte Hopkins allein in Essex über hundert Frauen - typischerweise alt, verarmt und ohne körperliche Reize - an den Galgen. Die Geständnisse, die man dafür brauchte, erzwang er von den Angeklagten durch solche Mittel wie die Nadelprobe, das Schwemmen und den Hexenspaziergang. Die Tatsache, dass seine der Hexerei bezichtigten Opfer so sehr den herkömmlichen Vorstellungen von einer Hexe entsprachen, erhöhte ohne Zweifel seine Aussichten auf deren Verurteilung.
Besonders offenkundig war Hopkins' Engagement und das Wirken seiner Helfer im Prozess gegen fast zweihundert Verdächtige in Bury St. Edmunds der für viele der Angeklagten mit dem Todesurteil und der Hinrichtung endete. Zu den Opfern zählte hier auch der achtzigjährige royalistische Geistliche John Lowes, der den Fehler begangen hatte, seine Gemeindemitglieder in Brandeston, Suffolk, gegen sich aufzubringen. Lowes wurde vorn Obersten Hexenriecher angeklagt, er habe mittels Zauberei ein Schiff sinken lassen, und obgleich dafür nie ein Motiv gefunden wurde und niemand feststellte, ob am fraglichen Tag überhaupt ein Schiff verlorengegangen war, endete der Beschuldigte am Galgen. Auch in den angrenzenden Grafschaften Cambridgeshire, Northamptonshire, Huntingdonshire und Bedfordshire fielen Hopkins und seinen Helfern angebliche Hexen am Galgen zum Opfer.
Hopkins' Beweggründe für dieses Wüten liegen im dunkeln: Er war kein Vertreter der Regierung oder der Kirche, handelte vielleicht aber aus religiösem Eifer; allerdings könnte ihn auch die Aussicht darauf, einer der gefürchtetsten Männer im Lande zu werden, und die Erwartung, mit der Entlarvung von Hexen ein Vermögen zu verdienen, dazu angetrieben haben. Was immer seine Motive waren - er bekannte sich dazu, von der Existenz der Hexen völlig überzeugt zu sein. Einmal äusserte er seine aufrichtige, vielleicht paranoide Furcht, ein Hexenzirkel habe einen Bären ausgesandt, der ihn töten solle. Einen Grossteil seiner Aktivitäten richtete Hopkins auf die Identifizierung von Schuldigen, die auf seiner „Teufelsliste” standen - einem Dokument, das angeblich die Namen aller Hexen in Grossbritannien enthielt.
Die unheilvolle Laufbahn des Obersten Hexenriechers war glücklicherweise nur kurz. Zweifel an seinen Methoden wurden laut, und man setzte eine parlamentarische Kommission ein, die über jeden Prozess wachte und die Anwendung der Folter durch die Befrager einschränkte. Hopkins musste das Hexenschwemmen einstellen, fuhr jedoch fort, seine Opfer mit Schlafentzug, Hunger und anderen Misshandlungen zu peinigen. Einen weiteren Rückschlag erlitt der Hexenjäger, als der hochwürdige John Gaule aus Great Staughton, Huntingdonshire, öffentlich gegen die Anwesenheit Hopkins' und seiner Helfer sowie gegen deren Nachforschungen in der Grafschaft protestierte. Gaule verurteilte die Härte, mit der Hopkins vorging, und machte klar, dass unter solchen Umständen wahrscheinlich ,jede alte Frau mit faltigem Gesicht, zerfurchter Stirn, behaarter Oberlippe, Zahnlücken, schielendem Blick, quietschender Stimme oder scharfer Zunge" zur Hexe erklärt würde. Die Richter begannen, Widerstand gegen den Druck des Obersten Hexenriechers zu leisten, und die Zahl der Verurteilungen ging zurück.
Im Mai 1646 stellte Hopkins seine Aktivitäten ein. Der Grund dafür war entweder die wachsende Auflehnung gegen sein Wirken oder seine angegriffene Gesundheit. 1647 sah er sich gedrängt, in einer Schrift mit dem Titel The Discovery of Witches über seine Hexenjägermethoden zu berichten, uni der Kritik jener zu begegnen, die Zweifel an seiner Verfahrensweise hegten und seine Integrität in Frage stellten. Jenen, die den Hexenjäger beschuldigten, allein um des finanziellen Gewinns tätig gewesen und unbewiesene Verdächtigungen gegen Unschuldige ersonnen zu haben, antwortete er darin:

Ihr tut ihm in jeder dieser Einzelheiten grosses Unrecht. Denn erstens

  1. Er ist nie in eine Stadt oder einen Ort gegangen, ohne dass sie zu ihm kamen, ihm schrieben oder nach ihm schickten und soviel er wusste erfreut über ihn waren.

  2. Er ist ein Mann, der bestreitet, jemals eine Hexe entdeckt oder gesagt zu haben: „Ihr seid eine Hexe.” Erst nach dero Überprüfung durch die Untersuchung und durch eigenes Geständnis können er und andere urteilen.

  3. Urteile man schliesslich, wie er das Land geschröpft und sich bereichert hat, und ziehe plan dabei die gewaltige Summe in Betracht, die er von jeder Stadt genommen hat: Er fordert nur zwanzig Schillinge in einer Stadt und muss dafür manchmal zwanzig Meilen reisen und hat nicht mehr für all seine Aufwendungen dorthin und wieder zurück und findet dort drei oder vier Hexen, oder sei es nur eine, billig genug; das ist die gewaltige Summe, die er nimmt, um seine Truppe mit drei Pferden zu unterhalten.

 

Schliesslich wurde Hopkins selbst ein Opfer des Wahns, zu dem er beigetragen hatte. Es wird berichtet, dass bei seiner Ankunft in einer neuen Stadt, in der er sogleich seinem üblichen Geschäft nachgehen und ortsansässige Frauen der Hexerei anklagen wollte, die Bevölkerung zur Tat schritt und statt dessen ihn bezichtigte, ein Hexenmeister zu sein. Hände und Füsse zusammengebunden, so wurde er nach seinen eigenen Methoden überprüft und dem Gottesurteil des Schwemmens unterzogen. Als er nicht unterging, wie es bei einem Unschuldigen der Fall hätte sein müssen, zog man ihn aus dem Wasser heraus und jagte ihn aus der Stadt. In einer alten Version dieser höchst zweifelhaften Geschichte heisst es, dass er gehängt worden sei. Hopkins' Ende war in Wirklichkeit wahrscheinlich viel weniger spektakulär; es könnte allerdings eine indirekte Folge seines endlosen und anstrengenden Umherreisens auf der Suche nach immer neuen Opfern gewesen sein. Um seine Gesundheit war es anscheinend nie gut bestellt, und so berichtete John Stearne, Hopkins sei im August 1647 in seinem Haus in Manningtree „an einer Auszehrung” gestorben.
Der Ort von Hopkins' Grabstätte ist unbekannt; obwohl seine Bestattung im Kirchenregister von Manningtree eingetragen ist, hat es Spekulationen gegeben, nach denen er sich mit Unterstützung gutsituierter Anhänger einfach versteckt hat. In einer bemerkenswerten Theorie dazu heisst es, er sei nach Neuengland emigriert, wobei einige scherzhaft andeuten, er habe dort als alter Mann vielleicht auch im berüchtigten Prozess gegen die Hexen von Salem seine Hand im Spiele gehabt.
Insgesamt schätzt man, dass Hopkins und seine Helfer für den Tod von mindestens zwei-hundert Menschen in einem Zeitraum von nur vierzehn Monaten verantwortlich waren.

 

 

 

 

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