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Englischer Hexenriecher;
während des in einigen Teilen des puritanischen England wütenden Hexenwahns
verantwortlich für die erbarmungslose Verfolgung ungezählter angeblicher
Hexen. Hopkins, der Sohn eines Geistlichen, wuchs in Essex, einer strikt
parlamentarischen Grafschaft mit einer langen Tradition des Hexenwesens,
auf. Er studierte Jura, arbeitete als Sekretär in einer
Seetransportversicherung in Amsterdam und als Anwalt in Ipswich, wo ihm
allerdings kein Erfolg beschieden war, bis er Mitte der vierziger Jahre des
siebzehnten Jahrhunderts in die Gemeinde Manningtree-Mistley, Essex,
zurückkehrte, und wo er auf den Gedanken kam, sich einen Ruf als
selbsternannter Hexenriecher zu machen. Die Zeit für eine Laufbahn als
Hexenjäger war günstig, denn der Bürgerkrieg verheerte England, und die
Spannung, die in der puritanischen Gesellschaft herrschte, war gross. Und so
fand mit grosser Wahrscheinlichkeit jeder Gehör, der einen Sündenbock für
die Gebrechen der Nation vorführen konnte.
Seine erste Anschuldigung wegen Hexerei richtete der damals
vierundzwanzigjährige Hopkins gegen eine alte körperbehinderte Frau mit
Namen Elizabeth Clarke, die er bezichtigte, Mitglied eines Hexenzirkels in
der Gegend von Manningtree zu sein. Elizabeth Clarke wurde folglich
verhaftet und im März 1645 in Chelmsford verhört. Aufgrund der
„Geständnisse” der Angeklagten wurden sehr bald viele andere Frauen vor den
Gerichtstag gebracht, von denen man nicht weniger als neunzehn hängte.
Nachdem sich Hopkins den selbsterfundenen Titel eines Obersten Hexenriechers
zugelegt hatte, gewann er John Stearne und Mary Phillips als Helfer, deren
Aufgabe es war, das Teufelsmal ausfindig zu machen. So machte er sich,
augenscheinlich besessen von seiner Mission, Hexengeständnisse zu erlangen,
auf eine Reise durch die ostenglischen Grafschaften. Äusserte man Zweifel an
seiner Qualifikation für eine solche Tätigkeit und wies darauf hin, dass er
auf diesem Gebiet keine Ausbildung habe, dann erwiderte er einfach, sein
Fachwissen stamme „aus der Erfahrung, mit der man, auch wenn sie
geringgeschätzt wird, dennoch am sichersten urteilen kann”. Die Nachfrage
nach seinen Diensten war so gross, dass er aus seiner Tätigkeit einen
ansehnlichen Gewinn ziehen konnte. Für jede Untersuchung, um die man ihn
bat, verlangte er vierzig Schillinge.
Waren die Gerichtsverfahren in einer Stadt abgeschlossen, belief sich seine
Gesamtrechnung gar auf dreiundzwanzig Pfund.
In nur einem reichlichen Jahr brachte Hopkins allein in Essex über hundert
Frauen - typischerweise alt, verarmt und ohne körperliche Reize - an den
Galgen. Die Geständnisse, die man dafür brauchte, erzwang er von den
Angeklagten durch solche Mittel wie die Nadelprobe, das Schwemmen und den
Hexenspaziergang. Die Tatsache, dass seine der Hexerei bezichtigten Opfer so
sehr den herkömmlichen Vorstellungen von einer Hexe entsprachen, erhöhte
ohne Zweifel seine Aussichten auf deren Verurteilung.
Besonders offenkundig war Hopkins' Engagement und das Wirken seiner Helfer
im Prozess gegen fast zweihundert Verdächtige in Bury St. Edmunds der für
viele der Angeklagten mit dem Todesurteil und der Hinrichtung endete. Zu den
Opfern zählte hier auch der achtzigjährige royalistische Geistliche John
Lowes, der den Fehler begangen hatte, seine Gemeindemitglieder in Brandeston,
Suffolk, gegen sich aufzubringen. Lowes wurde vorn Obersten Hexenriecher
angeklagt, er habe mittels Zauberei ein Schiff sinken lassen, und obgleich
dafür nie ein Motiv gefunden wurde und niemand feststellte, ob am fraglichen
Tag überhaupt ein Schiff verlorengegangen war, endete der Beschuldigte am
Galgen. Auch in den angrenzenden Grafschaften Cambridgeshire,
Northamptonshire, Huntingdonshire und Bedfordshire fielen Hopkins und seinen
Helfern angebliche Hexen am Galgen zum Opfer.
Hopkins' Beweggründe für dieses Wüten liegen im dunkeln: Er war kein
Vertreter der Regierung oder der Kirche, handelte vielleicht aber aus
religiösem Eifer; allerdings könnte ihn auch die Aussicht darauf, einer der
gefürchtetsten Männer im Lande zu werden, und die Erwartung, mit der
Entlarvung von Hexen ein Vermögen zu verdienen, dazu angetrieben haben. Was
immer seine Motive waren - er bekannte sich dazu, von der Existenz der Hexen
völlig überzeugt zu sein. Einmal äusserte er seine aufrichtige, vielleicht
paranoide Furcht, ein Hexenzirkel habe einen Bären ausgesandt, der ihn töten
solle. Einen Grossteil seiner Aktivitäten richtete Hopkins auf die
Identifizierung von Schuldigen, die auf seiner „Teufelsliste” standen -
einem Dokument, das angeblich die Namen aller Hexen in Grossbritannien
enthielt.
Die unheilvolle Laufbahn des Obersten Hexenriechers war glücklicherweise nur
kurz. Zweifel an seinen Methoden wurden laut, und man setzte eine
parlamentarische Kommission ein, die über jeden Prozess wachte und die
Anwendung der Folter durch die Befrager einschränkte. Hopkins musste das
Hexenschwemmen einstellen, fuhr jedoch fort, seine Opfer mit Schlafentzug,
Hunger und anderen Misshandlungen zu peinigen. Einen weiteren Rückschlag
erlitt der Hexenjäger, als der hochwürdige John Gaule aus Great Staughton,
Huntingdonshire, öffentlich gegen die Anwesenheit Hopkins' und seiner Helfer
sowie gegen deren Nachforschungen in der Grafschaft protestierte. Gaule
verurteilte die Härte, mit der Hopkins vorging, und machte klar, dass unter
solchen Umständen wahrscheinlich ,jede alte Frau mit faltigem Gesicht,
zerfurchter Stirn, behaarter Oberlippe, Zahnlücken, schielendem Blick,
quietschender Stimme oder scharfer Zunge" zur Hexe erklärt würde. Die
Richter begannen, Widerstand gegen den Druck des Obersten Hexenriechers zu
leisten, und die Zahl der Verurteilungen ging zurück.
Im Mai 1646 stellte Hopkins seine Aktivitäten ein. Der Grund dafür war
entweder die wachsende Auflehnung gegen sein Wirken oder seine angegriffene
Gesundheit. 1647 sah er sich gedrängt, in einer Schrift mit dem Titel The
Discovery of Witches über seine Hexenjägermethoden zu berichten, uni der
Kritik jener zu begegnen, die Zweifel an seiner Verfahrensweise hegten und
seine Integrität in Frage stellten. Jenen, die den Hexenjäger beschuldigten,
allein um des finanziellen Gewinns tätig gewesen und unbewiesene
Verdächtigungen gegen Unschuldige ersonnen zu haben, antwortete er darin:
Ihr tut ihm in jeder
dieser Einzelheiten grosses Unrecht. Denn erstens
-
Er ist nie in eine
Stadt oder einen Ort gegangen, ohne dass sie zu ihm kamen, ihm schrieben
oder nach ihm schickten und soviel er wusste erfreut über ihn waren.
-
Er ist ein Mann, der
bestreitet, jemals eine Hexe entdeckt oder gesagt zu haben: „Ihr seid
eine Hexe.” Erst nach dero Überprüfung durch die Untersuchung und durch
eigenes Geständnis können er und andere urteilen.
-
Urteile man
schliesslich, wie er das Land geschröpft und sich bereichert hat, und
ziehe plan dabei die gewaltige Summe in Betracht, die er von jeder Stadt
genommen hat: Er fordert nur zwanzig Schillinge in einer Stadt und muss
dafür manchmal zwanzig Meilen reisen und hat nicht mehr für all seine
Aufwendungen dorthin und wieder zurück und findet dort drei oder vier
Hexen, oder sei es nur eine, billig genug; das ist die gewaltige Summe,
die er nimmt, um seine Truppe mit drei Pferden zu unterhalten.
Schliesslich wurde
Hopkins selbst ein Opfer des Wahns, zu dem er beigetragen hatte. Es wird
berichtet, dass bei seiner Ankunft in einer neuen Stadt, in der er sogleich
seinem üblichen Geschäft nachgehen und ortsansässige Frauen der Hexerei
anklagen wollte, die Bevölkerung zur Tat schritt und statt dessen ihn
bezichtigte, ein Hexenmeister zu sein. Hände und Füsse zusammengebunden, so
wurde er nach seinen eigenen Methoden überprüft und dem Gottesurteil des
Schwemmens unterzogen. Als er nicht unterging, wie es bei einem Unschuldigen
der Fall hätte sein müssen, zog man ihn aus dem Wasser heraus und jagte ihn
aus der Stadt. In einer alten Version dieser höchst zweifelhaften Geschichte
heisst es, dass er gehängt worden sei. Hopkins' Ende war in Wirklichkeit
wahrscheinlich viel weniger spektakulär; es könnte allerdings eine indirekte
Folge seines endlosen und anstrengenden Umherreisens auf der Suche nach
immer neuen Opfern gewesen sein. Um seine Gesundheit war es anscheinend nie
gut bestellt, und so berichtete John Stearne, Hopkins sei im August 1647 in
seinem Haus in Manningtree „an einer Auszehrung” gestorben.
Der Ort von Hopkins' Grabstätte ist unbekannt; obwohl seine Bestattung im
Kirchenregister von Manningtree eingetragen ist, hat es Spekulationen
gegeben, nach denen er sich mit Unterstützung gutsituierter Anhänger einfach
versteckt hat. In einer bemerkenswerten Theorie dazu heisst es, er sei nach
Neuengland emigriert, wobei einige scherzhaft andeuten, er habe dort als
alter Mann vielleicht auch im berüchtigten Prozess gegen die Hexen von Salem
seine Hand im Spiele gehabt.
Insgesamt schätzt man, dass Hopkins und seine Helfer für den Tod von
mindestens zwei-hundert Menschen in einem Zeitraum von nur vierzehn Monaten
verantwortlich waren. |