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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Holt, Sir John 1642-1710

Englischer Richter, der in Prozessen gegen angebliche Hexen konsequent dem Einfluss des damals herrschenden Hexenwahns widerstand. Der in Thame, Oxfordshire, geborene John Holt erhielt 1663 seine Zulassung als Anwalt und wurde 1689 als Vorsitzender der King's Bench Division am Obersten Gerichtshof der Amtsnachfolger des hexenfürchtenden Sir Matthew Haie. Anders als sein Vorgänger zeigte er sich gewillt, der Hexerei verdächtige Personen gegen ihre Ankläger zu schützen, indem er die Schöffen anwies, abergläubische Vorstellungen zu ignorieren und nach den Prinzipien der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit zu handeln.
Holt führte den Vorsitz über elf bemerkenswerte Hexenprozesse. 1691 sorgte er dafür, dass zwei Hexen, die man beschuldigte, einen Zauber gegen eine Frau namens Mary Hill aus Frome gerichtet zu haben, freigesprochen wurden - worauf die Klägerin Mary Hill sehr bald wieder ihr normales Wesen annahm. 1694 setzte Holt in Bury St. Edmunds, Suffolk, einen Freispruch für Mother Munnings durch, der man vorgeworfen hatte, Kobolde zu besitzen und ihren Hauswirt getötet zu haben. Der Hauptzeuge in diesem Fall war zur fraglichen Zeit auf dem Nachhauseweg von einem Bierlokal gewesen, und man konnte keine Verbindung zwischen der Angeklagten und dem Tod des Hauswirts feststellen. Im selben Jahr erwirkte Holt in Ipswich, Suffolk, einen Freispruch für Margaret Elnore. Ihr hatte man zur Last gelegt, das Teufelsmal zu besitzen und eine Läuseplage hervorgerufen zu haben. Ein Jahr später konnte er Mary Guy auf freien Fuss setzen, die einem Mädchen aus ihrem Ort Besessenheit angehext haben sollte. 1696 sprach er in Exeter Elizabeth Horner von der Anklage frei, bei drei Kindern Besessenheit hervorgerufen zu haben. Eines der Kinder konnte dadurch angeblich an einer Wand bis in eine Höhe von 2,70 m hochlaufen.
1701 befreite Holt in Guildford Sarah Murdock von dem Verdacht, einen Zauber gegen den Schmiedelehrling Richard Hathaway gerichtet zu haben, der unter Anfällen litt. Die Entscheidung rief heftige Proteste hervor, und die aufgebrachte Menge drohte, die Frau zu schwemmen. Zudem verschlechterte sich der Zustand des jungen Schmiedes, der nun öfter von Anfällen heimgesucht wurde, weder essen noch trinken konnte, blind und taub wurde und zum Erbrechen grosser Mengen von Nadeln neigte. Doch Holt liess sich nicht beirren. Er stellte Hathaway unter Beobachtung, und man entdeckte, dass die schlechte gesundheitliche Verfassung des jungen Mannes vorgetäuscht war und die Nadeln aus seiner Jackentasche und nicht aus seinem Körper stammten. Hathaway wurde daraufhin wegen Betrugs angeklagt. Als Warnung für andere, die in Zukunft vielleicht ebenfalls Klagen wegen Hexerei vorzubringen gedachten, wurde er mit einer Geldstrafe belegt, für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt und darüber hinaus zu dreimaligem Erscheinen am Pranger verurteilt.
Der seltsamste Fall Holts war für den Richter persönlich von besonderer Bedeutung. Man hatte eine Frau vor ihn gebracht, die der Hexerei angeklagt war. Als Beweismaterial wurde ihm ein Stück Pergament mit einer Zauberformel zur Behandlung von Fieber vorgelegt. Dieses Pergament sah Holt jedoch nicht zum erstenmal. Er hatte als junger Mann an der Universität in Oxford ein ausschweifendes Leben geführt. Einmal, als er in der Schenke feststellte, dass er die Rechnung nicht bezahlen konnte, hatte er seine Schulden beglichen, indem er eine Zauberformel hinkritzelte, die die Tochter der Wirtin vorn Wechselfieber heilen sollte. Das war die Formel, die ihm seine einstige Schankwirtin nun präsentierte. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass das Verfahren eingestellt wurde.
Es war unvermeidlich, dass Holts Beispiel, ohne Rücksicht auf die damals herrschenden Vorurteile immer wieder Freisprüche für angebliche Hexen zu erwirken, an den Gerichten der unteren Ebenen nachgeahmt wurde. Damit trug Sir John Holt wesentlich dazu bei, den Hexenwahn im England des siebzehnten Jahrhunderts zu beenden.

 

 

 

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