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Englischer Richter, der
in Prozessen gegen angebliche Hexen konsequent dem Einfluss des damals
herrschenden Hexenwahns widerstand. Der in Thame, Oxfordshire, geborene John
Holt erhielt 1663 seine Zulassung als Anwalt und wurde 1689 als Vorsitzender
der King's Bench Division am Obersten Gerichtshof der Amtsnachfolger des
hexenfürchtenden Sir Matthew Haie. Anders als sein Vorgänger zeigte er sich
gewillt, der Hexerei verdächtige Personen gegen ihre Ankläger zu schützen,
indem er die Schöffen anwies, abergläubische Vorstellungen zu ignorieren und
nach den Prinzipien der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit zu handeln.
Holt führte den Vorsitz über elf bemerkenswerte Hexenprozesse. 1691 sorgte
er dafür, dass zwei Hexen, die man beschuldigte, einen Zauber gegen eine
Frau namens Mary Hill aus Frome gerichtet zu haben, freigesprochen wurden -
worauf die Klägerin Mary Hill sehr bald wieder ihr normales Wesen annahm.
1694 setzte Holt in Bury St. Edmunds, Suffolk, einen Freispruch für Mother
Munnings durch, der man vorgeworfen hatte, Kobolde zu besitzen und ihren
Hauswirt getötet zu haben. Der Hauptzeuge in diesem Fall war zur fraglichen
Zeit auf dem Nachhauseweg von einem Bierlokal gewesen, und man konnte keine
Verbindung zwischen der Angeklagten und dem Tod des Hauswirts feststellen.
Im selben Jahr erwirkte Holt in Ipswich, Suffolk, einen Freispruch für
Margaret Elnore. Ihr hatte man zur Last gelegt, das Teufelsmal zu besitzen
und eine Läuseplage hervorgerufen zu haben. Ein Jahr später konnte er Mary
Guy auf freien Fuss setzen, die einem Mädchen aus ihrem Ort Besessenheit
angehext haben sollte. 1696 sprach er in Exeter Elizabeth Horner von der
Anklage frei, bei drei Kindern Besessenheit hervorgerufen zu haben. Eines
der Kinder konnte dadurch angeblich an einer Wand bis in eine Höhe von 2,70
m hochlaufen.
1701 befreite Holt in Guildford Sarah Murdock von dem Verdacht, einen Zauber
gegen den Schmiedelehrling Richard Hathaway gerichtet zu haben, der unter
Anfällen litt. Die Entscheidung rief heftige Proteste hervor, und die
aufgebrachte Menge drohte, die Frau zu schwemmen. Zudem verschlechterte sich
der Zustand des jungen Schmiedes, der nun öfter von Anfällen heimgesucht
wurde, weder essen noch trinken konnte, blind und taub wurde und zum
Erbrechen grosser Mengen von Nadeln neigte. Doch Holt liess sich nicht
beirren. Er stellte Hathaway unter Beobachtung, und man entdeckte, dass die
schlechte gesundheitliche Verfassung des jungen Mannes vorgetäuscht war und
die Nadeln aus seiner Jackentasche und nicht aus seinem Körper stammten.
Hathaway wurde daraufhin wegen Betrugs angeklagt. Als Warnung für andere,
die in Zukunft vielleicht ebenfalls Klagen wegen Hexerei vorzubringen
gedachten, wurde er mit einer Geldstrafe belegt, für ein Jahr ins Gefängnis
gesteckt und darüber hinaus zu dreimaligem Erscheinen am Pranger verurteilt.
Der seltsamste Fall Holts war für den Richter persönlich von besonderer
Bedeutung. Man hatte eine Frau vor ihn gebracht, die der Hexerei angeklagt
war. Als Beweismaterial wurde ihm ein Stück Pergament mit einer Zauberformel
zur Behandlung von Fieber vorgelegt. Dieses Pergament sah Holt jedoch nicht
zum erstenmal. Er hatte als junger Mann an der Universität in Oxford ein
ausschweifendes Leben geführt. Einmal, als er in der Schenke feststellte,
dass er die Rechnung nicht bezahlen konnte, hatte er seine Schulden
beglichen, indem er eine Zauberformel hinkritzelte, die die Tochter der
Wirtin vorn Wechselfieber heilen sollte. Das war die Formel, die ihm seine
einstige Schankwirtin nun präsentierte. Es ist wohl unnötig zu erwähnen,
dass das Verfahren eingestellt wurde.
Es war unvermeidlich, dass Holts Beispiel, ohne Rücksicht auf die damals
herrschenden Vorurteile immer wieder Freisprüche für angebliche Hexen zu
erwirken, an den Gerichten der unteren Ebenen nachgeahmt wurde. Damit trug
Sir John Holt wesentlich dazu bei, den Hexenwahn im England des siebzehnten
Jahrhunderts zu beenden. |