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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Hexensabbat

Zusammenkunft von Hexen zu dem Zweck, feierlich Treue gegenüber dem Teufel zu zeigen, Zauber zu bewirken, Böses zu planen und sich ausgiebig dem Essen und Trinken, dem Tanz und Sexorgien zu widmen. Die an den jüdischen Brauch des Sabbat angelehnte Vorstellung vom Hexensabbat stand im Mittelpunkt der Hexenmythologie; schon eine unbewiesene Behauptung, dass eine Person bei einem solchen Sabbat gesehen worden sei, reichte allzu oft aus, um den Verdächtigen an den Galgen oder auf den Scheiterhaufen zu bringen. Der Hexensabbat wurde erstmals 1335 bei einem Hexenprozess in Toulouse erwähnt, bei dem acht Menschen zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurden.
Der Hexensabbat im Verständnis des nach-reformatorischen Europa hatte einen Vorläufer in den nächtlichen Massenflügen auf behexten Tieren oder Menschen, zu denen sich die Anhänger der heidnischen Göttin Diana einst versammelt haben sollten. Auch gab es deutliche Ähnlichkeiten mit den Aktivitäten religiöser Ketzersekten, die die Inquisition noch vor den Hexen zur Verfolgung aus-ersehen hatte, da sie angeblich den Teufel verehrten, Säuglinge assen, den Brauch des obszönen Kusses pflegten, mit Dämonen buhlten und antichristliche Zeremonien abhielten. Spätere Generationen von Dämonologen entwickelten die Idee weiter, wobei sie möglicherweise Einzelheiten aus klassischen Berichten von fremdländischen Festen aufnahmen, die im Zusammenhang mit Bacchus und Priapus standen. Sie schilderten den Sabbat als rituelles Ereignis mit einem festgelegten Gepräge und feierlichen Zusammenkünften und stützten damit ihre Behauptungen, die zivilisierte Gesellschaft sei nicht nur von dem einen oder anderen Einzelgänger oder Geisteskranken, sondern von einem absichtsvoll bösen antichristlichen Kult bedroht.
Nach Meinung der Experten wurden Hexensabbate in regelmässigen Abständen zu gewissen günstigen Zeiten abgehalten, nämlich zu Lichtmess 2. Februar, in der Walpurgisnacht 30. April, in der Johannisnacht - der Nacht vor dem 24. Juni, dem Johannistag -, am früher in England gefeierten Lammas-Tag 1. August, zu Halloween 31. Oktober und am Thomastag 21. Dezember. Halloween und die Walpurgisnacht waren den Druiden heilig, die anderen vier Daten markierten einst den Jahreszeitwechsel im heidnischen Kalender. Die Hexensabbate konnten an jedem beliebigen Tag der Woche gefeiert werden, wobei der Montag, der Mittwoch und der Freitag besonders beliebt waren; der Sonnabend hingegen wurde von manchen Hexen angeblich gemieden, da dies der Tag der Jungfrau Maria war. Es gab auch weniger wichtige regelmässige Zusammenkünfte, bei denen kleinere Gruppen von Hexen zusammenkamen und die meist wöchentlich abgehalten wurden.
Die Idee vom Hexensabbat - und damit auch der Begriff des Hexenkults - wurde in den verschiedenen Ländern mit unterschiedlicher Bereitwilligkeit akzeptiert. Auf dem europäischen Kontinent zwang man Hexen unter der Folter, ihre Teilnahme an solchen Zusammenkünften zu gestehen, und ermunterte sie, ausführlich über das Geschehen und die Anwesenden zu berichten. In England hingegen, wo die Anwendung der Folter nicht erlaubt war, wurden nur wenige zu solch detaillierten Aussagen gedrängt. Folglich gab es hier im Verhältnis zu anderen Ländern eine recht geringe Zahl von Massenprozessen gegen Hexen, die in diese Fälle verwickelt wurden, weil sie angeblich Mitglieder eines Hexenzirkels waren, in dem sie regelmässig zusammenkamen, um zu feiern und ihre Magie auszuüben.
Die frühesten Berichte über Hexensabbate stammen aus der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. Die vielleicht älteste Beschreibung wurde 1335 von Anne-Marie de Georgel in Toulouse gegeben. Anne-Marie de Georgel berichtete, dass sie nach einer Begegnung mit dem Teufel, der ein grosser dunkler Mann mit feurigen Augen und Kleidern aus Häuten gewesen sei, in einer Sonnabendnacht ihren ersten Hexensabbat erlebt habe, wohin sie einfach kraft ihres Willens gelangt sei. Dort habe sie ein Dämon in Gestalt eines Ziegenbocks die Mittel und Wege des Bösen gelehrt. Catherine Delort, eine andere französische Hexe aus derselben Zeit, gab an, den Sabbat jeden Sonnabend besucht zu haben, nachdem sie in einen tranceähnlichen Schlaf gefallen sei. Es ging das Gerücht, dass um 146o zwei Inquisitoren in Norditalien heimlich an einem Hexensabbat teilgenommen hätten, jedoch entdeckt und getötet worden seien, noch ehe sie hätten ausführlich Bericht erstatten können. Der berüchtigte Malleus maleficarum aus dem Jahre 1486 enthielt zu diesem Thema zwar nur wenige Hinweise, doch innerhalb von zwanzig Jahren war der Hexensabbat zu einer zentralen Erscheinung der Hexenmythologie und zur Grundlage zahlloser Verfolgungen geworden.
Den Aussagen überführter Hexen zufolge wiesen die Sabbate von Schottland und Skandinavien im Norden bis hin nach Spanien und Italien im Süden bestimmte gemeinsame Merkmale auf - was zu einem grossen Teil der Tatsache geschuldet war, dass die Verhörenden überwiegend dieselben Fragen stellten und darauf natürlich ähnliche Antworten bekommen mussten. Diese grossen Zusammenkünfte fanden meist im Freien und an abgelegenen Stellen statt, die möglicherweise schon als Orte des Bösen verrufen waren - an Kreuzwegen, Steinkreisen und auf den Gipfeln von Bergen wie beispielsweise dem Brocken -, wurden gelegentlich aber auch in Häusern, Scheunen oder gar in Kirchen abgehalten.
Da der Hexensabbat ein besonderes Ereignis war und nur selten stattfand, nahmen daran wahrscheinlich viele Hexen teil, die aus allen Teilen einer Region oder eines Landes kamen. Es gibt sogar Berichte von Sabbaten mit angeblich mehreren Tausend Teilnehmern. Die vielleicht grösste aktenkundige Zusammenkunft dieser Art fand 1440 in der Bourgogne statt; damals sollen sich über zehntausend Hexen getroffen haben.
In den Darstellungen des Volksglaubens fanden die Hexensabbate stets bei Nacht statt, fuhren die Hexen etwa zwei Stunden vor Mitternacht aus ihren Häusern und flogen auf Dämonen, Besen, behexten Menschen und Tieren oder anderen Dingen durch die Dunkelheit. Tatsächlich sagten viele Hexen vor Gericht aus, sie seien zu ihren Treffen gelaufen oder ganz normal auf Pferden geritten. Um von ihren Ehemännern nicht entdeckt zu werden, liessen verheiratete Hexen in ihrem Bett einen Dämon oder einen Besen zurück und behexten ihre Männer, um diese glauben zu machen, ihre Frauen seien noch anwesend. Andere gaben an, sie hätten ihren Körper verlassen, um in ihrer „Geistergestalt” am Sabbat teilnehmen zu können. Die Versammlung sei gewöhnlich durch Feuer oder mit dem Licht von schwarzen Wachskerzen beleuchtet gewesen.
Üblicherweise führte der Teufel, manchmal auf einem Thron sitzend und vielleicht auch in Begleitung seiner „Königin”, den Vorsitz über die Zusammenkunft. Dieser Meister der Zeremonien erschien gewöhnlich in Gestalt eines Tieres - typischerweise als Ziegenbock oder als Hund. Die Anwesenden begannen mit den rituellen Handlungen, indem sie dem Teufel ihre Untertanentreue bezeigten, dabei das Hinterteil ihres Herrn küssten und Christus abschworen. Ganz im Sinne des Glaubens, verkehrten die Diener Satans die normalen christlichen Praktiken in ihr Gegenteil, wurde das Gerücht verbreitet, die Hexen entböten dem Teufel ihre Ehrenbezeigung auf die bizarrste Art. Der Dämonologe Francesco-Maria Guazzo legte dar, wie Hexen mitunter „ihre Knie wie demütige Bittsteller beugen und manchmal mit gekrümmtem Rücken stehen und manchmal ihre Beine hoch hinausstrecken, so dass ihr Kopf zurückgeworfen ist und ihr Kinn gen Himmel zeigt ... sie beugen ihren Rücken und wie Krebse rückwärts gehend, strecken sie ihre Hände nach hinten, um ihn in Demut zu berühren”. Den Aussagen einiger Hexen zufolge wurden die Anwesenden manchmal auch mit ihren in einem roten Buch eingetragenen Namen aufgerufen.
Dann berichteten die Hexen dem Teufel angeblich von ihren Übeltaten, die sie seit der letzten Zusammenkunft in seinem Namen begangen hatten. Der Teufel gab dann möglicherweise Anweisungen für die Schurkereien, die bis zum nächsten Treffen auszuführen waren, und händigte seinen Anhängern gewisse Zaubersalben und Pulver aus, die sie in seinem Auftrag verwenden sollten. Wo nötig, erläuterte der Teufel, wie ein bestimmtes Ziel zu erreichen sei, so wie es 1S97 Jakob I. in seiner Dämonologie beschrieb:

Was ihre Beratungen danach betrifft, so machen sie am häufigsten in den Kirchen Gebrauch davon, wo sie zur Verehrung zusammenkommen; zu welcher Zeit ihr Meister sich bei ihnen erkundigt, womit sie beschäftigt sind, jede ihm berichtet, welche böse Tat sie begangen hat, um entweder zu Reichtümern zu gelangen oder uni Rache zu nehmen an einem, gegen den sie Groll hegt; der Meister erfüllt ihre Bitten und lehrt sie die Mittel, wodurch sie selbige begehen können.

Dann mochten dem Teufel wohl die Neulinge vorgestellt worden sein, und dieser hielt geheimnisvolle Zeremonien von absichtlich gotteslästerlichem Charakter ab. Dabei fanden angeblich Hexenhochzeiten und Taufen statt, wie Pierre de Lancre erläuterte: „Die Hexen liessen ihre Kinder öfter beim Sabbat als in der Kirche taufen und weihten sie häufiger dem Teufel denn Gott.” Die Trauungszeremonien waren flüchtig und obszön in ihrer bewussten Geringschätzung der christlichen Rituale, denn die Partner beugten sich einfach nieder, und einer schlug dem andern auf das Hinterteil.
Zu den Höhepunkten eines herkömmlichen Hexensabbats gehörte der Festschmaus, zu dem der Teufel seine Untergebenen einlud. Einige Hexen beschrieben das Mahl als üppig, andere wiederum meinten, das Essen sei absichtlich verdorben und ohne Salz zubereitet gewesen. Pierre de Lancre, der 1612 in seiner Schrift Tableau de l'inconstance des mauvais Anges eine umfassende Beschreibung eines Hexensabbats lieferte, erklärte, dass „nur Fleisch von Leichen und gehängten Männern, die Herzen ungetaufter Kinder und unreine Tiere, die Christen niemals essen, verspeist werden ...” Nicolas Remy stellte in seiner Demonolatreiae aus dem Jahre 1595 fest, dass die „Festessen in ihrem Aussehen und Geruch so schlecht sind, dass sie auch im hungrigsten und gierigsten Magen ohne weiteres Übelkeit hervorrufen”. Als Getränke reichte der Teufel nach Ansicht Remys „in schmutzigen kleinen Bechern weinähnliche Klumpen von schwarzem Blut”. Im Gegensatz dazu schmausten die Hexen von Pendle bei ihren Zusammenkünften Rindfleisch, Schinken und gebratenen Hammel, während die Hexen von Somerset Fleisch und Kuchen genossen und dazu Weisswein oder Bier tranken. Manche Hexen sprachen von einem Zauberkuchen, der schwarze Hirse und das Fleisch ungetaufter Kinder enthalten und den es am Ende des Banketts gegeben habe.
Neben dem Schmaus waren weitere Höhepunkte des Hexensabbats Gesang und „unanständige” Tänze, zu denen oftmals der Teufel persönlich Musik machte. Manchmal sorgte auch eine der Hexen für musikalische Begleitung, wie es Gilly Duncan bei der Zusammenkunft der Hexen von North Berwick tat, als sie auf ihrer Harfe das Lied „Gyllatripes” spielte. Auch hier war es wichtig, dass in allem das Gegenteil von der üblichen Verfahrensweise der Christen getan wurde. Die Tänzer kehrten einander den Rücken zu, und alles ging in der dem Uhrzeigersinn entgegengesetzten Richtung vonstatten.
Strebte das lärmende Fest schliesslich seinem letzten Höhepunkt zu, dann taten sich - mitunter auf ein Zeichen des Teufels - alle Anwesenden, auch der Teufel selbst, zur Befriedigung ihrer fleischlichen Gelüste aufs Geratewohl mit irgendwem und ohne Rücksicht auf die üblichen Hemmungen oder Verbindlichkeiten zusammen. Im allgemeinen behauptete man, es habe dabei Inzest, Sodomie, Homosexualität und andere Praktiken gegeben, die die Gesellschaft üblicherweise für unakzeptabel hielt. Der Aussagen von Madeleine de Demandolx zufolge waren bestimmte Nächte der Woche jeweils für besondere sexuelle Betätigungen vorgesehen:
An Sonntagen beflecken sie sich durch ihre unsittliche Kopulation mit den Teufeln, die Sukkubi und Inkubi sind; immer mittwochs verunreinigen sie sich mit Sodomie; an Sonnabenden entwürdigen sie sich in widernatürlicher Unzucht; an den anderen Tagen tun sie es auf die gewöhnliche Weise, die die Natur ihnen vorgegeben hat.
Die Meinungen darüber, ob die körperliche Vereinigung mit dem als schwarzer Mann, Ziegenbock, Hund, Stier oder gar als Hirsch oder Vogel auftretenden Teufel angenehm sei oder nicht, gingen auseinander. Die meisten Hexen klagten, dass die Paarung mit dem Teufel schmerzhaft sei, und behaupteten, dass der Teufel oder sein Vertreter einen künstlichen Phallus benutze, wenn seine natürlichen sexuellen Kräfte erschöpft seien. Jeannette d'Abadie, ein Mädchen aus Frankreich, das im Alter von nur sechzehn Jahren angeblich mehrmals mit dem Teufel verkehrt hatte, behauptete, dass er ihr mit seinem geschuppten Glied starke Schmerzen bereitet habe, dass sein Samen „aussergewöhnlich kalt” gewesen sei und dass sie deshalb niemals von ihm schwanger wurde. Andere bestätigten in ähnlicher Weise die Eiseskälte seiner Genitalien und seines Samens und stimmten zu, dass seine Gunstbeweise ihnen grosse Pein verursacht hätten.
Es gab jedoch auch andere, die fest darauf bestanden, dass der Teufel ein weit fähigerer Liebhaber als jeder sterbliche Mann sei und dass er ihnen grosses Vergnügen bereitet habe, so dass sie sich immer schon auf das nächste Zusammentreffen beim Sabbat gefreut hätten. Im Widerspruch zu jenen, die meinten, das Glied des Teufels sei stets kalt und dünn wie ein Finger, behauptete eine von de Lancre verhörte Hexe, dass der Teufel „ein Glied wie ein Maultier besass und es vorzog, jenes Tier nachzuahmen, da er von der Natur bestens ausgestattet war; dass es so lang und dick wie ein Arni war”. Der italienische Dämonologe Gianfrancesco Pico della Mirandola schrieb im frühen sechzehnten Jahr-hundert, dass „die Teufel das Ding sogar heftig bewegen können, wenn es drinnen ist, weshalb die Frauen mehr Vergnügen daran haben als mit Männern”.
Manche behaupteten, der Teufel behandle seine Partnerinnen entsprechend ihrem Aussehen. Pierre de Lancre, der in seinem Werk von 1612 Hexengeständnisse wiedergab, verfocht die Meinung, dass der Teufel schöne Frauen beim Geschlechtsverkehr von vorn sehen wolle, während die hässlichen ihm den Rücken zukehren müssten. Handelte es sich um einen Hexenmeister, dann nahm der Teufel - so gab der 1438 wegen Hexerei verurteilte Franzose Pierre Vallin an - die Gestalt eines Mädchens an, um mit ihm in dieser Gestalt zu buhlen.
Die Vorstellung, dass die Hexen zu ihren Sabbaten intimen Umgang mit Dämonen hätten, wurde zwar weithin akzeptiert, stellte für Theologen und Dämonologen jedoch ein Problem dar, weil Dämonen eigentlich körperlose Geister waren. Zur Klärung dieses Widerspruchs brachte man verschiedene Theorien vor, darunter auch die, dass sich Dämonen der Körper Verstorbener, insbesondere erst kürzlich Gehenkter, bemächtigten oder ihren Körper selbst aus den Elementen schufen.
Am Ende des Treffens, das angeblich von der beginnenden Morgendämmerung oder vom ersten Hahnenschrei verkündet wurde, zerstreuten sich die Anwesenden und machten sich so auf den Heimweg, wie sie gekommen waren, oder liessen sich durch die Zauberkräfte des Teufels augenblicklich dorthin zurückbringen. Ein unbekannter Autor behauptete in seiner Schrift Errores Gazariorum aus dem Jahre 1450, die Hexen würden in einer letzten Nachäffung der christlichen Eucharistie in ein Fass urinieren und ihren Darm entleeren, ehe sie sich auf den Nachhauseweg machten.

 

 

 

 

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