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Beamter eines Gerichts
oder häufiger eine unabhängige Person, die es sich zur Aufgabe gemacht hat,
die in einer Gemeinde lebenden Hexen auszurotten. Der typische Hexenriecher,
der den Anspruch erhob, über eine genaue Kenntnis der Hexenmythologie zu
verfügen, wurde von der Aussicht auf finanziellen Gewinn, auf hohes
persönliches Ansehen, auf Macht und in manchen Fällen auch vom Ziel der
Auslöschung der Teufelsanhänger auf Erden motiviert. In ganz Europa
verabscheut und gefürchtet, horchten die Hexenriecher auf der Suche nach
Opfern auf Dorfklatsch und banale Streitereien, nutzten sie irrationale
Ängste vor dem Übernatürlichen aus und lieferten den Gemeinden, die
möglicherweise von wirtschaftlichen Problemen, Krankheiten oder von
Schwierigkeiten ausserhalb des menschlichen Einflusses bedrückt waren,
willkommene Sündenböcke.
Sie nahmen es auf sich, erste Beweise für einen Fall zusammenzutragen, der
von der Obrigkeit verfolgt werden musste, von der sie in der Regel
grosszügige Honorare erhielten, und erlagen daher sicher auch der
Versuchung, Beweise zu fälschen, um Verurteilungen zu erwirken. Häufig
griffen sie zu den brutalsten Methoden, die ihnen im Rahmen der herrschenden
Gesetze zu Gebote standen, um Geständnisse zu erpressen. Die meisten
Hexenriecher indes hielten die Nadelprobe und das Schwemmen für ausreichend,
um die erforderlichen Beweise zu erlangen. Hatten sie ihre Anschuldigungen
bei der Obrigkeit vor-gebracht, dann steckten sie ihren Lohn ein und
verliessen die Stadt, lange bevor die eigentlichen Prozesse in Gang kamen.
Die Hexenriecher reisten auf Einladung der lokalen Behörden, die wegen
verschiedener Hexereigerüchte besorgt waren, von Stadt zu Stadt. Die
Tatsache, dass sie im allgemeinen für jede identifizierte Hexe bezahlt
wurden, ermunterte die Hexenriecher, möglichst viele Verdächtige zu
belasten, ohne die Empfindungen der ortsansässigen Bewohner gegen sich
aufzustacheln, indem sie die Personen benannten, die zu populär oder gut
genug situiert waren, um sich verteidigen zu können. Einige Hexenriecher
häuften mit ihren Aktivitäten ein beträchtliches Vermögen an. Zu ihnen
gehörte der berüchtigte Matthew Hopkins, der selbst-ernannte „Oberste
Hexenriecher”, der um die Mitte der vierziger Jahre des siebzehnten
Jahrhunderts einige Jahre lang Ostanglien und benachbarte Gebiete Englands
terrorisierte. Andere aktive Hexenriecher waren Samuel Cocwra, der sich 1579
mit einer Lizenz des Kronrats in den nordwestlichen Midlands betätigte, und
der Schotte Alexander Chisholm, der in den sechziger Jahren des siebzehnten
Jahrhunderts Verdächtige aufspürte und in seinem Haus in Commer verhörte und
folterte.
Professionelle Hexenriecher stellten im frühen siebzehnten Jahrhundert in
den deutschen Staaten eine besondere Bedrohung dar. Zu den berüchtigtsten
zählten Jakob Bithner, der in der Steiermark Hexen gegen Bezahlung
identifizierte, und ein Mann namens Geiss, der in Lindenheim eine Herrschaft
des Terrors errichtete. Er konzentrierte sich hauptsächlich auf die
wohlhabenderen Einwohner der Gemeinde, deren Besitz zugunsten der Kirche und
der städtischen Beamten konfisziert wurde, doch er ging mit seinen
Aktivitäten zu weit und wurde von den aufgebrachten Bürgern schliesslich aus
der Stadt getrieben. Gleichermassen mörderisch war die Tätigkeit des Grafen
Balthasar Voss, der behauptete, in einem Zeitraum von fünfzehn Jahren die
Verurteilung von fast tausend Hexen erwirkt zu haben, ehe der Oberste
Gerichtshof des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1603 seine Aktivitäten
einschränkte. Andere fanatische Hexenriecher waren Jörg Abriel, der viele
Hexen in der Gegend um Schongau aufspürte, sowie ein Mann, der unter dem
Namen Nagogeorgus bekannt war und in Esslingen bei Stuttgart sein Unwesen
trieb.
Besonders bemerkenswert war der Fall eines deutschen Hexenriechers mit Namen
Kothmann, dessen Mutter in Lemgo als Hexe hingerichtet worden war. Kothmann
stieg später durch üble Machenschaften in das Amt des Bürgermeisters von
Lemgo auf und begann dann mit einer systematischen Verfolgung der Familien
jener, die seine Mutter zum Tode verurteilt hatten. Als Kothmann 1684 starb,
hatte er die Hinrichtung von neunzig Menschen wegen Hexerei auf dem
Gewissen.
Als sich der im Volk verbreitete Hexenglaube in der zweiten Hälfte des
siebzehnten Jahrhunderts legte, verschwanden auch die Hexenriecher sehr
bald. Die meisten entgingen der Bestrafung und zogen sich wohlweislich aus
der Öffentlichkeit zurück. |