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Mal, Auswuchs oder Makel
auf der Haut einer angeklagten Person, das einst als physischer Beweis für
Hexerei galt. Der Hexenmaltheorie zufolge nährte jede Hexe, die einen
Hausgeist hielt, dieses Geschöpf mit Blutstropfen aus ihrem Körper. Die
Kobolde nahmen das Blut an besonderen Saugwarzen auf, die, wenn sie bei der
Untersuchung auf Hexenmale entdeckt wurden, vor Gericht als Schuldbeweis
galten. Der Nachweis von Hexenmalen spielte besonders in den Hexenprozessen
in England, Schottland und folglich auch in Neuengland eine grosse Rolle.
Kritikern, die bezweifelten, dass die Untergebenen des Teufels einer
physischen Ernährung bedurften, antwortete Henry Hallywell in seinem Werk
Melampronoea aus dem Jahr 1681 mit der Behauptung, dass Dämonen Nahrung
brauchten, um ihren unmoralischen Lebenswandel pflegen zu können:
Da sie so sehr verdorben sind, werden sie durch das ständige Wegfliessen von
Partikeln ausgehöhlt, und deshalb brauchen sie etwas Nahrung, um den Platz
der vergänglichen Atome auszufüllen, was durch das Einsaugen des Blutes und
der Geister dieser armen Wesen geschieht ... Und ohne Zweifel haben diese
unreinen Teufel so viel Vergnügen beim Saugen des warmen Blutes von Menschen
oder Tieren, wie ein fröhliches und gesundes Wesen beim Einatmen der
erfrischenden Brise reiner und klarer Luft empfindet!
Hexenmale liessen sich faktisch überall am Körper finden. Gewöhnlich wurden
sie an relativ verborgen liegenden Stellen entdeckt und erforderten daher
eine gründliche Suche. Manchmal fand man die Saugwarzen, die in ganz
unterschiedlichen Grössen vorkamen, an den Fingern, manchmal auf dem Kopf,
unter der Zunge oder an den Genitalien. Elizabeth Sawyer, die Hexe von
Edmonton, die 1621 vor Gericht stand, hatte „ein Ding wie eine Brustwarze
von der Stärke des kleinen Fingers und der Länge eines halben Fingers, das
an der Spitze wie eine Brustwarze vergrössert war und aussah, als habe
jemand daran gesaugt”. Bei Bridget Bishop wiederum, einer der Hexen von
Salem, sollte bei der ersten Untersuchung eine kleinere Saugwarze gefunden
worden sein, die gänzlich verschwunden war, als bei ihr eine zweite
Untersuchung vorgenommen wurde. John Bell, ein schottischer Geistlicher, der
im achtzehnten Jahrhundert über dieses Thema schrieb, schilderte die
Hexenmale als „etwas wie ein kleiner Fleck oder eine kleine Saugwarze oder
rote Flecken wie Flohbisse, mitunter ist auch das Fleisch wie zu einer Höhle
eingesunken”.
Bei vielen Hexen wurden sogar mehrere Hexenmale an verschiedenen Stellen
gefunden. Als Amy Duny, eine der 1662 verurteilten Hexen von Bury St.
Edmunds, untersucht wurde, identifizierten die Fachleute nicht weniger als
vier solcher Male:
Sie begannen an ihrem Kopf und streiften ihr die Kleider ab, und am unteren
Teil ihres Bauches fanden sie ein Ding wie eine Saugwarze von etwa drei
Zentimetern Länge. Sie befragten sie darüber, und sie sagte, dass sie einen
Bruch durch das Wassertragen habe, was diesen Auswuchs verursacht habe. Aber
bei genauerer Suche fanden sie in ihren Geschlechtsteilen drei weitere
Auswüchse oder Saugwarzen, doch kleiner als der vorherige. Die Erschienene
sagte weiter, dass in der langen Warze am Ende ein kleines Loch sei, und es
schien ihnen, als sei erst kürzlich daran gesaugt worden, und beim Ziehen
daran kam eine weisse milchige Substanz heraus.
Hexenmale unterschieden sich deutlich vom Teufelsmal, dem unempfindlichen
sichtbaren Schönheitsfehler oder unsichtbaren Punkt, der verriet, wo der
Teufel die vermeintliche Hexe als eine der Seinen gezeichnet hatte. Einige
Hexenriecher - darunter auch der berüchtigte Matthew Hopkins - behaupteten
jedoch, dass das Teufelsmal wie auch das Hexenmal schmerzunempfindlich
seien, und machten keinen Unterschied, wenn sie mit der üblichen Nadelprobe
am Körper ihrer Opfer nach beiden Malen suchten.
Als Reaktion auf die Beschwerden einiger Kritiker, dass es keine Möglichkeit
gebe, zwischen einem Hexenmal und einem natürlichen Makel oder Auswuchs zu
unterscheiden, erläuterte Hopkins in seinem Werk The Discovery of Witches,
dass es drei wichtige Hinweise gebe. Die ersten beiden seien die
ungewöhnliche Lage der Saugwarze weit weg von der normalen Position sowie
die Unempfindlichkeit solcher Körperstellen. Der dritte Beweis sei das, was
mit einem kaum erkennbaren Mal geschehe, wenn eine der Hexerei verdächtige
Person daran gehindert werde, ihre Hausgeister vierundzwanzig Stunden lang
nicht zu füttern:
... behaftet sie 24 Stunden gewissenhaft im Auge, dass keiner ihrer Geister
in sichtbarer Gestalt hereinkommt, um an ihr zu saugen; die Frauen haben am
nächsten Tag nach ihren Saugwarzen gesehen, die auf ihre frühere volle Länge
ausgedehnt waren, voller Fäulnis, bereit hervorzubrechen, und wenn Ihr sie
dann eine Viertelstunde allein und die Frauen wieder hinaufgehen lasst, wird
sie sie von ihren Kobolden wieder verbergen lassen.
Der Glaube der Menschen an das Hexenmal als Schuldbeweis war so stark, dass
1593 die Leiche der gerade gehängten Alice Samuel, eine der Hexen von
Warboys, entkleidet wurde, so dass alle Anwesenden eine „kleine Geschwulst
von Fleisch [sehen konnten], in einer Art hervortretend, als sei es eine
Saugwarze von der Länge eines reichlichen Zentimeters gewesen”, die die
Schuld der Hingerichteten anscheinend so klar bewies. Zu den letzten
Autoritäten, die für die Hexenmaltheorie Partei ergriffen, gehörte der
amerikanische Dämonologe Cotton Mather, der seinen Standpunkt mit
Entschlossenheit verteidigte: „Ich füge hinzu, warum soll man nicht nach
Hexenmalen suchen? Die Eigenschaften dieser Male werden von etlichen
einflussreichen Autoren beschrieben. Ich sah nie eines dieser Male, doch für
einen Chirurgen ist es zweifellos möglich zu sagen, welche magisch sind,
wenn sie sie sehen.” |