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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Hexenflug

Die vermeintliche Fähigkeit der Hexen, auf Besen, schwarzen Widdern, Ziegenböcken und anderen Tieren, auf behexten Menschen und einer Reihe von Gegenständen wie etwa auf Astgabeln, unbeschädigten Eier-schalen und Strohwischen oder ganz und gar ohne Hilfsmittel durch die Lüfte fliegen zu können. Der Glaube an diese Fähigkeit war ein zentraler Aspekt der Hexenmythologie, und die angeblichen Flugkunststücke wurden in Hexenprozessen immer wieder als Schuldbeweis gegen die Verdächtigen angeführt. Die Vorstellung, dass gewisse Personen durch Abmachungen mit dem Teufel über die Kraft des Fliegens verfügten, war jedoch viel älter. Sie fand ihren Ausdruck lange vor der Entwicklung des eigentlichen Hexenwesens in der Geschichte vom „Nachtflug” der Anhängerinnen der Göttin Diana. Noch in den Anfängen des mittelalterlichen Hexenwesens lehnte der Canon Episcopi den Gedanken ab, dass solche Frauen fliegen könnten, doch spätere Generationen von Dämonologen verstanden es, diese Ansicht mit dem Argument zu umgehen, dass sich die Hexen vielleicht tatsächlich vorstellen könnten, solche Flüge zu unternehmen oder unternommen zu haben, und damit genauso schuldig seien, als wenn sie es in Wirklichkeit getan hätten. 1529 diskutierten zehn hohe Beamte der spanischen Inquisition über diese Frage: Sechs von ihnen kamen anhand der vorgelegten Beweise und Aussagen zu dem Ergebnis, dass die Hexen wirklich flögen, drei schlussfolgerten, dass die Hexen sich den Flug lediglich einbildeten, und einer konnte sich zu keiner Entscheidung durchringen.
Zu den frühesten Erwähnungen des Hexenfluges gehörte der Bericht über Alice Kyteler, die berühmte irische Hexe aus dem vierzehnten Jahrhundert. Alice Kyteler stand in dem Ruf, einen Stab zu besitzen, auf dem sie „durch dick und dünn ritt, wann und auf welche Art es ihr beliebte, nachdem sie ihn mit einer Salbe, die man bei ihr fand, bestrichen hatte”. Eine solche Flugsalbe, die der Teufel beschaffte oder die Hexe aus verschiedenen exotischen Ingredienzien selbst herstellte, galt weit und breit als unentbehrlich für eine Hexe, die über die Fähigkeit des Fliegens verfügen wollte, und von Zeit zu Zeit wurden Proben davon auch als Beweis-mittel bei Gericht vorgelegt. Manche behaupteten, der Teufel schenke solch eine Salbe nur jenen Hexen, die den Ort der Hexensabbate sonst nur mit Schwierigkeiten erreichen könnten, doch viele, die sich mit diesem Thema beschäftigten, machten geltend, dass alle Hexen fliegen könnten. Daneben gab es auch Spekulationen, dass der Teufel seine Anhänger das Fliegen lehre, um damit seine Geringschätzung für die Fähigkeit der Engel, durch die Lüfte zu schweben, auszudrücken.
Die Gerichte zeigten sich meist bereit zu glauben, dass eine Hexe, die sich zu ihren Flugkünsten bekannt hatte, wahrscheinlich genauso durch die Lüfte geflogen war, wie sie es beschrieben oder wie es ihre Ankläger behauptet hatten. Für die Andeutungen gewisser Dämonologen, dass „nur der Geist” der Hexe flöge und ihr Körper zur Irreführung des Ehepartners zurückbleibe, oder dass Hexen lediglich in ihrer Phantasie durch die Lüfte schwebten, hatten die Hexenrichter keinen Sinn; sie zogen es vor, die Volksmeinung zu bestätigen, wonach sich die Hexen mit Hilfe ihrer Magie wirklich empor- und davontragen liessen. Bezeichnenderweise gestanden viele der Hexerei Angeklagte, im tranceähnlichem Zustand geflogen zu sein, was nahe legte, dass sie von ihrem Flug einfach nur geträumt hatten.
Die Tatsache, dass viele Hexen gestanden, ihren Körper vor dem Flug zum Sabbat mit einer Salbe eingerieben zu haben, liess zahlreiche Theorien darüber aufkommen, dass die Flüge ausschliesslich in der Phantasie stattfänden und dass dafür der Einfluss gewisser Drogen verantwortlich sei, die mit der Flugsalbe, die hier scheinbar eine wichtige Rolle spielte, in den Körper gelangten. Andere Thesen wiesen darauf hin, dass eine Mutterkornvergiftung durch den Verzehr von Roggenbrot ohne weiteres Halluzinationen, darunter auch die Vorstellung zu fliegen, hervorrufen könne.
Was auch immer der Grund sein mag - viele Hexen glaubten zweifellos daran, die Kunst des Fliegens zu beherrschen. Im fünfzehnten Jahr-hundert beschrieb eine Hexe aus dem Baskenland, wie sie und ihre Gefährten in Pferde verwandelt worden und dann in den Himmel aufgestiegen seien, nachdem sie sich mit einer Salbe aus pulverisierten Kröten, Froschlöffel und anderen Zutaten bestrichen hätten. Isobel Gowdie behauptete 1662 in ihrem freiwillig abgelegten Geständnis, auf einem „Pferd” aus Stroh oder auf einem Bohnenstängel geflogen zu sein, den sie sich mit den Worten „Pferd und Sattel in des Teufels Namen” zwischen die Beine geklemmt habe. Zwei Jahre darauf berichtete Mrs. Julian Cox während des Prozesses gegen die Hexen von Somerset, wie sie eines Abends drei Menschen gesehen habe, die etwa anderthalb Meter über dem Boden auf Besen geflogen seien.
Gelegentlich behaupteten unabhängige Zeugen, fliegende Hexen gesehen zu haben. In seinem Compendium maleficarum aus dem Jahre 1626 erzählte Francesco-Maria Guazzo beispielsweise die berühmte Geschichte über einige Soldaten in Calais, die in eine Wolke schossen, aus der sie Stimmen gehört hatten, worauf ihnen eine nackte Frau mit einer Wunde am Oberschenkel vor die Füsse fiel.
Manchen frühen Quellen zufolge ritten gute Hexen auf Stöcken und schlechte auf Wölfen; doch schliesslich übernahm in den Geständnissen der Besen die Rolle des üblichen Transportmittels, auf dem die Hexe ihr Haus auf herkömmliche Weise durch den Schornstein verliess.
Nur selten geschah es, dass Hexen in der Luft zu Schaden kamen. Eine Ausnahme bildete ein Zwischenfall, bei dem ein Hexer angeblich zu nahe an einer Kirche vorbeiflog und dabei seine Hose an der Kirchturmspitze hängen blieb. Das arg zerrissene Kleidungsstück wurde bei Gericht vorgelegt und als Beweismittel anerkannt. Die einzige Gefahr, die fliegenden Hexen ansonsten drohte, waren Kirchenglocken, die zufällig geläutet wurden, wenn eine Hexe vorüberflog. Der Klang der Glocken, so glaubte man, hielt alle Hexen in Hörweite mitten im Flug fest und liess sie auf die Erde niederstürzen. Hielt man die Hexenplage in einer Gegend für besonders gross, dann liess die Obrigkeit mitunter alle Glocken in der Umgebung läuten, um die Bedrohung abzuwehren. Eine andere Gegenmassnahme bestand darin, Sensen und andere scharfkantige Werkzeuge und Gegenstände ins Gras zu legen, damit die Hexen nicht landen konnten.
Der Glaube an die Fähigkeit zum Fliegen zieht sich durch die gesamte Geschichte des Hexenwahns. In England schwand er zumindest an den Gerichten in der zweiten Hälfte des acht-zehnten Jahrhunderts, als Lord Mansfield diesbezügliche Anschuldigungen als nicht ernstzunehmend abwies. Er erklärte, dass es selbst für den Fall, dass ein Verdächtiger am Himmel entlanggeflogen sei, nach seiner Kenntnis in England kein Gesetz gäbe, das das Fliegen verbiete, und dass jeder die Freiheit habe, dies zu tun, wenn er in der Lage dazu sei.

 

 

 

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