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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Hausgeist

Dämon oder Kobold, meist in der sichtbaren Gestalt eines Tieres, das einer Hexe oder einem Zauberer zugeteilt war, um auf deren Befehl hin Zaubereien auszuführen. Die Vorstellung vom Hausgeist einer Hexe war hauptsächlich eine Erfindung der englischen und schottischen Hexentradition. Obwohl sie wahrscheinlich von der frühen Tierverehrung herrührt, die einst überall in Europa bekannt war, gab es auf dem Kontinent relativ wenig Fälle, in denen angebliche Hexen wegen des Besitzes solcher übernatürlicher Wesen angeklagt wurden. Die Vorstellung gelangte mit den englischen Siedlern an das jenseitige Ufer des Atlantik, wo sie in mehreren berühmten amerikanischen Prozessen, darunter auch in dem Verfahren gegen die Hexen von Salem, eine Rolle spielte.
Unter dem Hexengesetz von 1604 galt es in England als Verbrechen „irgendeinen bösen oder schädlichen Geist um Rat zu fragen, mit ihm zu paktieren, ihn zu beherbergen, zu beschäftigen, zu füttern oder zu belohnen”. Die Vorstellung vom Hausgeist einer Hexe kam indes erst in den vierziger Jahren des siebzehnten Jahrhunderts richtig zum Tragen, als der berüchtigte Hexenriecher Matthew Hopkins von verschiedenen Verdächtigen Einzelheiten über deren übernatürliche Diener erpresste. Bei seiner ersten Untersuchung von Hexerei in dem Prozess gegen Elizabeth Clarke aus Manningtree, Essex, behauptete er sogar, die Hausgeister der Angeklagten mit eigenen Augen gesehen zu haben. Er konnte die fünf verschiedenartigen Kobolde ausführlich beschreiben, die in den Raum gekommen seien, in dem er Elizabeth Clarke verhörte. Die Frau wurde von da an drei Tage und Nächte ohne Unterbrechung gewaltsam wachgehalten. In seiner Schrift 7 'he Discovery of Witches erinnert sich Hopkins an das Äussere dieser fünf Kobolde:

  • Holt, der als weisses Kätzchen hereinkam.

  • Jarmara, der als fetter Spaniel ohne ein einziges Bein hereinkam und von dem sie sagte, dass sie ihn fett hielte, und sie schlug mit der Hand auf ihren Bauch und sagte, er sauge gutes Blut aus ihrem Körper.

  • Vinegar Toni, der wie ein langbeiniger Windhund war, mit einem Kopf wie ein Ochse, mit einem langen Schwanz und grossen Augen, der sich, als der Entdecker ihn ansprach und bat, zu dem Platz zu gehen, der für ihn und seine Engel vorbereitet sei, sofort in ein kopfloses Kind von vier Jahren verwandelte und ein halbes Dutzend mal durch das Haus rannte und dann an der Tür verschwand.

  • Sack und Sugar als schwarzes Kaninchen.

  • Newes als Iltis. Sie alle verschwanden nach kurzer Zeit.

 

Der Hausgeist, der meist mit einer der geringen Gottheiten der Hölle gleichgesetzt wurde, war angeblich ein Geschenk des Teufels zur Initiation einer Hexe. In der Praxis jedoch wurden die Hausgeister oftmals von einer Hexe an eine andere weitergegeben oder vererbt. Die Vorstellung von solch niederen Dämonen, die vermeintlichen Hexen dienten, war für alle bequem, die die Verfolgung der Hexerei unterstützten: Sie umging die kritischen Andeutungen jener, die über die Vorstellung spotteten, dass der Teufel persönlich sich herabliess, nach der Pfeife oftmals schwachsinniger alter Weiber zu tanzen.
In vielen Fällen nahm der Hausgeist die Gestalt eines Haustieres an; am häufigsten kam er als Katze, Kröte, Hase, Amsel, Krähe oder Hund. Es gab aber auch Fälle, in denen die angeklagte Person angeblich einen Hausgeist auch in Gestalt eines Igels, eines Wiesels, eines Frettchens, eines Maulwurfs, einer Maus, einer Ratte oder eines Insekts - etwa einer Biene oder eines Grashüpfers - hielt. Grössere Tiere, wie beispielsweise Pferde oder Hirsche, waren als „wahrsagende Hausgeister” bekannt und konnten, obgleich sie keiner bestimmten Hexe gehörten, über die Zukunft befragt werden.
Manche Hexen beschrieben eher fremdartige Tiere, die die Eigenschaften mehr als eines Geschöpfes in sich vereinten. Es haben allerdings nur wenige unabhängige Zeugen je behauptet, ein solches Wesen gesehen zu haben. Bridget Bishop aus Salem gehörte zu denen, die Kontakt zu solch einem Wesen hatten. Sie beschrieb es als „ein schwarzes Ding ... der Körper war der eines Affen, die Füsse von einem Hahn, doch das Gesicht dem eines Menschen sehr ähnlich ...” Eine andere Hexe überraschte ihre Befrager mit der Behauptung, sie habe einen Hausgeist vom Äusseren einer Katze, die leuchtend blau sei. Viele Hausgeister konnten sich scheinbar auch willkürlich von einer Gestalt in eine andere verwandeln.
Mitunter erschienen Hausgeister als Menschen: Mehrere Hexen sprachen von hübschen jungen Männern in Schwarz, die den Hexen dafür, dass sie ihnen für einen späteren Zeitpunkt ihre Seele versprachen, jeden Wunsch erfüllten. Margaret Johnson, einer der Hexen von Pendle, diente ein gutgekleideter Mann, der sich Mamilion nannte, während Anne Chattox, die eben-falls aus Pendle stammte, von ihrem Hausgeist als „einem Ding wie ein christlicher Mann” sprach. Beim Verhör behauptete Ellen Driver aus Framlingham in Suffolk 1645, ihren Hausgeist geheiratet zu haben, der mit Ausnahme seiner Klauenfüsse in jeder Hinsicht ein Mensch gewesen sei. Sie hätten zwei Kinder gehabt, ehe er gestorben oder auf andere Weise „verschwunden” sei. Eine andere angebliche Hexe schilderte, wie sich ihr Haus-geist in der Gestalt des Propheten Daniel materialisiert habe. Es gibt auch Berichte über einen Hausgeist, der das Aussere eines Bischofs bevorzugte und Feuerströme ausspie. Meist nahm man jedoch an, dass hinter den Hausgeistern in Menschengestalt der Teufel selber und nicht einer seiner Günstlinge steckte.
Manche Hexen bekannten, mehr als einen Hausgeist zu besitzen. Ursula Kempe, eine der Hexen von St. Osyth, gab zu, nicht weniger als vier Hausgeister zu haben - eine graue Katze, die Tyttey gerufen werde, eine schwarze Katze mit Namen Jack, eine Kröte, die Pygine hiesse, und ein Lamm mit Namen Tyffin.. Cicely Gelles, eine weitere Hexe aus St. Osyth, hatte offensichtlich Schwierigkeiten, ihren Hausgeist in Schach zu halten. Ihr neunjähriger Sohn schilderte, wie ein schwarzer Kobold, der mit seiner Gestalt seiner Schwester nicht unähnlich gewesen sei, ihn an der Zehe gepackt und er seinen Vater gerufen habe, damit er ihn rette: „Worauf sein Vater zu seiner Mutter sagten: ,Warum kannst du Dirne nicht deine Kobolde von meinen Kindern fernhalten? Worauf sie den Kobold sogleich mit den Worten wegrief ,Geh weg, geh weg.' Worauf der Kobold wegging.”
Selbst wenn eine Hexe kein Tier besass, hinter dem sich ein Hausgeist vermuten liess, war das für jene, die sie zu überführen suchten, kein unüberwindliches Hindernis. Man konnte jedes Tier, das irgendwo in ihrer Nähe gesehen worden war - von einem vorbeilaufenden Hund bis zu einer Katze, die auf ein Fensterbrett am Haus der vermeintlichen Hexe gesprungen war - ohne weiteres als ihren dämonischen Diener identifizieren.
Hausgeister wurden auch getauft. Das geschah mit einer besonderen Zeremonie, bei der man den Wesen häufig bizarre nichtchristliche Namen wie Pyewackit, Gibbe, Peckin the Crown oder Butterkin gab. Sie waren oft wohl-genährt und wurden für ihre Dienste traditionell mit einigen Tropfen vom Blut ihres Besitzers oder ihrer Besitzerin belohnt. Manche Hexen gaben dem Futter für ihre Hausgeister auch einige Tropfen ihres Blutes zu. Ursula Kempe behauptete, die Kobolde Blut an ihrem Oberschenkel saugen zu lassen. Andere rühmten sich einer überzähligen Brustwarze, an der sie ihre dienstbaren Geister säugten; die Entdeckung einer solchen Brustwarze galt als überzeugender Schuldbeweis.
Die typischen Freveltaten, die die Hausgeister im Namen ihrer Herren angeblich begingen, reichten vom Sauermachen der Milch, dem Verderben des Viehs und des Besitzes bis zum Mord. Von manchen Hexen wurde berichtet, sie flögen statt auf einem herkömmlichen Besen auf dem Rücken ihres Hausgeistes. Ein Fall, bei dem es um Mord ging, war der der Dorothy Ellis aus Cambridgeshire, die 1647 bekannte, ihr Katzen-Hausgeist habe einige Stück Vieh aus dem Besitz des Thomas Hitch getötet, John Gotobed lahm gemacht, nachdem dieser Steine nach ihr geworfen habe, und der kleinen Tochter des Thomas Salter, der ihr, Dorothy Ellis, ein nicht belegtes Unrecht zugefügt habe, den Tod gebracht. Weitere bekannte Beispiele von Prozessen, bei denen der Besitz von Hausgeistern als Beweismittel eine Rolle spielte, waren die Verfahren gegen die Hexen von Chelmsford, von denen mehrere gestanden, neben anderen Kobolden auch einen mordenden Katzen-Hausgeist mit Namen Sathan zu besitzen, den eine an die andere weitergegeben habe, und das Verfahren gegen die Hexen von Warboys sowie der Prozess gegen die bekannte schottische Hexe Isobel Gowdie. Isobel Gowdie gestand, anscheinend ohne dazu gezwungen worden zu sein: „Jede von uns hat einen Hausgeist, der uns dient, wenn wir belieben ihn zu rufen.”
Kam es dann dazu, dass einer vermeintlichen Hexe der Prozess gemacht wurde, dann verschwanden deren Hausgeister und erschienen dem Vernehmen nach auch nicht wieder, um ihre vormaligen Besitzer zu retten, wenn diese im Gefängnis eingesperrt waren. Fand man solche Dämonen, dann wurden sie sofort verbrannt.

 

 

 

 

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