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Englischer Richter,
dessen Ruf als gelehrteste und scharfsinnigste juristische Autorität seiner
Zeit durch seinen offensichtlichen Glauben an Hexerei und sein Verhalten in
mehreren bekannten Hexenprozessen dauerhaft beeinträchtigt wurde.
Der puritanisch erzogene Matthew Haie wurde 1637 als Anwalt zugelassen und
stieg 1671 zum Vorsitzenden der King's Bench Division, einer Abteilung des
Obersten Gerichtshofes, auf. Bei verschiedenen Gelegenheiten demonstrierte
er seine starke Voreingenommenheit gegenüber angeblichen Hexen und setzte
sich dafür ein, dass diese auch schuldig gesprochen wurden. War in einem
Fall abzusehen, dass die Beweislage einen Freispruch verlangte, dann
verlegte er sich für gewöhnlich darauf, in seinem Resümee überhaupt nicht
auf die Beweismittel einzugehen, sondern die abergläubischen Neigungen der
Schöffen wachzurufen.
Der schändlichste Prozess, mit dem man Sir Matthew Haie in Verbindung
brachte, war der gegen Rose Cullender und Amy Duny in Bury St. Edmunds, der
im Jahre 1662 stattfand. Viele Zuschauer im Gerichtssaal stellten fatale
Mängel in den gegen die zwei Frauen vorgebrachten Beweisen fest, die sich
auf die Aussagen hysterischer Kinder von etwa zehn Jahren stützten. Doch
Haie zeigte unverkennbare Befriedigung über den Schuldspruch, der gefällt
wurde, nachdem er in bewährter Weise an die Schöffen appelliert hatte. Der
Fakt, dass angeblich neutrale Zeugen als befangen entlarvt wurden, weil sie
in persönlicher Verbindung zu den „Opfern” der Angeklagten standen, wurde
geflissentlich ausser acht gelassen, und die Behauptungen, die Kinder würden
von übelwollenden Geistern gepeinigt, wurden trotz der Tatsache, dass
niemand sonst diese geheimnisvollen Wesen sehen konnte, bereitwillig
akzeptiert. Rose Cullender undAmy Duny wurden, wie nicht anders zu erwarten
war, gehängt.
Hales Schuld im Fall der Hexen von Bury St. Edmund endete hier jedoch nicht,
denn seine Entscheidung in diesem Prozess diente einige Jahre später den
Richtern in den Verfahren gegen die Hexen von Salem als Modell. Der
Schatten, den der Fall auf Hales Namen warf, war so dunkel, dass Bischof
Gilbert Burnet, der Biograph des Richters, schon 1682 sorgfältig jegliche
Erwähnung des Falles von Bury St. Edmunds vermied. Hales Engagement in den
Hexenfällen wird häufig der Herangehensweise seines Amtsnachfolgers Sir John
Holt gegen-übergestellt. Sir John Holts Name wird in Ehren gehalten, weil
sich dieser Mann standhaft weigerte, sein Urteilsvermögen durch den
Hexenwahn seiner Zeit beeinträchtigen zu lassen, und weil er auf seine Weise
viel dazu beigetragen hat, die Hysterie zu beenden. |