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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Haare

Haare sollten genau wie andere Teile des Körpers selbst dann noch eine geheimnisvolle Verbindung zum Körper bewahren, wenn man sie abgeschnitten hatte. Sie wurden deshalb von den Praktikern der Hexenkunst hoch geschätzt - insbesondere deshalb, weil der Kopf als Sitz der psychischen Kraft eines Menschen gilt. Viele Hexen, die einst vor die kirchliche oder die weltliche Obrigkeit gebracht wurden, gaben zu, das Haar lebender Menschen und auch Verstorbener für ihre schändlichen Ziele verwendet zu haben.
Der Besitz einiger weniger menschlicher Haarsträhnen reichte für eine erfahrene Hexe angeblich aus, um magischen Einfluss auf eine bestimmte Person zu erlangen. Eine Hexe konnte beispielsweise einen Menschen herbeirufen, indem sie ein einziges abgeschnittenes oder verlorenes Haar eben dieses Menschen in heissem Wasser kochte. Das Verbrennen einer ganzen Haarsträhne indes brachte nach Meinung vieler Hexen dem einstigen Besitzer unerträgliche Schmerzen. Man konnte auch einige Haarsträhnen in eine Wachsfigur einfügen, die das Ebenbild einer bestimmten Person darstellte, um eine magische Verbindung herzustellen, über die die Hexe dann einen Bildzauber wirken lassen konnte.
Möglichkeiten, sich gegen solche Zaubereien abzuschirmen, gab es nur wenige. Wer fürchtete, Opfer einer solchen Hexerei zu werden, vernichtete sein abgeschnittenes Haar mit grösster Sorgfalt, so wie es beispielsweise auch Aleister Crowley tat. Die Haare vergrub man jedoch am besten, statt sie zu verbrennen, da der Besitzer sie am Tag des Jüngsten Gerichts im Jenseits wieder brauchte. Dem Aberglauben zufolge handelten Eltern, die in ihren Nachwuchs vernarrt waren und deshalb eine Locke von ihrem Kind aufbewahrten, höchst unklug, denn diese Locke konnte ja allzu leicht in die Hände einer Hexe fallen. Auch Liebende tauschten traditionell eine Haarlocke aus, die ein Zeichen des völligen Vertrauens zueinander und des festen Glaubens daran war, dass der andere sie nicht für Hexerei und Zauberei verwenden würde.
Bestand Grund zu der Annahme, dass man das Ziel irgendeines Zaubers war, dann genügte es angeblich, sich eine Locke abzuschneiden und sie gewissermassen zu opfern, um weiteren körperlichen Beeinträchtigungen vorzubeugen. Eine andere Möglichkeit war die, eine Hexenflasche herzustellen, in die unter anderem ein paar eigene Haare hineingehörten.
Haare spielten jedoch auch in weniger üblen Zaubereien eine Rolle. Sie wurden häufig als empfehlenswerte Zutat für Rezepturen genannt, mit deren Hilfe man die Gesundheit stärken oder das Herz eines anderen Menschen gewinnen wollte. In der Vergangenheit empfahlen weisse Hexen für die Behandlung von Keuchhusten bei Kindern mitunter, einen Hund mit einem Stück Brot zu füttern, auf das man eine Strähne vom Haar des Patienten gelegt hatte. Die Krankheit würde dann auf den Hund übergehen, und das Kind sollte sich angeblich wieder erholen.
Zur Vorbereitung auf die Suche nach dem Hexenmal oder auch kurz vor der Hinrichtung wurden vermeintliche Hexen einst am ganzen Körper kahlgeschoren. Das sollte nicht nur das Auffinden belastender Zeichen erleichtern; es sollte die Verdächtigen auch ihrer übernatürlichen Kräfte berauben und verhindern, dass eine verurteilte Person in letzter Minute noch floh. Die Dämonen, die sich angeblich im Haar der Hexe versteckt hielten, konnten mit Hilfe ihrer Magie der angeklagten Person möglicherweise ja helfen, die Qualen der Folter zu überstehen, und dem oder der Gefangenen irreführende Worte zuflüstern, um die Befrager zu täuschen.

 

 

 

 

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