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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Grabschändung

Die Feinde des Hexenwesens haben lange Zeit behauptet, die Hexen und Hexenmeister plünderten Gräber, um sich die für ihre Zaubereien erforderlichen Zutaten zu beschaffen; scheinbar hat es auch wirklich solche Störungen der Totenruhe gegeben. Viele der mächtigsten Zauber, die die Hexen angeblich vollbrachten, erforderten Dinge, die eigentlich unmöglich zu beschaffen waren. Eine ganze Zahl von Zaubermitteln wie beispielsweise manche todbringenden Tränke wirkten nur, wenn die Hexe dafür auch Stücke von Überresten menschlicher Körper verwenden konnte. Daher rührt der Hexenbrauch, die Scharfrichter zu bestechen, damit diese ihnen die Leichen am Galgen überliessen, und im Dunkel der Nacht Tote aus ihren Gräbern zu stehlen.
Am begehrtesten waren die Leichen von Personen, die eines zu frühen, gewaltsamen Todes gestorben waren, da sie angeblich noch Spuren ungenutzter Lebenskraft enthielten. Nach Auffassung von Paulus Grillandus, einem italienischen Richter aus dem sechzehnten Jahrhundert, „nehmen einige ein kleines Stück von einer begrabenen Leiche, besonders wenn es die Leiche von jemandem ist, der gehängt wurde oder auf andere Weise einen schmachvollen Tod erlitt ... die Nägel oder Zähne ... Haare, Ohren oder Augen ... Sehnen, Knochen oder Fleisch”. Alice Kyteler, die berühmteste Hexe Irlands, soll bei ihren Zaubereien den Schädel eines Diebes benutzt und von einer Leiche gestohlene Haare verwendet haben.
Ebenfalls begehrt waren die Leichen von Säuglingen, besonders die von Kindern, die bereits vor der Taufe gestorben waren. Isobel Gowdie, die bekannte schottische Hexe aus dem siebzehnten Jahrhundert, beschrieb in ihrem freiwilligen Geständnis ausführlich, wie sie und andere Mitglieder des Hexenzirkels für ihre Zaubereien die Körper frisch begrabener Kinder exhumiert hätten. Diese Leichen seien dann zerschnitten und die Stücke auch unter den anderen Hexenzirkeln der Gegend aufgeteilt worden. Isobel Gowdie und ihre Gefährtinnen unter den Hexen hätten ihren eigenen Beuteanteil im Acker eines Bauern vergraben, um durch Magie dessen Feldfrüchte zu „stehlen”.
Auch in den letzten Jahren hat es öffentlich bekannt gemachte Fälle von Grabschändung gegeben, deren Urheber offenbar Mitglieder satanistischer Sekten waren. 1968 wurden auf dem Tottenham Park Cemetery in Edmonton im nördlichen London Särge aufgebrochen, und ein Jahr darauf fand man die Knochen eines Mädchens, das vor etwa zweihundert Jahren auf dem Friedhof einer verfallenen Kirche in Clophill begraben worden war, im Innern dieser Kirche ausgelegt, nachdem sie anscheinend in einer obskuren Zeremonie benutzt worden waren.
Um Hexen davon abzuschrecken, Gräber zu schänden, griff man zu verschiedenen Massnahmen: Die Grabsteine wurden mit Runen bekritzelt, oder man meisselte Flüche in den Stein, die das Wohlergehen jener gefährden sollten, die die im Boden ruhenden sterblichen Überreste anrührten.

 

 

 

 

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