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Schottische Hexe, deren
freiwilliges und ausführliches Geständnis 1662 vor der Obrigkeit in Auldearn
dazu beitrug, dass sie zur bekanntesten Person in den Annalen des
Hexenwesens nördlich des Grenzgebiets zwischen England und Schottland wurde.
Isobel Gowdie, die kinderlose Frau eines ungebildeten Bauerns namens John
Gilbert, war jung, rothaarig und attraktiv, doch anscheinend geistig
zerrüttet, denn sie glaubte, alle Arten von übernatürlichen Kräften zu
besitzen, die sie ihren erstaunten und entsetzten Befragern freiwillig
beschrieb. Die Enthüllung, dass sie eine Hexe sei, war für alle, die sie
kannten, eine Erschütterung, zumal bis zu ihrem Geständnis vor der Obrigkeit
selbst ihr Ehemann nichts davon gewusst hatte. Sie erklärte, ihn behext zu
haben, indem sie einen Besen in ihrem Bett zurückgelassen habe, um sich dann
auf den Weg zum Hexenzirkel zu machen.
Ihrem Geständnis zufolge wurde Isobel Gowdie 1647 in der Kirche von Auldearn
in Nairnshire als Hexe getauft. Kurze Zeit davor sei sie eines Tages in den
Dünen zum erstenmal dem Teufel, „einem Mann in Grau”, begegnet. Auf ,dessen
Anweisung hin habe sie ihre christliche Taufe verleugnet, eine Hand auf
ihren Kopf und die andere unter ihre Füsse gelegt und ihm alles versprochen,
was zwischen ihren beiden Händen gewesen sei. Sie sei dann auf den Namen
Janet getauft worden, und der Teufel habe ihr dein Mal aufgebracht. Er habe
sie in die Schulter gekniffen, aus der Wunde Blut gesaugt und ihren Kopf
damit besprengt. Zum Schluss des Rituals habe der Teufel von der Kanzel
gepredigt. Die Hexenzirkel, an denen Isobel Gowdie angeblich teilgenommen
hatte, bestanden aus dreizehn Mitgliedern, die dort lernten, sich in
verschiedene Tiere zu verwandeln, obskure Zeremonien mit den Leichen
ungetaufter Kinder abzuhalten, „Elfenpfeile” abzuschiessen, Feldfrüchte für
den Teufel zu rauben, die Milch der Kühe zu stehlen, ihre Feinde mit Hilfe
von deren Ebenbildern aus Ton zu vernichten, Unwetter heraufzubeschwören und
verschiedene andere Meisterstücke auszuführen. Isobel Gowdie erklärte auch,
wie man sie gelehrt habe, auf einem Strohhalm oder einem Bohnenstengel zu
den Hexensabbaten zu fliegen. Jede Hexe im Zirkel habe ihren eigenen
Hausgeist gehabt, ihr eigener sei ein schwarz-gekleideter Geist mit Namen
Read Reiver gewesen. Sie behauptete weiter, mit anderen Zirkelmitgliedern
und dem Teufel öfter Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, wobei sie
festgestellt habe, dass die riesigen Genitalien des Teufels ihr mehr
Vergnügen bereitet hätten als die gewöhnlicher Sterblicher, obwohl sein
Samen eiskalt gewesen sei.
Obgleich Isobel Gowdie während ihres überraschend klaren, zusammenhängenden
Geständnisses keine Verwirrung zeigte, liess sie doch Gewissensbisse wegen
ihres Verhaltens erkennen; sie schien sich der wahrscheinlichen Folgen ihrer
beispiellosen Erklärungen voll bewusst zu sein und wehklagte bei ihrem
Prozess, dass sie die härteste Folter verdiene. Obwohl die Berichte von den
Prozessen gegen die Hexen von Auldearn nichts darüber aussagen, ist denkbar,
dass Isobel Gowdie gehängt und ihr Körper in der üblichen Weise zu Asche
verbrannt wurde.
Experten auf dem Gebiet des Hexenwesens sehen seither in Isobel Gowdie die
urtypische Hexe des siebzehnten Jahrhunderts, der sie, wie es Isobel Gowdie
für sich beansprucht hatte, all die Kräfte zusprachen, die Hexen auch in
anderen Fällen unterstellt wurden. Weshalb die Schottin das
ausserordentliche Geständnis ablegte, das ihr und anderen Mitgliedern ihres
Hexenzirkels mit grosser Wahrscheinlichkeit den Tod bringen musste, ist bis
heute umstritten. Von seiten einiger Fachleute gibt es Spekulationen, sie
sei wahnsinnig oder emotional unausgeglichen gewesen und habe, gelangweilt
von ihrem einsamen Leben, mit dem Geständnis die Aufmerksamkeit auf sich
ziehen wollen, ohne Rücksicht darauf oder weil sie einfach nicht begriffen
hatte, welchen Preis sie dafür würde zahlen müssen. Anderen Ansichten
zufolge ist auch denkbar, dass der Hexenzirkel Isobel Gowdie als
Menschenopfer ausersehen hatte oder dass sie nach einer Auseinandersetzung
von dem Drang besessen war, sich an ihren Gefährten zu rächen. |